Ausblick

Bürgermeister Kölbl zum neuen Jahr: „Wasserburgs Wirtschaft ist relativ pandemieresistent“

Bürgermeister Michael Kölbl genießt von der „Schönen Aussicht“ aus den Blick auf die Stadt – seine persönliche Aussicht auf 2021: vorsichtig optimistisch.
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Bürgermeister Michael Kölbl genießt von der „Schönen Aussicht“ aus den Blick auf die Stadt – seine persönliche Aussicht auf 2021: vorsichtig optimistisch.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Das Löwen-Stadion ist gerüstet für einen Aufstieg, die finanzielle Lage der Stadt ist trotz Corona stabil: Das sind zwei von vielen guten Nachrichten für das neue Jahr. Wie es 2021 bei vielen kommunalpolitischen Themen weitergeht, berichtet Bürgermeister Michael Kölbl im Interview zum Jahreswechsel, Teil 2. . .

Wasserburg – Bürgermeister Michael Kölbl schaut optimistisch ins neue Jahr – obwohl feststeht, dass uns die Pandemie noch länger im Griff haben wird. Warum der Rathauschef trotzdem positiv denkt, erläutert er im zweiten Teil des Interviews zum Jahreswechsel.

Die Verkehrsberuhigung ist und bleibt sicherlich auch 2021 ein kontrovers diskutiertes Thema. Welche Erwartungen knüpfen Sie an das im Stadtrat gefundene Konzept?

Michael Kölbl: Eine breite Mehrheit hat diesen Kompromiss gefunden, der die Belange des Gewerbes, der Kunden und Anwohner unter einen Hut zu bringen versucht. Bei der Umsetzung, denke ich, wird nicht so heiß gegessen wie gekocht. Ich freue mich auf eine verkehrsfreie Hofstatt am Wochenende, vermutlich ab März, wenn hoffentlich die musikalischen Samstage wieder starten. Natürlich müssen wir schauen, wie die Umsetzung klappt und ob es funktioniert.

Die Altstadtbahn wurde im November vom Bundesverwaltungsgericht Leipzig zu Grabe getragen. Die Stilllegung ist jetzt rechtskräftig. Wie geht es nun weiter mit der Strecke? Welche Nutzung wünschen Sie sich?

Kölbl: Noch sind die Gleise als Bahnstrecke gewidmet, wir müssen die nächsten Schritte also genau überlegen. Ich persönlich würde am liebsten einen Radweg Richtung Altstadt verwirklichen.

Es besteht weiterhin Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen. Welche Einrichtungen müssen wie ausgebaut werden? In welchen Bereichen gibt es Handlungsbedarf?

Kölbl: Die Bedarfsermittlung steht, wir haben bereits die notwendigen Entscheidungen getroffen. Bereits erweitert wurde die Kita in der Altstadt – um eine Gruppe. Wir werden den Ausbau des katholischen Kindergartens in der Ponschabaustraße und den Neubau von Kindergarten und Krippe der Adventgemeinde finanziell fördern.

Das Badria ist das Sorgenkind der Stadtwerke und damit auch der Stadt als kommunaler Mutter. Was muss getan werden, damit das im Corona-Jahr 2020 besonders stark gebeutelte Familienbad finanziell gesundet?

Kölbl: Nach der Pandemie werden wir uns die Strukturen und die Kostenstellen des Badria ganz genau anschauen und Bilanz ziehen. Das hat im Corona-Jahr keinen Sinn. Fest steht: Der Stadtrat will ein Familienbad mit verträglichen Preisen. Das Badria wird also immer ein Defizitbetrieb bleiben. Doch das Badria ist viel mehr als nur ein Bad: Es handelt sich um eine Freizeit-, Sport- und Kulturstätte mit Dreifach-Sport- und Mehrzweckhalle, genutzt auch von den Vereinen und Schulen. Wir werden immer einen Zuschuss aus der Stadtkasse geben müssen. Und wir müssen uns darum bemühen, dass wirtschaftliche starke Stadtwerke das Defizit durch gute Einnahmen in anderen Betriebsbereichen wie beim Stromverkauf abmildern.

Wasserburg ist eine Sportstadt, stark vor allem im Basketball, Fußball und in der Leichtathletik. Reichen die Sportstätten auf Dauer aus?

Kölbl: Im Hallenbereich ist der Bedarf gedeckt. Im Freiflächenbereich sieht es anders aus. Fußball und Leichtathletik benötigen Ausweich- und weitere Trainingsplätze. Wir sind bereits an das Erzbischöfliche Ordinariat herangetreten, das Eigentümerin der Flächen südlich des Badria ist, um hier vielleicht auch auf Erbbaurecht erweitern zu können.

Sollten die Löwen noch einmal aufsteigen, würde es Sie als Fan sicherlich sehr freuen. Doch kann sich die Stadt ein in diesem Fall weiter aufzurüstendes Stadion finanziell leisten?

Kölbl: Ja, man muss passende Lösungen finden – für das Altstadtstadion eine angemessene Tribüne mit Überdachung, weil dort ja die meisten Spiele stattfinden. Ferner steht das Badria-Stadion schon für die nächste Spielklasse parat. Größere Spiele mit höherem Besucherandrang und Sicherheitsanforderungen könnten hier statt in der Altstadt stattfinden. Im Badria-Stadion wird es auch möglich sein, Fanbereiche abzutrennen.

Finanziell ist die Stadt trotz Corona-Pandemie mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Steuereinbrüche fallen nicht so dramatisch aus wie gedacht. Was sind die Gründe? Sehen Sie ähnlich optimistisch ins neue Jahr?

Kölbl: Ja, denn ich bin überzeugt: Wasserburgs Wirtschaft ist relativ pandemieresistent. Unsere Steuereinnahmen hängen nicht von nur einem großen Gewerbesteuerzahler ab. Wir haben eine breite Spitze an Unternehmen. Natürlich ist das auch nur eine Handvoll, die etwa 80 Prozent der gesamten Gewerbesteuern an die Stadtkasse abführen. Aber diese Firmen sind fast alle in Branchen tätig, die nicht so extrem unter der Pandemie gelitten haben.

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Es ist kein Geheimnis, dass Sie sich über die vom Staatlichen Bauamt an die Firma Zosseder erteilte Sondernutzungserlaubnis für die Verlegung des Parkplatzes an der B 304 in Babensham geärgert haben. Denn mit dem Parkplatzbau könnte auch eine neue Zufahrt zur beantragten Deponie geschaffen werden. Haben Sie sich eigentlich beim Staatlichen Bauamt beschwert? Und was wird die Stadt unternehmen, um - wie vom Stadtrat gewünscht - die geplante Deponie vor den Toren zu verhindern?

Kölbl: Ich habe mich gewundert darüber, wie unkompliziert es ging, eine Sondernutzungserlaubnis für die Parkplatzverlegung vom Staatlichen Bauamt zu bekommen. Diese Verwunderung habe ich auch öffentlich im Stadtrat zum Ausdruck gebracht. Wir bringen uns auch in dieser Angelegenheit offiziell über unseren Fachanwalt ein. Nach dem Beschluss der Regierung von Oberbayern zur Planfeststellung muss der Stadtrat entscheiden, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Wasserburg hat große Schritte unternommen, um mehr günstigen Wohnraum zu schaffen – unter anderem durch zwei neue Wohnanlagen. Welche Projekte stehen 2021 an?

Kölbl: Das Schöpfwerk am Inn ist fertiggestellt. Jetzt steht das Burkhardt-Gelände, das sich im Eigentum der Stadt befindet, bereit zur Überplanung für ein Wohngebiet. 2021 ist der Abriss der alten Gebäude der ehemaligen Essigfabrik vorgesehen, wir wollen auch in die Planung einsteigen. Mein Anliegen ist es, erneut einen sozial geförderten Geschosswohnungsbau zu erreichen.

Wie ist der Stand der Dinge rund um den Neubau des Feuerwehrhauses? Und was passiert mit dem später frei werdenden Gelände des alten Feuerwehrhauses?

Kölbl: Die sehr aktive Arbeitsgemeinschaft mit Mitgliedern der Feuerwehr, der Verwaltung, des Stadtrates und der Planer hat schon mehrmals getagt. Der Gesamtbedarf wird gerade erarbeitet. 2021 soll in die konkrete Planungsphase eingetreten werden. 2022 wollen wir die Arbeiten ausschreiben. Zum Gelände des alten Feuerwehrhauses gibt es noch keine Entscheidungen. Denkbar wäre auch hier in Altstadtnähe eine Nutzung für Wohnzwecke. Wir sind auch im Gespräch mit der Sozialakademie zwecks ihrer Erweiterung – vielleicht über einen Flächentausch, der wiederum uns eine Erweiterung des Parkhauses ermöglichen würde.

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