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Reinstellen, rausnehmen, tauschen

„Bücherbokx“ lädt in Obing zum Lesen ein – so kommt das Projekt an

Lesefans vor der „Bücherbocx“ (von links): Marille Borowicz, Rosella, Lena und Ingrid Wimmer. Nicht auf dem BIld: Simone Stettwieser.
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Lesefans vor der „Bücherbocx“ (von links): Marille Borowicz, Rosella, Lena und Ingrid Wimmer. Nicht auf dem BIld: Simone Stettwieser.
  • VonChrista Auer
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Ein öffentlich zugänglicher Bücherschrank – die Idee ist nicht neu, aber gut, finden die Obinger. Sie nutzen das zusätzliche Leseangebot zwischen Eisdiele und Pfarrheim bereits fleißig. Einblicke in das Projekt und die Motivation seiner Macher.

Obing – Sie steht erst seit gut zwei Wochen – die Obinger „Bücherbokx“, doch das Interesse ist riesig. Nicht nur wegen der extravaganten Schreibweise. „Bokx“-Bücherschränke wurden von der Urban Life e.G. entwickelt, um einen barrierefreien Zugang zu Kunst und Kultur zu schaffen.

Reinstellen, rausnehmen, tauschen

Frei nach dem Motto: „Jeder kann Kunst“. Mit dem regen und kostenfreien Büchertausch sollen Jung und Alt am Bücherschrank aber auch ins Gespräch kommen und Kontaktmöglichkeiten entstehen. „Cool, dass man da immer Bücher rausnehmen kann, wenn man dazu Lust hat“, findet die zehnjährige Lena. Sie hat den öffentlich zugänglichen Bücherschrank gemeinsam mit ihrer gleichaltrigen Freundin Rosella auch schon entdeckt. Beide Mädchen lesen sehr gerne und sind immer auf der Suche nach neuem Stoff. Hoch im Kurs stehen bei ihnen derzeit Pferdegeschichten und Harry Potter. „Ich habe auch schon ein paar Bücher, die ich schon öfter gelesen habe, reingestellt. Die werden anderen sicher auch gefallen“, erzählt Rosella.

Aber auch wenn man nichts rausnehme, mache das Durchschauen Spaß. „Hoffentlich hat jemand Freude dran“, wünscht sich Marielle Borowicz, nachdem sie die „Bücherbokx“ mit einigen Romanen befüllt hat. Ihre Bücher hat die leidenschaftliche Leserin bisher anderweitig verschenkt, „weil es schade wäre, wenn sie nach einmaligem Lesen nur rumstehen“. Die „Bücherbokx“ an zentraler Stelle findet sie deshalb super und auch nachhaltig. Da komme man oft vorbei und schon beim Vorbeigehen werde das Interesse geweckt. Vielleicht nehme man ein Buch mit nach Hause, ohne dass man es vorgehabt hätte.

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„Ich finde die kleine bunte Auswahl mit Büchern, die andere schon gelesen haben, interessant und Büchertauschen faszinierend“, sagt Simone Stettwieser. Das Obinger Angebot sei ansprechend und geordnet präsentiert, motiviere den ein oder anderen vielleicht zum Lesen und steigere nebenbei die Aufenthaltsqualität auf dem öffentlichen Platz in der Ortsmitte.

„Reinstellen, rausnehmen, tauschen – ich freue mich, dass die Bücherbokx so gut angenommen wird“, sagt die Obinger Gemeinderätin Ingrid Wimmer (PAO). Sie kannte das freizugängliche Leseangebot aus anderen Orten und fand, dass das auch eine gute Sache für Obing wäre. Damit hat sie sich auch nicht getäuscht, denn ihr Vorschlag fand im Ort – bisher gab es schon ein kleines Leseregal am Minigolfplatz – und auch im Gemeinderat große Akzeptanz. Prominenteste Unterstützerin war jedoch die Kammersängerin Brigitte Fassbaender. Sie war vom Konzept der öffentlichen Bücherschränke in Kombination mit kreativen Kunstprojekten angetan und spendete dafür ihren mit 5000 Euro dotierten Oberbayerischen Kulturpreis. Den Rest legten die Obinger Gemeinderäte aus der Privatschatulle drauf. Pfarrer David Mehlich stellte den Standort auf Kirchengrund zur Verfügung und der Bauhof sorgte für das notwendige Fundament.

Mit viel Rückenwind habe sie sich dann mit ehemaligen, langjährigen Gemeinderat Thomas Breu und der Künstlerin Christine Bender an die Umsetzung gemacht und schnell gemerkt, dass das anfangs angedachte, vor Ort gezimmerte Bücherhäuschen aus Holz das vorhandene Budget bei weitem übersteige und auch aus Sicherheitsgründen ausscheide, erzählt die Initiatorin. Auf der Suche nach besseren Alternativen habe man sich schließlich für einen „Bücherbokx“-Schrank entschieden. Das Model aus Stahl und Acrylglas passe baulich gut zum Ensemble am Pfarrheim. Es sei stromunabhängig, wetterfest, stabil und gut einsehbar. Zwei gegenüberliegende und selbstschließende Türen ermöglichten den direkten Zugriff auf die gut 200 Bücher, die im Innern Platz fänden, erklärt die stellvertretende Familienbeauftragte.

Sprache Schlüssel für viele Lebensbereiche

„Wichtig war von Anfang an, dass es sich dabei um keine Konkurrenz zur örtlichen Pfarrbücherei, sondern um ein Zusatzangebot außerhalb von Öffnungszeiten handelt“. Schließlich sei Sprache und damit Lesen eine Schlüsselqualifikation für alle Lebensbereiche. Das müsse gefördert werden. Klar sei aber auch, dass das Bücherschrankerl gut betreut werden müsse. Diese Aufgabe würden sie und Bender übernehmen. Politische und pornografische sowie gewaltverherrlichende Literatur sind verboten. „Aber es ist auch kein Lager, für Bücher, die keiner mehr braucht“, betont Wimmer. Doch auch die seien nicht unbedingt ein Fall fürs Altpapier. Es gäbe viele Ideen, aussortierte Bücher in kreativen Projekten eventuell auch mit Kindern und Jugendlichen zu verwerten..

Und natürlich soll die „Bücherbokx“ von Obing auch noch offiziell mit einem Besuch der Kammersängerin Brigitte Fassbaender und einem Bücherflohmarkt eingeweiht werden. Der Termin steht jedoch noch nicht fest.

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