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Neue Publikation „Heimat am Inn“

Buch würdigt den unerschrockenen Retter von Wasserburg

Würdigten die Arbeit von Autor Robert Obermayr (Mitte): Heimatvereinsvorsitzender Peter Rink (links) und Bürgermeister Michael Kölbl.
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Würdigten die Arbeit von Autor Robert Obermayr (Mitte): Heimatvereinsvorsitzender Peter Rink (links) und Bürgermeister Michael Kölbl.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Viel hat Wasserburg dem beherzten Widerstandskämpfer Josef Estermann zu verdanken. Ihm widmet Autor Robert Obermayr ein Buch, das er jetzt zum ersten Mal öffentlich vorstellte. Das Werk spielgelt auch die Lage von Wasserburg am Ende des Zweiten Weltkriegs wider.

Wasserburg – „Die Stadt hat Glück gehabt am Ende des Zweiten Weltkrieges, sie ist mit einem blauen Auge davongekommen.“ So bewertet Bürgermeister Michael Kölbl die Situation in Wasserburg in den kritischen, alptraumhaften Tagen Ende April/Anfang Mai 1945. Damals bewahrte Josef Estermann die Stadt vor dem Schlimmsten.

Dem Wasserburger Robert Obermayr ist es zu verdanken, dass das Wirken des beherzten Widerstandskämpfers Estermann nicht in Vergessenheit gerät. In einer Studie mit dem Titel „Jetzt kommt da Estermann, da Kriag is gar“ zeichnet Obermayr die letzten Kriegstage mit großer Genauigkeit nach. Vor dem Heimatverein präsentierte er am Montagabend einen Ausschnitt seiner Forschungsergebnisse. Den rund 70 Besuchern, darunter Bürgermeister Kölbl, vermittelte Obermayr im Rathaussaal mit vielen historischen Fotos einen packenden Eindruck von den damaligen Wirren – nachzulesen in der neuesten Ausgabe der Reihe „Heimat am Inn“, die jetzt im Buchhandel zu haben ist. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Peter Rink, würdigte die Studie als „herausragendes Werk der Heimatgeschichte“.

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Als Grundlage dienten Obermayr neben den Spruchkammerverfahren zur Entnazifizierung auch verschiedene Akten und Quellen aus dem Wasserburger Stadtarchiv. Im Mittelpunkt stehen dabei die Person Estermanns, dem einstigen KP-Aktiviste n und Ersten Bürgermeister Wasserburgs nach dem Zweiten Weltkrieg, und die Darstellung der von Estermann angeführten sogenannten Freiheitsaktion.

Viele Facetten aus dem Leben Estermanns hat Obermayr zusammengetragen und legt so eine hochinteressante Gesamtschau der Ereignisse in Wasserburg vor. Im rechten Augenblick das Schlimmste zu verhindern, das sei die Absicht Estermanns gewesen, dafür habe er zusammen mit seinen Helfern viel riskiert. Manchmal rettete er sich mit Täuschungsmanövern: Einmal soll er gegenüber den Nazis erklärt haben, die Freiheitsaktion in Wasserburg umfasse mehrere hundert Leute. „Eine deutliche Übertreibung, die aber anscheinend Eindruck machte“, so Obermayr. Sein Fazit: „Wir können die Widerstandshandlungen als mutiges und entschlossenes Signal gegen die sinnlose Weiterführung des Krieges und gegen die nationalsozialistische Herrschaft sehen.“

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In der Studie verweist der Autor freilich auch auf den Spitzel-Vorwurf gegen Estermann, der an ihm hängen geblieben sei, „obwohl ein US-Militärgericht ihn davon freisprach“. Schon 1946 zog er sich jedenfalls desillusioniert aus dem politischen Geschäft zurück: „Und gar nix mehr mecht i wissen davo.“

Kölbl sagte am Rande der Veranstaltung, zum Vorgehen von Estermann habe wohl auch eine Portion Unerschrockenheit gehört. „Es war ein einfacher Mensch, aber er war burschikos in seinem Auftritt. Der hat einfach gesagt: ‚Das mach‘ ich jetzt.‘“

Enkelin Johanna Pixner (73) ist stolz

Johanna Pixner ist stolz auf ihren Großvater Josef Estermann.

Dem Vortrag hörte auch Estermanns Enkelin Johanna Pixner (73) aufmerksam zu. Sie hat noch genaue Erinnerungen an ihren Großvater, bei dem sie aufgewachsen ist: „Ich hatte eine tolle Kindheit.“ Die Wasserburgerin schildert Estermann als einen Menschen, der dem Leben zugewandt gewesen sei – „absolut kein Ideologe“. Sie habe ihn Zeit ihres Lebens bewundert: „Ich bin stolz auf ihn.“

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