Von Bubiköpfen und frechen Frauen

Musikalische Leckerbissen aus seinem mitgebrachten Grammophon "servierte" Walter Erpf. Fotos Mittermair
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Musikalische Leckerbissen aus seinem mitgebrachten Grammophon "servierte" Walter Erpf. Fotos Mittermair

Mit viel Schwung und einer kräftigen Portion Wortwitz wurde die Sonderausstellung "Veronika der Lenz ist da!" im Heimatmuseum in Wasserburg eröffnet. Viele Neugierige zog es in den Museumsraum. Ein altes Grammophon war Stargast.

Wasserburg- Charleston und Lindy Hop, der Bubikopf und die zunehmend frechere Position der Frauen bringen die 20er- und 30er-Jahre ins Heimatmuseum nach Wasserburg. Stadträte, Kulturliebhaber und Vertreter der Stadt haben einen Blick auf die illustre Zeit gewagt.

Ziel der Ausstellung sei es, den Besuchern die 20er-Jahre lebendiger werden zu lassen, heißt es von Stadtoberhaupt Michael Kölbl in seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung. "Die Zeit beginnt kurz nach dem ersten Weltkrieg und nahm ein jähes Ende mit der Zeit des Nationalsozialismus", erläuterte Kölbl in seiner Ansprache. Viele Schöpfer der fröhlichen Liedkunst seien in KZ-Lager verschleppt worden.

Pfiffiges Begleitprogramm

Bilder, Texte, Musik: Alle Sinne werden bedient bei der Sonderausstellung, die bis 21. Juni unter dem Motto "Veronika, der Lenz ist da!" zur Unterhaltungskultur der 20er-und 30er-Jahre läuft. Insbesondere die Musikkultur und Schlagerwelt wird unter die Lupe genommen.

Gemeinsam mit dem Museumsteam um Leiterin Sonja Fehler hat sich ein begnadeter Sammler und Experte mit ins Spiel gebracht und der Ausstellung zu viel Glanz verholfen: Walter Erpf hat Leihgaben ins Museum gekarrt und am Eröffnungsabend musikalische Leckerbissen aus seinem mitgebrachten Grammophon herausgekitzelt. Bleibende Eindrücke hinterließen die Stücke "Benjamin, ich hab nix anzuziehen", "Wochenend und Sonnenschein" oder "am Sonntag wird mein Süßer mit mir segeln gehen".

Einzelne Lieder durften bei der Eröffnung nicht fehlen, Sonja Fehler erklärte die Entwicklung dieser frechen und freizügigen Zeit. "Damals entstand auch das Bild der modernen, freien Frau, die immer weniger Stoff getragen hat und sich mehr und mehr selbstbewusst zeigte, auch mal die Langhaarfrisur gegen den Bubikopf tauschte" so Sonja Fehler gegenüber den zahlreichen Gästen.

Die Sonderausstellung verbindet die fröhlichen Momente dieser Jahre, zeigt aber auch die nachdenklichen Seiten auf bis hin zum zunächst abrupten Ende. Stars wie Josephine Baker, Marlene Dietrich, die Comedian Harmonists, Karl Valentin und Friedrich Holländer geben ein Gastspiel und laden ein in Kabarett, Kino und Revue.

Ein vielseitiges Begleitprogramm lässt die Unterhaltungskultur der 20er- und 30er-Jahre an den Wasserburger Kulturorten lebendig werden.

So zeigt das Kino Utopia ausgewählte Filme aus dieser oder über diese Zeit, im Theater Belaqua gibt es eine Veranstaltung mit Musik und Meinungen rund um die Epoche. "Diese frühen Jahre faszinieren einfach. Sie haben so viele Facetten. Damals taten sich Neuheiten auf, die die Menschen veränderten und die bis heute in schöner Erinnerung geblieben sind", sagt Erpf. Mehrere Tausend Schriftstücke hat er gesammelt, viele Platten und Plakate, zudem 22 Grammophone, die bei ihm auf Schloss Penzing eine Herberge gefunden haben.

Bis in den Juni hinein sind etliche Ausstellungsstücke im Heimatmuseum zu bestaunen. Dem Museumsteam ist es gelungen, viel Abwechslung in die Vorzeigewelt der 20er- und 30er-Jahre zu bringen und authentisch aufzuzeigen, wie lebendig und plakativ diese Zeit war. mir

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