Brief und Telefon: In Maitenbeth erzählt die „Alte Post“ die Geschichte der Kommunikation

Rund 100 Jahre alt ist das Telefonmit der Handkurbel, dessen Hörer hier Daniel Baumgartner, Koordinator für Geschichtsarbeit im Landkreis, in der Hand hält. Günster
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Rund 100 Jahre alt ist das Telefonmit der Handkurbel, dessen Hörer hier Daniel Baumgartner, Koordinator für Geschichtsarbeit im Landkreis, in der Hand hält. Günster

Früher hörten alle im Raum mit, wenn jemand am Telefon mit der Schnur hing. Heute sorgen sich viele darum, dass ihre Handydaten nicht sicher sind. Das ist ein roter Faden, der sich durch die Historie der Kommunikation zieht, die in der „Alten Post“ im Maitenbeth erlebbar wird.

Maitenbeth – Es ging um altes Wissen rund um das Telefon und die Geschichte der Kommunikation – und nur wenige wollten das hören. Ein paar Besucher mehr hätten es sein dürfen, beim bundesweiten „Tag der Archive“, an dem sich auch die „Alte Post“ in Maitenbeth beteiligte – die Gemeinde und das Landratsamt hatten sich einiges für einen spannenden Vortrag ausgedacht.

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„Vielleicht lag es am guten Wetter“, vermutete Esther Heiß von der Gemeinde, sie ist mit dem gemeindlichen Archiv und der Alten Post als kleines Museum betraut. Veranstaltungen darin sollen etabliert werden, dafür brauche es „eben einen längeren Atem“, fasst auch Daniel Baumartner als Koordinator für Geschichtsarbeit im Landkreis zusammen. Weil den interessanten Vortrag nur etwa 15 Zuhörer verfolgt hatten, überlege man nun, das noch einmal abends anzubieten, so Baumgartner. Denn das Thema „Wer hört mit – von der Post zur Digitalität“ sei durchaus interessant und verfüge auch über einen lokalen Bezug.

So erfuhren die Zuhörer, dass Münzen eine frühe Möglichkeit zur Übermittlungen von Nachrichten ans Volk darstellten. Römische Kaiser etwa ließen Siege darauf prägen, so konnte es jeder sehen.

Schreiben war eine seltene Kunst

Doch auch später war es nicht einfach, Briefe zu schreiben. Das konnte längst nicht jeder. Dieser Jemand musste erst gefunden werden, ein Bote überbrachte dann die Nachricht und manchmal legte ein Übersetzer den Text nach eigenem Ermessen aus, was durchaus Konflikte zur Folge hatte. Und dass früher doch nicht alle sehr viel Zeit hatten zeigte der Wunsch der Maitenbether nach einer eigenen Poststelle. Denn Sendungen aus München waren manchmal mehrere Tage über Haag und das Bezirksamt in Wasserburg unterwegs.

Briefgeheimnis bestand nicht immer

Ein Thema betraf Dritte, die Kommunikation mithörten oder mitlasen, stets auch mit lokalem Bezug, etwa bei Postkarten durch Briefträger. Manchmal wurden in der Anfangszeit aber auch Briefe l Schulkindern mitgegeben, die diese schon mal im Buch vergaßen.

Andere hörten Telefongespräche mit, weil sich eines der wenigen Geräte für alle zugänglich in der Post befand. Heute, ergänzte Daniel Baumgartner, hole man sich die Mithörer in Form einer digitalen Spracherkennung in die eigenen vier Wände. Beschwerden gab es schon immer, darunter auch die fehlende Bereitschaft der Bevölkerung zum Schneeräumen für die Zusteller.

Die Schrift wurde besonders gestaltet

Interessant und vor allem auch schön war die frühere Schrift. In einer Schreibwerkstatt konnte das jeder mit Federkiel für sich ausprobieren und Kurrent- oder Sütterlinschrift üben. Dokumente aus dem Archiv lagen in ihrer originalen Schrift übersetzt in die heute gebräuchliche Schrift vor. Bei eine Rätsel-Rallye zu geschichtlichen Ereignissen rund um die Alte Post als damalige Landpoststelle gab es Süßigkeiten zu gewinnen.

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