Sie waren einsam, hatten Angst: Haager Senioren erzählen dieser Frau von ihrer Coronazeit

Lässt sich nicht unterkriegen: Haags Seniorenbeauftragte Fini Deliano, hier bei einer Auszeit vom Dienst für die älteren Mitbürger.
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Lässt sich nicht unterkriegen: Haags Seniorenbeauftragte Fini Deliano, hier bei einer Auszeit vom Dienst für die älteren Mitbürger.
  • vonLudwig Meindl
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Nichts los ist momentan für die Haager Senioren. Treffpunkte wie Seniorennachmittage sind noch gestrichen. Einsatzbereit blieb dagegen Haags Seniorenbeauftragte Fini Deliano, da Probleme und Sorgen der älteren Mitbürger in der Krise keine Pause machten.

Haag – „Jetzt fragen viele Senioren wieder nach, wann es weitergeht mit Veranstaltungen“, berichtet Deliano. Die Zwangsschließung der Seniorennachmittage, die bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) wöchentlich und im Pfarrheim monatlich stattfanden, erscheine vielen zu lange zu dauern. Älteren würden die sozialen Kontakte sehr fehlen. „Sie würden gerne wieder kommen, trauen sich aber noch nicht so“, erfuhr die Seniorenbeauftragte. Zu bedauern sei auch die Aussetzung der Gottesdienste: „Nachher haben viele Senioren immer gerne geratscht.“ Allgemein pflege man noch eine „gewisse Distanz“.

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Vor der Krise führte Deliano regelmäßige Besuche im Seniorenheim St. Kunigund durch. Aus Gesprächen am runden Tisch heraus förderte sie den Wunsch einer Ampelanlage für die Wasserburger Straße, damit Ältere mit Rollatoren sicher ins Zentrum gelangen. Sie regte auch an, dass der Citybus zu Einkaufsfahrten einmal in der Woche St. Kunigund passiert.

Seniorenbeauftragte legte keine Corona-Pause ein

Sie selber legte während der Krise keine Pause ein und blieb der Ansprechpartner „für alle Senioren“. So wollte sich ein „älterer zugereister Herr“ über Möglichkeiten und Preise der Betreuung informieren. Manche fragten sie vor schweren Operationen um ihre Meinung. Andere wieder suchen Trost im Trauerfall.

Wenn die Seniorenbeauftragte selber nicht weiterhelfen kann, verweist sie auf kompetente Behörden. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel Vereinsamung droht, wenn Zuschüsse abgerufen werden sollen. Sie selber hält sich über Treffen auf Landkreisebene auf dem Laufenden über Neuerungen, um aktuelle Fragen zu beantworten, wenn zum Beispiel jemand eine Förderung für den rollstuhlgerechten Umbau seiner Wohnung braucht.

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„Die Zugezogenen tun sich am Anfang immer schwer“, weiß sie. Deshalb gebe sie Tipps zur Integration in Haag. Mit ihrer „immer lustigen Art“ fällt es ihr nicht schwer, andere zu motivieren.

Bis zum 80. Lebensjahr stand Deliano als Geschäftsfrau in ihrer Reinigung an der Münchener Straße, die sie 53 Jahre hatte. „Daher mein hoher Bekanntheitsgrad“, so die Seniorenbeauftragte. Bürgermeisterin Sissi Schätz hat sie gerne am Haager Herbstfest zur Vergabe der Seniorengutscheine dabei, weil sie jeden kennt.

„Heute fahren Frauen mit 70 noch Auto und rennen den Berg hinauf“

Generell registriert die rührige Seniorenbeauftragte einen Gesellschaftswandel. Das Seniorenbild habe sich geändert: „Die Leute werden wesentlich älter.“ Die meisten davon seien aktiv: „70-jährige Frauen fahren heute Auto und rennen noch den Berg hinauf.“ Früher hätten sie zum alten Eisen gehört, wären durch die viele schwere körperliche Arbeit ausgemergelt gewesen. „Die wollen heute alle beschäftigt sein“, so Deliano, die sich auch viele Klagen über das Alleinsein anhören muss. Zwei Damen chauffiert sie wöchentlich persönlich zum Einkaufen.

In ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit wurde sie kürzlich vom Gemeinderat wieder einstimmig für die nächsten sechs Jahre bestätigt. Das freut und bestätigt sie: „Ich hoffe, dass ich mein Amt noch lange ausüben kann“, sagt sie.

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