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Notwendig oder überteuertes Prestige-Projekt?

„Bauen ein Gebäude und wissen nicht, was reinkommt“: Rathaus-Erweiterung in Edling sorgt für Debatten

Hier am Grandlhaus in der Pfaffinger Straße ist der Erweiterungsbau für das Edlinger Rathaus geplant. Doch braucht es diesen wirklich?
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Hier am Grandlhaus in der Pfaffinger Straße ist der Erweiterungsbau für das Edlinger Rathaus geplant. Doch braucht es diesen wirklich?
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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In Edling ist eine Diskussion über die geplante Erweiterung des Rathauses entbrannt. Der Gemeinderat diskutiert über Sinn und Unsinn - die Positionen liegen teils weit auseinander.

Edling – Braucht Edling tatsächlich eine Rathauserweiterung oder ist das geplante Gebäude nur ein überteuertes Prestigeprojekt? Diese Frage stellte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung – zu einer ungewöhnlichen Zeit. Denn eigentlich war es schon das zweite Mal, dass die Rathauserweiterung auf der Tagesordnung stand. In der vorherigen Sitzung war die Diskussion allerdings auf den nicht-öffentlichen Teil verschoben worden (wir berichteten ). Wahrscheinlich kam auch deshalb erst jetzt diese Grundsatzfrage auf.

Dritte Bürgermeisterin stellt die Grundsatzfrage

Aufgegriffen wurde sie von Dritter Bürgermeisterin Nicole Bauer-Schäfer (ÜWG). „Ich muss jetzt schon einmal fragen, brauchen wir das wirklich?“

Grundsätzlich wolle sie nicht in Frage stellen, dass die Verwaltung mehr Platz benötige, erklärte Bauer-Schäfer, aber so wie sie die Pläne verstanden habe, seien ja derzeit keine Büroflächen im Erweiterungsbau geplant, stattdessen sollen dort vorerst Wohnungen hineinkommen, die eventuell zu Büros umgewandelt werden könnten. Zudem sei das Archiv, ein Trauungszimmer und der Sitzungssaal geplant. Doch ein Gebäude lediglich für Trauungen und Sitzungen zu bauen, das rechne sich ihrer Meinung nach nicht.

Insbesondere, da es ja für beide Probleme Lösungen gebe. Trauungen würden schon jetzt im Krippnerhaus abgehalten werden und der Gemeinderat tage schon seit zwei Jahren in der Mensa der Schule. Beides könne doch weiterhin so gehalten werden.

Platz für die Verwaltung könne auch mit anderen Möglichkeiten geschaffen werden, so Bauer-Schäfer, beispielsweise könnten die Toiletten ausgelagert werden.

Bürgermeister Matthias Schnetzer (CSU) stimmte dem jedoch nicht zu. Zum Einen gehe es um die zukünftige Planung. „Wir müssen davon ausgehen, dass auch der Gemeinderat in Zukunft wachsen wird“, so Schnetzer. Dann sei der Sitzungssaal im Rathaus definitiv zu klein und ein Ausweichen auf die Mensa auf unbestimmte Zeit sei nicht zielführend. „Das ist eine Schule. Im Moment wird es toleriert, dass wir hier tagen, aber wir brauchen einen eigenen Raum.“

Auch die Hochzeiten im Krippnerhaus seien nicht ideal, zumal das Gebäude ebenfalls sechs von sieben Tagen in der Woche belegt sei.

Sandra Waldherr (UBG) begrüßte die zukunftsgerichtete Planung. „Hier agieren wir, statt zu reagieren.“ Sie vertraue darauf, dass die Verwaltung ihren eigenen Bedarf am besten einschätzen könne.

Wolfgang Baumann (ÜWG) sah die Sache jedoch ähnlich wie Bauer-Schäfer. „Wenn du sagst, aus dem Bauch raus, in zehn Jahren könnten wir es brauchen, da kann ich nicht mitgehen. Das ist mir zu schwammig“, meinte er zu Bürgermeister Schnetzer.

Stefan Schweitzer (CSU) widersprach. „Die Überlegungen, die in der Verwaltung gemacht wurden, sind ja nicht aus der Luft gegriffen.“ Dahinter werde wohl eine Bedarfsanalyse stecken. Außerdem könne der Trau- und Sitzungssaal auch für andere Dinge, wie Vereinsveranstaltungen genutzt, werden.

Florian Prietz (UBG) stellte dies jedoch infrage. „Ich glaube nicht, dass da jemand anders reingelassen wird“, schließlich sei eine Nutzung von Dritten immer auch mit Risiken verbunden.

Grundsätzlich könne er beide Seiten der Debatte verstehen, Prietz verwies jedoch darauf, dass sich die Gemeinde ja nicht festlegen müsse. Mit Trockenwänden könne heute viel gemacht werden, so könnten auch die Wohnungen in Büros umgewandelt werden. „Das Wichtigste ist, dass wir Optionen haben.“

„Bauen ein Gebäude und wissen nicht, was reinkommt“

Martin Baumann (CSU) kritisierte jedoch genau dies. „Wir stellen ein Gebäude hin und wissen gar nicht, wofür wir es nutzen.“

Ähnlich sah es Günther Weiß (ÜWG) „Ich habe etwas dagegen, wenn wir etwas dahin stellen und wir wissen nicht, was da rein kommt.“

Bürgermeister Schnetzer (CSU) zeigte sich etwas irritiert von der Debatte. Dass Bedarf seitens der Verwaltung da sei, sei doch in der vorherigen Sitzung klar deutlich gemacht worden. „Ich sehe schon die Notwendigkeit, dass wir hier Luft und Raum schaffen.“ Edling werde in Zukunft wachsen, doch der Platz werde schon jetzt benötigt. „Im Bauamt können nicht mal die Pläne ausgerollt werden“, so Schnetzer. Auch für einen Katastrophenfall sei Edling nicht gerüstet. „Einen Krisenstab können wir nicht einrichten, dafür ist kein Platz.“

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Mit zwei Gegenstimmen von Bauer-Schäfer und Wolfgang Baumann fällte der Gemeinderat die Grundsatzentscheidung, den Bau der Rathauserweiterung in Angriff zu nehmen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 3,2 Millionen Euro.

Grandlhaus weicht Rathauserweiterung

Nicht nur die Grundsatzfrage, ob die Rathauserweiterung nötig ist, sondern auch der Ort, wo diese hinkommen und wie groß sie sein sollte, beschäftigte den Edlinger Gemeinderat in der Sitzung. Die Fläche hinter dem Bestandsgebäude war bereits in einer vergangenen Sitzung ausgeschlossen worden (wir berichteten). Als übrige Optionen blieben nun zwei Grundstücke: Die Fläche gegenüber, wo sich derzeit das Grandlhaus befindet. Hier wäre ein Erweiterungsbau mit entweder 30 oder 35 Metern Länge geplant. Zweite Variante wäre ein kompletter Neubau auf einer Fläche in der Nussbaumstraße. Relativ schnell war sich der Rat einig, dass eine mögliche Platzierung in der Nussbaumstraße nicht in Frage komme. Das Grundstück sei zwar geeinigt, wie auch Architektin Bibi Kammerl-Pottrick vom Architekturbüro Kammerl und Kollegen bestätigte, doch ein Bau dort würde etwa fünf Millionen Kosten, knapp zwei Millionen mehr, als auf dem Grundstück gegenüber.

Zudem, erklärte Kammerl-Pottrick mache der Bau dort auch städtebaulich weniger Sinn, das Rathaus aus dem Zentrum an den Rand der Ortsmitte zu befördern. Außerdem sei es natürlich ökologischer das alte Rathaus zu erhalten und zu sanieren. Das sah der Rat ähnlich. Zudem, erklärte Stefan Schweitzer (CSU), sei die Fläche an der Nussbaumstraße das „Filetstück“ der Gemeinde, das für andere Bauten, wie ein Café oder Ähnliches erhalten werden sollte. Günther Weiß (ÜWG) und Helmut Hammerbacher (UBG) pflichteten ihm bei. „Das Grundstück wäre für die Entwicklung sehr wichtig“, erklärte Weiß und plädierte dafür, es nicht zu bebauen, solange die weitere Ortsentwicklung noch nicht geklärt sei. Einstimmig entschloss sich der Gemeinderat, den Erweiterungsbau auf dem Grundstück des Grandlhauses zu planen. Der Gemeinderat entschloss sich für die größere Variante mit 35 Metern.

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