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„Die Ungewissheit ist schwer zu ertragen“

Große Vorsicht in Maitenbeth: So reagieren die Familien auf die Bedrohung durch das Borna-Virus 

Klein, aber hochgefährlich: Die Spitzmaus steht im Verdacht, das Borna-Virus auf den Menschen zu übertragen.
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Klein, aber hochgefährlich: Die Spitzmaus steht im Verdacht, das Borna-Virus auf den Menschen zu übertragen.
  • Anja Leitner
    VonAnja Leitner
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Seit 2019 gab es in Maitenbeth zwei Todesfälle nach Infektionen mit dem Borna-Virus. Die Gemeinde spielt deshalb eine Schlüsselrolle bei der Erforschung der lebensgefährlichen Erkrankung. Wie groß ist die Angst vor einer Ansteckung? Wie gehen Familien mit der Situation um? Wir haben nachgefragt.

Maitenbeth – Die Wasserburger Zeitung hat mit mehreren Maitenbethern gesprochen, um sich ein Bild über die Stimmungslage vor Ort zu machen, nachdem es vor wenigen Wochen den zweiten Todesfall durch das Borna-Virus gab. In allen Gesprächen ist zu spüren, dass die Dorfgemeinschaft dem Thema sehr sensibel gegenübersteht. Aus Rücksichtnahme auf die beiden Familien, die 2019 und vor wenigen Wochen ein Kind verloren haben, möchten die Maitenbether nicht namentlich genannt werden. Ein Ortsansässiger fasst die Stimmung stellvertretend für viele Bürgerinnen und Bürger zusammen.

„Am Stammtisch, nach dem Kirchgang, wenn ich meine Enkelkinder zur Kita bringe oder abhole – praktisch überall ist das Virus Thema“, erzählt der Maitenbether (Name der Redaktion bekannt). „Die Leute sind sehr vorsichtig – ängstlich ist der falsche Ausdruck – aber sehr vorsichtig“, verdeutlicht er.

Viele würden kein Nassfutter für Hunde oder Katzen mehr vor die Tür stellen. Denn das Futter könne Insekten anziehen, von denen sich eben auch die Feldspitzmaus ernähre, die, wie berichtet, als Infektionsherd in Frage kommt, nennt er als Beispiele. „Ich habe selbst Enkelkinder. Wir haben ihnen erklärt, dass sie sich vom Forst fernhalten sollen. Wenn sie Hasenfutter von der Wiese holen, frisches Gras oder Klee, dürfen sie nicht in Richtung Wald gehen“, so der Ortsansässige. Von den Nachbarn wisse er, dass die Kinder beispielsweise den Schuppen nicht mehr betreten dürften. Manche hätten ihre Kompoststellen „dicht gemacht“, sodass keine Mäuse oder Ähnliches hinein könnten. Er selbst habe keine Katzen, die ihm Nagetiere ins Haus tragen könnten und auch sein Sohn, der ebenfalls in Maitenbeth wohne, halte nur Hauskatzen, die die Innenräume nicht verlassen.

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen sei die Situation sehr schwierig für die Bürger. „Wir wissen eben sehr wenig über das Borna-Virus. Das verunsichert die Leute“, weiß er. Sie warten auf die Ergebnisse der BOSPEK-Studie (Studie zum klinischen Spektrum von Infektionen mit dem Borna-Virus), die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Auftrag gegeben hat. Sie sollen im Herbst bekannt gegeben werden. Der Maitenbether hofft, dass daraus einige Erkenntnisse gewonnen werden können.

Er selbst war bei der Informationsveranstaltung und beim anschließenden Blutabnehmen im Juli dabei und hat sich testen lassen, berichtet der Rentner. „Wir wollen einfach wissen, wo und wie das Virus übertragen wird, damit wir uns davor schützen können, vor allem die Kinder. Es besteht ja auch die Möglichkeit, dass sich Erwachsene damit infizieren und keine Symptome haben“, so der Maitenbether. „Die Gemeinde hofft, dass diese Fragen geklärt werden können“, sagt er.

Die Grafik zeigt die laufenden Studien zum Borna-Virus, wer sie durchführt, das Ziel und wann mit Ergebnissen zu rechnen ist.

Darüber hinaus hat das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) eine Studie zur Spitzmauspopulation erhoben, um neue Erkenntnisse über diese Tierpopulation als Reservoir des Borna-Virus zu erhalten (wir berichteten). Die Studie läuft bis September 2023, wie Elke Reinking, Diplom-Biologin am FLI auf Anfrage berichtet. Wann mit ersten Resultaten zu rechnen sei, könne das Institut noch nicht abschätzen, so die Biologin.

Das sagt Bürgermeister Thomas Stark

„Die Maitenbetherinnen und Maitenbether trauern um die beiden verstorbenen Kinder. Sie machen sich natürlich Sorgen und befolgen ganz sicher alle Maßnahmen, zu denen die Expertinnen und Experten raten. Schwer zu ertragen ist die Ungewissheit. Aber der ganze Ort hat ja zu den Studien beigetragen und beteiligt sich immer noch. Für den Herbst sind erste Ergebnisse angekündigt. Darauf warten wir alle gespannt. Wir hoffen, dass sich dann die Gefahr besser beurteilen und auch eindämmen lässt“, so Bürgermeister Thomas Stark.

Bürgermeister Thomas Stark

Das sagt das Gesundheitsamt Mühldorf

Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Gesundheitsamtes Mühldorf, berichtet auf Anfrage von vereinzelten Anfragen aus der besorgten Bürgerschaft, die sich vor allem dem Thema Spitzmäuse widmen. „Darüber hinaus gab es einzelne Hinweise aus der Bevölkerung, dass sich an bestimmten Stellen vermehrt Mauslöcher befinden sollen. Diese Informationen haben wir an das Team des Forschungsverbundes Bornavirus Focal Point Bayern weitergeleitet. In den vergangenen Wochen gab es beim Gesundheitsamt Mühldorf keine Anfragen zum Thema Borna-Virus mehr – auch nicht aus Maitenbeth. Das liegt meines Erachtens zum einen daran, dass wir in Abstimmung mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Bürgerinnen und Bürger stets zeitnah und umfassend informiert haben. Zum anderen waren und sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes häufig vor Ort und pflegen einen guten Kontakt zu den Menschen in Maitenbeth“, sagt er.

Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Gesundheitsamtes Mühldorf

Besorgte Bürgerinnen und Bürger könnten sich seit Juni per Mail an Servicestelle@lgl.bayern.de wenden. Fragen dazu sowie zum Thema Bornavirus- Infektionen beantworte die Pressestelle des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit per E-Mail unter pressestelle@lgl.bayern.de.

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