ENTBUSCHUNG

Bodenfrost ermöglicht dem Landschaftspflegeverband Artenschutz und Biotoppflege in Obing

Die in den vergangenen Jahren aufgewachsenen Erlengehölze werden im Bergener Moos mittels Motorsäge auf den Stock gesetzt und der Gehölzschnitt mit Traktoren mit Zwillingsbereifung über die gefrorenen Niedermoor-Streuwiesen herausgezogen.
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Die in den vergangenen Jahren aufgewachsenen Erlengehölze werden im Bergener Moos mittels Motorsäge auf den Stock gesetzt und der Gehölzschnitt mit Traktoren mit Zwillingsbereifung über die gefrorenen Niedermoor-Streuwiesen herausgezogen.

Der Landschaftspflegeverband Traunstein e.V. (LPV) benötigt für bestimmte Arbeiten bei der Biotoppflege längere Frostperioden, am besten mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Die ideale Zeit im Moment, um beispielsweise am Obinger Seeufer tätig zu werden.

Obing – Der Landschaftspflegeverband Traunstein e.V. (LPV) benötigt für bestimmte Arbeiten bei der Biotoppflege längere Frostperioden, am besten mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Diese Voraussetzungen gab es in den vergangenen Wochen und somit wurden einige Vorhaben gemeinsam mit den Landwirten angegangen, für die in den vergangenen Jahren die entsprechend kalte Witterung gefehlt hatte.

Sicht auf den See wieder hergestellt

Am Obinger See nutzte der Landschaftspflegeverband den starken Bodenfrost für Entbuschungsmaßnahmen in einem verschilften Seggenried am Nordufer in der Nähe des Strandbads. In diesem Fall steht nicht der Artenschutz im Vordergrund, sondern die Erhaltung der freien Sichtbezüge aus dem Obinger Ortsteil Pfaffing auf den See.

Der Obinger Bürgermeister Josef Huber war vergangenen Herbst auf den LPV zugekommen mit der Bitte, die Pflegemaßnahmen nach Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde zusammen mit Landwirten aus der näheren Umgebung durchzuführen. Die Gemeinde übernimmt auch die Finanzierung der Maßnahme, bei der die abgesägten Gehölze wegen der eingeschränkten Zugänglichkeit über den zugefrorenen See abtransportiert werden mussten.

Ein weitereres Projekte sind Gehölzpflegemaßnahmen im Bergener Moos, dem größten Wiesenbrütergebiet des Landkreises. Dabei entfernen Bergener Landwirte, die vom LPV mit den Arbeiten beauftragt worden waren, an einzelnen Gräben und am Rande von Streuwiesen die in den vergangenen Jahren aufgewachsenen Erlen.

„Es handelt sich um eine Artenschutzmaßnahme mit der Motorsäge, die den im Bergener Moos noch brütenden Wiesenvogelarten Großer Brachvogel, Bekassine, Wachtelkönig und Braunkehlchen zu Gute kommen“, so LPV-Geschäftsführer Jürgen Sandner. „Nur dort, wie die Wiesenbrüter auf größere Distanz eine mehr oder weniger freie Rundumsicht haben, fühlen sie sich wohl und bauen dann im Frühjahr ihre Nester. Denn dort ist die Gefahr, dass die Nester von Krähen oder Füchsen ausgenommen werden, am geringsten“.

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Der zahlreich anfallende Gehölzschnitt kann jetzt bei leicht mit Schnee bedecktem Boden von Traktoren, die mit besonders breiten Reifen ausgestattet sind, über die gefrorenen Streuwiesen herausgezogen werden, ohne dass die Maschinen einsinken. Die Asthäufen werden zu Hackschnitzeln verarbeitet und somit einer energetischen Nutzung zugeführt.

Der LPV erhält für Gehölzpflege zum Schutz der vom Aussterben bedrohten oder stark gefährdeten Wiesenbrüter eine 90-prozentige Förderung über das Landschaftspflegeprogramm des Bayerischen Umweltministeriums, die restlichen zehn Prozent sind Eigenmittel des Verbandes.

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Nachdem das Vorhaben in den beiden vergangenen Jahren bereits mit Förderantrag und Abstimmung mit den Landwirten und dem Jagdpächter vorbereitet war, fehlten dann die notwendigen niedrigen Temperaturen beziehungsweise der Bodenfrost. Heuer haben sich die Vorbereitungen nun ausgezahlt und die Entbuschungen konnten zum Großteil schon durchgeführt werden.

Ebenso konnte der LPV nach zwei vergeblichen Wintern südlich des Klosters Seeon wieder einen moorigen Uferbereich des Klostersees mähen. Dort befindet sich eines der wenigen Vorkommensgebiete der vom Aussterben bedrohten Zwerglibelle im Landkreis Traunstein. „Nachdem insbesondere Südbayern und auch der Landkreis Traunstein eine hohe Verantwortung für den Erhalt dieser besonderen Libellenart besitzen, ist die Erhaltung und Pflege solch geeigneter Lebensräume von großer Bedeutung“, so Daniel Baier, der beim LPV das Projekt betreut.

Lebensraum für heimische Libellen

Der Uferbereich bietet mit seinen wasserführenden Moorschlenken, den nährstoffarmen Bedingungen und dem konstant hohen Wasserstand einen geeigneten Lebensraum für die kleinste der heimischen Libellenarten. Die zudem notwendige niedrige Vegetation kann hingegen nur durch eine regelmäßige Pflege erhalten werden.

Der Landschaftspflegeverband und seine beteiligten Landwirte aus der Gemeinde Seeon-Seebruck stellen diese seit 2008 unter Verwendung der Landschaftspflegeförderung des bayerischen Umweltministeriums durch Mahd und Entbuschung sicher. Ähnlich wie im Bergener Moos ist die Pflege seit dem Winter 2017/18 nicht mehr möglich gewesen. Teilweise im Schneetreiben wurde die Moorfläche mit einer Motorsense Mitte Januar gemäht und das Mahdgut mittels Seilwinde geborgen.

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