Erfolg bei Wettbewerb in Freiburg

Blockflöte ganz modern: Leni Hoffmann und Victoria Zellner aus Haag gewinnen Sonderpreis

  • vonPetra Maier
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Seien Sie ehrlich: Wenn Sie das Wort Blockflöte hören, dann denken Sie doch auch sofort an mehr oder weniger schräge Töne unter dem Christbaum. Doch jenseits von dem gibt es im Bereich Blockflöte noch eine ganz andere Welt – und die haben die beiden Gymnasiastinnen Leni Hoffmann und Victoria Zellner aus Haag bereits für sich erobert – mit Auszeichnung.

Haag – „Ich spiele Sachen, die sich die meisten gar nicht vorstellen können“, erklärt Victoria. Die Fachleute allerdings schon: In Freiburg wurde das Haager Duo vor Kurzem mit dem Sonderpreis der Irino Foundation Tokyo „Beste Interpretation eines zeitgenössischen Werks“ ausgezeichnet. 300 Preisträger von „Jugend musiziert“ waren dort vorstellig.

„Es war die Creme de la Creme vertreten“, beschreibt Vater Bernhard Zellner den Wettbewerb. Ihm sei das im Vorfeld gar nicht so bewusst gewesen, aber als ihn andere Teilnehmer fragten, wer seine Tochter in Choreografie unterrichtet und wer mit ihr die Sprachausbildung macht, erkannte er, auf welch hohem Niveau hier gespielt wurde. „Wir haben für das alles nur eine: unsere Frau Schreier“, verkündete er stolz. Bei ihrer Musikpädagogin, die selbst am Mozarteum in Salzburg und an der Hochschule für Musik in München studiert hat, lernen die beiden Flötistinnen seit 2018.

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Victoria hat bereits mit 5 Jahren auf der alten Blockflöte ihrer Mutter vor dem Spiegel die ersten Töne geübt. Leni begann im Kindergarten bei der Musikeinführung mit einer Melodica. Heute spielt die 15-Jährige auch noch Querflöte, Alt-und Tenorsaxofon und Ukulele – je nach Laune mal lieber das eine oder das andere Instrument.

Drei strahlende Flötistinnen: (von links) Musikpädagogin Christine Schreier mit ihren „ausgezeichneten“ Schülerinnen Leni Hoffmann und Victoria Zellner. 

Victoria bringt sich gerade selbst das Klavierspielen bei. Außerdem kann sie Gitarre und Saxofon spielen. „Manchmal übe ich jeden Tag, manchmal gar nicht“, verrät sie. Den ganzen Tag proben, das liegt ihr nicht.

Ausdauer ist trotzdem gefragt bei dem Duo – und die haben die Gymnasiastinnen, die in Gars in die 9. Klasse gehen: Unabhängig voneinander besuchten sie zunächst die musikalische Früherziehung in Haag, lernten dann weiter bei Flötenlehrerin Clara Philippzig und kamen schließlich im Jahr 2018 gemeinsam zu Christine Schreier.

Für das Blockflötenstück eine Choreografie einstudiert

Die Musikpädagogin erklärt: „Es absolut nicht ungewöhnlich, dass Schüler über das Grundschulalter hinaus Blockflöte lernen möchten, da es wie jedes andere Instrument unerschöpflich ist, es zur Perfektion zu bringen. Natürlich nur wenn es gelingt den Schüler für das Instrument über das Anfängerstadium hinaus zu begeistern und zum historischen und zeitgenössischen Blockflötenrepertoire hinzuführen.“

Und das scheint ihr vortrefflich zu gelingen – ihre beiden Haager Schülerinnen waren sofort begeistert von dem zeitgenössischen Stück „Articulator VI“ von Agnes Dorwarth. Dafür studierten sie eigens eine Choreografie ein und trugen das Werk bei dem Wettbewerb auswendig vor.

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„Beim „Articulator VI“ geht es nicht nur um das Beherrschen des Instrumentes, sondern auch darum, Geräusche und Sprechlaute während des Spielens mit einfließen zu lassen“, erklärt Schreier. Leni erinnert sich: „Als ich zuhause begann, das Stück zu proben, kam meine Mutter mit großen Augen in mein Zimmer und fragte: ‚Was tust du da?‘“

Die Komposition ist wirklich nicht alltäglich und mit Worten fast gar nicht zu beschreiben. Zum Glück haben Bernhard Zellner und seine Sohn Lukas im Garser Gymnasium ein Video erstellt, auf dem man das Duo in Aktion sehen und hören kann. Interessierte finden die Aufnahme auf YouTube unter „Duo Leni & Vicky.

Wochenende der Sonderpreise (WESPE)

Die durch „Jugend musiziert“ organisierte Veranstaltung WESPE möchte neue Impulse setzen und Nachwuchsmusikern eine Plattform bieten, sich mit noch nicht aufgeführten, kaum bekannten oder besonders schwer zu interpretierenden Werken auseinander zu setzen. Heuer wurden Corona-bedingt alle Preisträger von „Jugend musiziert“ eingeladen, die im Regionalwettbewerb einen 1. Preis mit Weiterleitung erspielt hatten.

Rund 600 Interpreten hatten sich bei WESPE 2020 beworben, 300 wurden zum Wettbewerb zugelassen. Darunter einige Jungstudenten von Musikhochschulen.

Musikpädagogin Schreier: „Mein ältester Schüler war 81.“

Christine Schreier, geboren 1988 in Rosenheim, studierte an der Universität Mozarteum in Salzburg Blockflöte bei Ernst Kubitschek und Maria Dorner-Hofmann sowie an der Hochschule für Musik und Theater in München bei Maurice van Lieshout. Im Jahr 2014 beendete sie ihr Studium mit dem akademischen Grad „Master of Arts“ mit Auszeichnung. Vor einem halben Jahr wechselte sie von Haag an die Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor. Dort unterrichtet sie 54 Schüler. „Mein jüngster Schüler ist 5 Jahre alt, mein ältester Schüler, den ich bisher hatte, war im Alter von 81 Jahren.“

Rubriklistenbild: © Zellner

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