Vor 25 Jahren

Blick in die Historie der Stadt Wasserburg: Nur einer will ins Gewerbegebiet Staudham

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Vor 25 Jahren in der Zeitung: Flaute bei Gewerbe-Immobilien und die Suche nach einem Jugendzentrum. Beides machte dem Wasserburger Stadtrat damals Kummer.

Von Laura Hofner

Wasserburg – Wie war das Jahr 1995? Zwischen allen Rückblicken und Bilanzen findet man in Wasserburg einige Stadtthemen und Projekte, deren Abschluss und Erfolg wohl auch in nächster Zeit noch auf sich warten lässt.

Das hatte man sich anders vorgestellt: Betriebe sollten aus der Altstadt aussiedeln, die vielen Nachfragen des Gewerbes könnten mit dem neuen Gewerbegebiet in Staudham befriedigt werden. Die Bautafel steht dort schon seit geraumer Zeit, die Erschließung ist fertig und die Schulden der Stadt um rund zehn Millionen Mark höher. Doch erst ein einziger Interessent hat bisher gebaut. Der Grund: Das praktisch bei Edling liegende Gewerbegebiet ist teurer als die Angebote der Nachbargemeinden. Und die Fertigstellung fiel ausgerechnet in eine Flaute bei Gewerbe-Immobilien.

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Totgesagte leben länger, vor allem wenn ihre Beerdigung rund 300 000 Mark kosten würde. Deshalb steht die Hofstatthalle auch allen Unkenrufen, Bürgerproteste und politischen Scharmützeln zum Trotz immer noch – gelegentlich zur Weihnachtsmarkt-Almhütte mutiert, manchmal als Marktstand genutzt. 1994 war der Abriss beschlossen, dann dieser Beschluss mangels Finanzierung vom Landratsamt auf Antrag von Bürgermeister Dr. Geiger aufgehoben worden. Dabei blieb es – und bleibt es weiter. Auch 1996 ist kein Geld da für den Abriss.

Seit 1977 ist die Stadt sich einig: ein Jugendzentrum muss her. Doch auch das Jahr 1995 ist verstrichen, ohne dass es Räume oder ein endgültiges Konzept für einen Jugendtreff gibt. 1994 waren Räume vorhanden, man begann mit dem Umbau im Englischen Institut und stoppte ihn wieder. Das Lindner-Haus neben der Grundschule wurde favorisiert, es gab eine Planung – und schließlich doch den Abriss. Nun ist man wieder beim Institut gelandet, doch wann es umgebaut wird, ist offen. Es gibt mit der AWO immerhin einen interessierten Träger und endlich auch einen Vertragsentwurf für die Beschäftigung eines Hauptamtlichen. Einen Zeitpunkt für die Eröffnung kennt dagegen noch niemand.

Weitere Meldungen in der Woche vom 28. Dezember 1995 bis zum 3. Januar 1996:

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München – Aus für die „Tipps zum Blitz“. Das Innenministerium stellt den seit 1994 laufenden Pilotversuch zum Jahreswechsel ein. Die Bekanntgabe von Verkehrskontrollen habe nichts genützt, erklärte der Ressortchef Günther Beckstein. Die Autofahrer nahmen den Fuß nicht vom Gaspedal, folglich gab es auch nicht weniger Unfälle. Beck kritisierte das Verhalten vieler Privatradios, die auch nichtveröffentlichte Messstellen bekanntgeben und dabei sogar ihre Hörer um Mithilfe bitten.

Rom – Das Betteln ist künftig in Italien erlaubt, „wenn es die öffentliche Moral und Ordnung nicht verletzt“. Das entschied das italienische Verfassungsgericht und erklärte damit einen entsprechenden Passus im Strafgesetzbuch für nichtig, der bis zu drei Monate Haft für Betteln vorsah.

Offenbach – Warnung vor Telefonzellen. Der Verband der Postbenutzer hat zum Jahreswechsel dazu aufgefordert, „Münzen- und Kartentelefone möglichst nicht zu benutzen“. Vom 1. Januar an kostet eine Gesprächseinheit in Telefonzellen 20 Pfennig – also 67 Prozent mehr als von normalen Anschlüssen aus.

München – Die bayerische Staatsregierung hat sich aus Verträgen mit der Kirche freigekauft. Über Jahrhunderte hinweg musste der Staat mit für den Unterhalt einzelner katholischer Pfarreien sorgen. In jedem Regierungsbezirk berechnete dazu alljährlich ein Finanzbeamter den Gegenwert von beispielsweise Karpfen, Roggen oder Weißkraut, um die Reichnisse an die Kirche auszuzahlen.

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