„Bleibst noch auf a Halbe?“ heißt es in Maitenbeth immer seltener – So reagieren die Wirte

Der Wirt z‘ Brandstätt reduziert seine Öffnungszeiten.
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Der Wirt z‘ Brandstätt reduziert seine Öffnungszeiten.
  • vonKarlheinz Günster
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Die Pandemie setzt der Gastronomie schwer zu. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der Zapfhahn nicht mehr so intensiv im Einsatz ist wie früher. Die Gaststätte Spagl in Brand und der Wirt z‘ Brandstätt haben ihre Öffnungszeiten reduziert, weil das Geschäft generell schwieriger geworden sei.

Maitenbeth – In Brand begründet Wirtin Christine Kürzeder die Entscheidung, nur bei Bedarf aufzuschließen, mit dem Ausfall durch Krankheit. Derzeit laufe der Betrieb aber auch wegen der Corona-Pandemie reduziert. Es fand kein Oldtimer-Treffen im September statt, es wird auch keinen Adventsmarkt geben – alles Veranstaltungen, bei denen sich auch das Gasthaus Spagl früher füllte. „Aber nächstes Jahr lassen wir es wieder langsam anlaufen“, versichert die Wirtin.

Geselligkeit im Wirtshaus war früher wichtiger

Anders ist es beim „Wirt z‘ Brandstätt“. Dort hat sich etwas getan, denn der Betrieb läuft mit reduzierten, aber regelmäßigen Öffnungszeiten weiter. Das Gasthaus gibt es seit mindestens 466 Jahren, da ist es erstmals erwähnt worden, bis in die 80er Jahre war eine Landwirtschaft dabei.

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Für die Inhaber Elisabeth und Peter Dworak haben sich in der Corona-Krise zwei Erkenntnisse herauskristallisiert: Bei fehlenden Einnahmen sind die regulären, hohen Kosten deutlich zutage getreten. Und: „Die Zeit heute ist einfach eine andere“, fasst die Wirtin zusammen.

Das Gasthaus Spagl in Brand: Ausfälle durch Krankheit und die Folgen der Corona-Pandemie haben dem Traditionshaus zugesetzt. 2021 soll der Betrieb wieder Fahrt aufnehmen.

Die Gäste haben sich verändert

Als Tochter der Wirtsleute Marille und Peter Zacherl kannte die gelernte Köchin nichts anderes, als mitzuarbeiten, vorwiegend an Abenden und an Wochenenden. Das habe sie auch gerne getan und tue es immer noch, nur ab jetzt eben weniger. Ehemann Peter Dworak ist im Nebenerwerb mit dabei.

Motivationsschub: Vor drei Jahren wurden Elisabeth und Peter Dworak (auf dem Foto mit den Kinder Isabella und Emilia) für langjährigen Bierbezug von Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach (links) geehrt.

Früher blieb sogar der Briefträger an der Theke sitzen

Durch die ruhigere Corona-Zeit hätten sie mehr Gelegenheit zum Nachdenken gehabt, erklärt Elisabeth Dworak. Sie und ihr Mann haben nach eigenen Angaben erkannt, dass sich auch die Gäste geändert haben. Sie würden nicht jammern wegen der fehlenden Einnahmen und der bleibenden Fixkosten, aber hinzu komme eben auch, dass früher das gesellige Beisammensein wichtiger gewesen sei. So ist in der Wirtsstube schon einmal spontan gesungen worden – und der Spruch „Bleibst noch auf a Halbe“ war üblich. Auch der Briefträger kehrte ein und saß schon mal länger am Tisch, „dann kam die Post für manche halt erst am nächsten Tag“, sagt Elisabeth Dworak bei dieser Erinnerung schmunzelnd. Das sei heute in Zeiten der ständigen Kontrolle und Selbst-Optimierung undenkbar.

Anonyme Bewertungen statt direktes Gespräch

Dem Stammtisch fehle jüngerer Nachwuchs, auch wenn die Schützen im Gasthaus regelmäßig üben würden. Große Feiern mit zunehmenden Ansprüchen würden hingegen zunehmen. Das direkte Gespräch zwischen Gast und Wirt falle oft aus, stattdessen gebe es anonyme Bewertungen im Internet und Meldungen bei den Behörden, auf die man leider sofort zu reagieren habe – und sei die Ursache noch so abwegig, bedauert die Wirtin.

Kritik an Regulierungswut

Dass der Kassenstand wichtig sei, leuchte jedem ein, doch die Stückzahl der einzelnen Münzen sei den Behörden gegenüber auch noch nachzuweisen. Diese Regulierungswut und die Vorschriften hätten solche Ausmaße erreicht, dass eine Reduzierung der Öffnungszeiten nicht gar so schwer falle.

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Arbeit hat Elisabeth Dworak in einer Bäckerei gefunden und damit auch entdeckt, wie wertvoll die gemeinsame Zeit mit den fünf und sieben Jahre alten Kindern Emilia und Isabella vor allem am Wochenende ist.

Geöffnet ist nun montags und freitags am Nachmittag, am Donnerstag zusätzlich bis in die Nacht.

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