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Kreisfischereiverein Wasserburg in Sorge

Blaualgen schaden dem Friedlsee in Amerang

Die Idylle an der Fischerhütte täuscht: Der Friedlsee nahe von Amerang hat ein Blaualgenproblem, wie eine mikroskopische Untersuchung von Planktonproben durch die Biologin Dr. Melanie Müller beweist.
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Die Idylle an der Fischerhütte täuscht: Der Friedlsee nahe von Amerang hat ein Blaualgenproblem, wie eine mikroskopische Untersuchung von Planktonproben durch die Biologin Dr. Melanie Müller beweist.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Ein dicker grüner Algenteppich auf dem Friedlsee in Amerang bereitet dem Kreisfischereiverein Wasserburg seit Jahren Sorgen. Jetzt hat er es schwarz auf weiß: Eine Sanierung ist notwendig. Das sind die Gründe.

Amerang/Wasserburg – Die Wasserqualität im Friedlsee leidet unter einer erhöhten Blaualgen-Konzentration. Eine entsprechende Untersuchung durch die Biologin Dr. Melanie Müller hat den Beweis geliefert. „Das will immer keiner glauben, wir tun ja deswegen schon jahrelang rum. Und jetzt haben wir es schwarz auf weiß“, sagt Franz Göpfert, Erster Vorsitzender des Fischereivereins Wasserburg.

„Ein Teppich des Algenbreis schwimmt oben, der See ist ganz grün“, so Göpfert. Er erklärt, sein Verein setze gemäß Bewirtschaftungsplan heimische Fische wie Hecht, Zander, Karpfen oder Schleie ein. „Was entnommen wird, setzen wir nach.“

Ende Januar runder Tischer aller Beteiligten

Der Verein ist Pächter des Sees, der der Stadt Wasserburg gehört. Da auch die Gemeinde Amerang als Betreiber der Badestelle ein Interesse an der Wasserqualität hat, wird es Ende Januar einen runden Tisch aller Beteiligten geben, kündigt Robert Mayerhofer vom Liegenschaftsamt im Wasserburger Rathaus an. Auch die Untere Naturschutzbehörde als Fachstelle wird dabei sein. „Wir werden gemeinsam prüfen, welche Maßnahmen sinnvoll sind“, so Mayerhofer auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung. Da der Friedlsee grundwassergespeist ist, sollen auch die Landwirte mit ins Boot genommen werden.

Biologin hat Wasserproben entnommen

Den Auftrag für die „mikroskopische Untersuchung von Planktonproben aus dem Friedlsee auf Blaualgen“ hat der Kreisfischereiverein Wasserburg e.V. erteilt. Der Verein bewirtschaftet den Friedlsee bei Amerang und nutzt diesen zur Angelfischerei. Das Gewässer liegt unweit nördlich der Gemeinde Amerang und wird dort auch als Badestelle genutzt.

Der Verein beobachtet bereits seit über zehn Jahren massive Algenblüten im See, heißt es in dem Bericht der Biologin, der der Redaktion vorliegt.

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Bereits im Jahr 2009 sei bei einer Begutachtung des Sees durch das Büro für Gewässerökologie und Fischbiologie, Dr. Manfred Holzner, das Vorkommen von Blaualgen im See bestätigt worden. Seither habe sich der Zustand des Sees weiter verschlechtert, sodass dieser mittlerweile in überwiegenden Teilen bis fast einen Meter unter die Wasseroberfläche mit Feinsedimenten aufgefüllt ist, erklärt die Biologin Dr. Melanie Müller. Die bereits 2009 vorhandenen, auftreibenden Sedimentablagerungen hättten mittlerweile ein massives Ausmaß angenommen.

„Ich war im September mit Frau Dr. Müller auf dem See mit einem Ruderboot und wir haben an drei verschiedenen Stellen Proben des Wassers entnommen“, erzählt Göpfert vom Fischereiverein. Die hohe Algendichte sei mit bloßem Auge erkennbar gewesen, so die Biologin. Die Methodik sei nach DIN EN 16698 und DIN EN 15404 durchgeführt worden.

Sie habe die Proben gekühlt und die mikroskopische Untersuchung auf Blaualgen im Labor vorgenommen. Ziel der Untersuchung sei gewesen, belastbare Daten zum Blaualgenvorkommen für eine zukünftige ökologische Sanierung des Sees zur Verfügung zu stellen. Müller hat vier verschiedene Gattungen von Blaualgen nachgewiesen – drei davon seien potenziell toxische Cyanobakterien (Anabaena, Microcystis, Oscillatoria). Zur Toxikologie gebe es allerdings „erheblichen Forschungsbedarf“.

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Bei normaler Konzentration sind sie ungefährlich. Manche verursachen, wenn man beispielsweise Wasser schluckt, Durchfall, Erbrechen oder Hautausschlag (auch bei Hunden), wie die DLRG Bayern im Sommer mitteilte. Wenn ein Badeverbot ausgesprochen wird, sollte man das besser berücksichtigen, warnte Horst Auer von der DLRG.

Gesunde Werte um Tausendfaches überschritten

Auch von den massiven Sediment-Auftreibungen hat die Biologin im September eine Probe genommen. Die organischen Ablagerungen stammen von abgestorbenem Algenmaterial, das nun neu von „Aufwuchsalgen“ (ebenfalls Blaualgen) besiedelt werde.

Die Expertin meint, wenn keine Maßnahmen zur Sanierung ergriffen würden, werde der See sich weiter mit Feinsedimenten auffüllen, die Wasserqualität sich weiter verschlechtern und dieser nicht mehr für die Angelfischerei nutzbar sein. „Die Nutzung als Badegewässer würde ich aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung bereits jetzt als äußerst bedenklich einstufen“, resümiert sie.

Verein schlug bereits vor: Erlen am Ufer verjüngen

Göpfert hofft nun, mit der Untersuchung gute Argumente bei der Unteren Naturschutzbehörde zu haben. Oft sei man hier auf taube Ohren gestoßen. Auch der Vorschlag des Vereins, den Baumbestand aus Erlen, der den See umrundet, zu verjüngen, um den Eintrag der Bäume ins Wasser und damit die Algenbildung zu reduzieren, sei auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Das sagt das Gutachten

Das Ergebnis der Untersuchungen: Das Vorkommen der Blaualgen (> 100 Mio/mL) überschreite den Grenzwert der WHO für potenziell negative Auswirkungen auf die Gesundheit bereits um ein Tausendfaches, schreibt Gutachterin Dr. Melanie Müller und erklärt, „die Sichttiefe (50 bis 55 Zentimeter), der hohe pH-Wert (> 9) und die hohe Sauerstoffsättigung (>9 mg/L bei 19,5°C) sprächen für einen problematischen Zustand des Gewässers. „Eine ökologische Sanierung des Friedlsees ist daher dringend anzuraten, um diesen als Ort der Naherholung sowohl für die Angelfischerei als auch als Badegewässer zu erhalten“.

Das rät die Biologin

Da sich die Algenproblematik und Verlandung des Sees bereits in einem „sehr fortgeschrittenen Stadium“ befinden, empfiehlt Dr. Melanie Müller für eine effektive Sanierung eine Phosphatfällung und/oder eine Entschlammung.

Eine Biomanipulation durch Raubfischbesatz (Hecht, Zander, Barsch) oder Ansiedeln von Wasserpflanzen sei vermutlich in diesem Zustand alleinig nicht mehr wirksam, da der Lebensraum im See für die Raubfische bereits recht ungeeignet erscheine.

„Für die Phosphatfällung wurden mir beispielsweise positive Erfahrungen mit dem Flockungsmittel Sachtoklar (Aluminiumsalz) berichtet, neuerdings werden auch magnetische Partikel eingesetzt“, erklärt sie in ihrem Gutachten.

Zur Reduktion der Feinsedimente sei sicherlich eine Entschlammung mittels Saugbagger die effektivste Methode. Eine Schwierigkeit hierbei könnte allerdings die Entsorgung der Sedimente darstellen, falls diese in irgendeiner Form belastet sein sollten.

Vor einer Sanierung sollten in jedem Fall weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die für den Friedlsee erfolgversprechendste Methode oder Kombination an Methoden auswählen zu können, rät Müller. Dabei denkt sie etwa an eine Entschlammung kombiniert mit Phosphatfällung und anschließender Biomanipulation zur langfristigen Aufrechterhaltung des sanierten Zustands.

Zusätzliche Tests sollten gemacht werden, um eine genaue Kenntnis des Phosphatgehalts im See und des jahreszeitlichen Verlaufs der Algenblüte zu erhalten. Wichtig seien auch intensivere Recherchen zu wissenschaftlich belastbaren Ergebnissen verschiedener Sanierungsmethoden in vergleichbaren Gewässern.

Darüber hinaus sollten begleitend zu einer Sanierung limnologische Untersuchungen (etwa wasserchemische Messungen, Planktonuntersuchungen) durchgeführt werden, um die Auswirkungen zu dokumentieren und bei Bedarf regulierend eingreifen zu können.

Das sagt der Gemeinderat Amerang

Die mangelhafte Badewasserqualität am Friedlsee, nachgewiesen in durch eine im Auftrag des Kreisfischereivereins Wasserburg als Pächter des Friedlsees durchgeführte mikroskopische Untersuchung von Planktonproben, war auch Thema im Gemeinderat Amerang. Die Stadt Wasserburg als Eigentümerin des Sees und der Kreisfischereiverein Wasserburg suchen nach einer langfristigen Lösung, hieß es dort. Die Vorschläge für eine Sanierungslösung sollen 2021 dem Gremium vorgestellt werden. Ein grundsätzliches Badeverbot scheine derzeit nicht notwendig, war sich der Gemeinderat einig. Jedoch solle durch Hinweistafeln auf der Liegewiese auf die mangelhafte Badewasserqualität aufmerksam gemacht werden. Dafür ist die Gemeinde Amerang zuständig, da sich der Friedlsee in ihrem Gebiet befindet und sie den See als Badestelle betreibt.

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