Die Wasserburger trennen fleißig Müll - Und setzen sich für Biomüll ein Ziel

Biomüll Wasserburg
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Die Wasserburger nehmen die Biomüll-Tonne sehr gut an.
  • vonKarheinz Rieger
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Die Biotonne hat sich in Wasserburg bewährt. Außerdem sind die Bürger fleißige Mülltrenner. Das liegt nicht nur an der guten Disziplin in puncto Wiederverwertung, sondern auch an einem Wasserburger Sonderweg.

Wasserburg – 2018 hat der Wasserburger Stadtrat die Biotonne, im Landkreis Rosenheim nach wie vor sehr umstritten, eingeführt. Mit großem Erfolg: Die Wasserburger nutzen die Möglichkeit, daheim den Bioabfall in der braunen Zusatztonne zu entsorgen, so intensiv, dass die Restabfallmenge, die im normalen Mülleimer landet, nur noch 87 Kilogramm pro Einwohner im Jahr beträgt. Zum Vergleich: Bayernweit liegt dieser Wert bei 143 Kilo pro Einwohner und Jahr.

Wasserburg weit über dem Bayern-Schnitt

2017, als es noch keine Biotonne gab, gingen auch in Wasserburg nur 6,11 Kilogramm Bioabfall pro Bürger und Jahr in die Verwertung. 2018, als sich erstmals die braune zur schwarzen Tonne auf jedem Grundstück gesellte, schnellte der Wert auf 70, 2019 auf fast 76 Kilogramm pro Einwohner und Jahr hoch. Damit liegt Wasserburg weiter über dem Bayern-Durchschnitt von 57 Kilo.

Relikt der Kreisgebietsreform

Dass die Innstadt so gute Werte erreiche, gab Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) bei der Vorstellung des Abfallberichts im Umweltausschuss bekannt, sei ein Relikt der Kreisgebietsreform von 1972. Damals sicherte sich die Stadt die Verantwortung für die eigene Abfallentsorgung – und konnte als Folge ein anderes System als die anderen Landkreiskommunen aufbauen. Das hat sich bewährt, wie der Jahresbericht von Bernhard Schachner, Leiter der städtischen Abfallwirtschaft, aufzeigte.

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Die Stadt Wasserburg hat die Entwicklung der Abfallmengen in den Corona-Monaten März bis Mai 2020 mit dem Vorjahr verglichen: Die Grafik zeigt, dass sich das Entsorgungsverhalten geändert hat. Die Rest- und Bioabfallmenge stieg im März gegenüber dem Vorjahr stark an, eine Folge der Hamsterkäufe? Erstaunlicherweise hat sich der Trend zum Aufräumen während des Lockdown in Wasserburg nicht auf die Sperrmüllmengen ausgewirkt. Klinger/OVB

Mehr als 20 Abfallsorten wurden 2019 in der Stadt gesammelt. Dabei zeigte sich vor allem, dass durch die 2018 eingeführte Biotonne die Abfallmenge zur Beseitigung (Rest -und Sperrmüll) mit 96 Kilogramm pro Einwohner und Jahr 2019 zwar um ein Kilo im Vergleich zu 2018 zugenommen hat, im Vergleich zu ganz Bayern (2018: 161 Kilogramm) deutlich niedriger lag. In Wasserburg wird also das landesweite Ziel der Müllvermeidung durch möglichst hohe Wiederverwertung mit Leben erfüllt.

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Bürger im Landkreis Traunstein bekommen Biomüll-Tonnen

Die Gesamtabfallmenge, also alle Abfälle zur Beseitigung und zur Verwertung, lag 2019 bei 395 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. 2018 waren es mit 382 Kilo etwas weniger. Dieser Trend sei bayern- und deutschlandweit zu verzeichnen gewesen, hieß es zur Begründung im Umweltausschuss.

2020 werden 1000 Tonnen angepeilt

Bei einer Gesamtabfallmenge von 395 Kilogramm pro Einwohner und Jahr wurden in Wasserburg nach Schachners Angaben 299 Kilo einer Verwertung zugeführt.

Die Bioabfallsammelmenge ist bereits bei der Einführung der Biotonne 2018 mit insgesamt 891 Tonnen höher gewesen, als in der von der Stadt zwei Jahre zuvor in Auftrag gegebenen Studie, wo nur 853 Tonnen prognostiziert worden waren. 2019 sei dieser Wert noch einmal um 118 auf 971 Tonnen gestiegen. 2020 könnte die Sammelmenge sogar auf über 1000 Tonnen klettern.

Auch das gehört in einen Abfallbericht: die Problematik der Vermüllung von Wertstoffinseln wie hier auf dem Platz gegenüber St. Konrad, aufgenommen am 1. Juli.

Die Zahl derer, die vor Einführung der Biotonne eine Befreiung beantragt hätten, sinke zudem ständig. Von den anfänglichen 500 Antragstellern hätten mittlerweile fast die Hälfte die Anträge wieder zurückgezogen und eine Biotonne bestellt, so Schachner.

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Laut Aussage des Verwertungsbetriebes der Wasserburger Bioabfälle, hält sich der Störstoffanteil in Grenzen. Vor allem Sammeltüten aus nicht biologisch abbaubaren Kunststoffen beeinträchtigen die Verwertung allerdings erheblich. Das Müllabfuhrpersonal führe deshalb bei jeder Tour Stichprobenkontrollen durch und lasse Behälter bei falscher Befüllung auch unentleert stehen.

Papiermengen sinken gewichtsmäßig

Seit der Einführung der Biotonne werden vor allem kleinteilige Gartenabfälle auch über diese entsorgt und nicht mehr zum Wertstoffhof gebracht. Dies wirke sich in der Bilanz aus. 24,29 Kilogramm pro Einwohner in einem Jahr seien nurmehr zusammengekommen. Größere Mengen von Gartenabfällen würden verstärkt direkt an der Kompostieranlage in Aham angeliefert.

Die Papiersammelmengen sanken dagegen auf das Gewicht bezogen und betrugen 2019 nur noch 66,95 Kilogramm pro Einwohner/Jahr, volumenmäßig seien sie jedoch im Steigen begriffen, so Schachner. Das sei vor allem auf die Zunahme der leichten, aber voluminösen Verpackungsmengen und der Abnahme von Druckerzeugnissen zurückzuführen. Aber auch der Wegfall der Papiercontainer an den Wertstoffinseln 2016, die auch immer wieder von Auswärtigen genutzt worden waren, sowie die zunehmende Papiersammlung von gewerblichen Entsorgungsunternehmen hätten zu einer stetigen Verringerung der Sammelmenge beigetragen.

Wertstoffhof stößt an seine Grenzen

Die Glasmengen hätten sich in den vergangenen drei Jahren aber kaum verändert, 2019 seien 33,83 Kilogramm pro Einwohner und Jahr zusammengekommen, in Bayern dagegen im Vergleich nur 22,90. Aufgrund der Zunahme von Getränkeverpackungen aus Kunststoffen seien die Glassammelmengen aber allgemein rückläufig.

Lob gab es im Umweltausschuss für das Personal und die Anlieferer beim Wertstoffhof. Die meisten hätten sich an die Regeln gehalten, wenngleich der Standort des Wertstoffhofes in der Altstadt an seine Grenzen gelangt sei. Hier brachte Bürgermeister Kölbl mögliche Alternativen durch eine Auslagerung ins Spiel. Jährlich finden am Wertstoffhof außerdem etwa 560 Transportbewegungen (Containerabholung und -anlieferung) statt. Das sind mitten in der Stadt sechs An- und Abfahrten von Lkw pro Öffnungstag.

Auf Kritik stieß im Umweltausschuss des Stadtrates auch der nach wie vor festzustellende illegale Einwurf von Müll in den Containern und die wilden Ablagerungen an den 16 Wertstoffinseln. Kölbl verwies auf das beauftragte Detektivbüro, das Übeltäter aufspüre, ermittele und zur Anzeige bringe.

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