Biobauer Hans Thum aus Reichertsheim sagt: „Kühe leben an frischer Luft gesünder“

Anfreunden mit Kuh Gerda: Der Ortsverband Haag des Bund Naturschutzes überzeugte sich, wie wichtig Biobauer Hans Thum in Höck das Tierwohl ist.
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Anfreunden mit Kuh Gerda: Der Ortsverband Haag des Bund Naturschutzes überzeugte sich, wie wichtig Biobauer Hans Thum in Höck das Tierwohl ist.
  • vonLudwig Meindl
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Kälbchen, die bei der Mutter verbleiben, Kühe, die auf der Weide stehen und ihre Hörner behalten dürfen: So führt Nebenerwerbslandwirt Hans Thum aus Häck bei Reichertsheim seinen Hof. Das Tierwohl ist ihm wichtig. 

Reichertsheim/Haag – Im deutschen Tierschutzrecht werden Tiere „Mitgeschöpfe“ genannt und ein „artgemäßer Umgang“ gefordert. Die Realität sieht häufig anders aus. Nicht aber auf dem Stadlerhof in Höck bei Ramsau. Dass hier „besonders auf das Tierwohl geachtet wird“, wie Rosmarie Pointner vom Bund Naturschutz sagt, davon überzeugte sich kürzlich ihre Ortsgruppe Haag.

Einen Hof, der nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet wird, nimmt die Ortsgruppe des Naturschutzes von Haag jedes Jahr unter die Lupe. Heuer entschied man sich für den zwischen Haag und Ramsau gelegenen Stadlerhof, „weil es ein kleiner Betrieb ist“, so die Vorsitzende Pointner. Gerade heute könne man zu den aktuellen „Fleischskandalen“ wieder nachvollziehen, dass das Motto des „immer Mehr und immer Größer“ der falsche Weg sei. Sie spielt auf Großkonzerne an.

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Kälber gehen mit der Mutter auf die Weide

So unterstützt der Bund Naturschutz den Bioanbau und lehnt Agrarindustrie wie Agrarfabriken im großen Stil entschieden ab. Für die Vermarktung belegt der Stadlerhof „kurze Wege und kaum Verpackung“, so Pointner. Hier werden die Kälber nicht in die Box gesperrt, sie gehen mit der Mutter auf die Weide, wo sie fressen. Der Zugang vom Stall nach draußen, einem ehemaligen „Anbindestall“, der umgebaut wurde, ist das ganze Jahr über frei. Die Rinder ernähren sich von Gras und Heu, keine Silage, kein Mais, kein Soja – wie die Gruppe vor Ort erfährt.

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Regie führt hier Nebenerwerbslandwirt Hans Thum. 2011 hatte er den von seinem Vater übernommenen Hof auf „Bio“ umgestellt.

Ein Kalb trinkt zehn Liter Milch am Tag

Auf konventionelle Art wäre diese Größenordnung der Landwirtschaft nicht weiterzuführen gewesen. Von seinem Bio-Hof leben könnte er, wenn er auf 25 Kühe aufstocken würde. „Der Biomilchpreis ist gut. Wir haben nichts zu jammern“, so Hans Thum.

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Bei ihm verringert sich die Milchmenge, die er verkauft, da sie auch den Kälbern am Hof zur Nahrung dient: „Ein Kalb sauft zehn Liter.“ Zur gesunden Ernährung der Kälber mit hofeigener Milch und Gras kommt das Leben auf der Weide. Die Jungtiere müssen nicht nach ihrer Geburt in das Kälberiglu, „in Einzelhaft“, wie Thum erklärt.

Beim Melken wird Rücksicht auf die Kälber genommen

So werden die Tiere nicht krank. Das gilt auch für die großen Kühe, die an der frischen Luft gesünder leben. Die Tierarztkosten, wie sie früher für den Anbindestall nötig waren, fallen weg. Gemolken wird auf dem Stadlerhof nur so viel, das den Kälbern genügend bleibt. Gäste dürfen sich an der Milchtankstelle für „Heu- und Hornrohmilch“ bedienen. Die restliche Milch holt die Molkerei Andechs. „Stressreduziert und hochqualitativ“ werden die Tiere zum Schlachten gefahren.

Bei der Führung durch seinen „Naturlandbetrieb“ zeigte er den Naturschützern die Lebensumstände der 15 Kühe, vier Ochsen, des Stiers, der Kälber und weiteren Tiere.

Chef-Kühe tragen Holzkugeln am Horn

Die Kühe dürfen stolz ihre Hörner tragen. „Viel verträglicher für Allergiker ist Milch von Kühen mit Hörnern“, so Biobauer Hans Thum.

Um Verletzungen durch Rangkämpfe vorzubeugen, bekommen die „ranghöheren Tiere“ Holzkugeln an ihre Hörner. Einen Blick warfen die Gäste schließlich in den Garten für ökologische Jungpflanzen, Blumen, Gemüse und Kräuter. Auch hier heißt die Devise von Thum: „Den Überschuss geben wir ab.“

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