Bildstock erinnert an historische Wegkreuzung

Schon wieder etwas sanierungsbedürftig: der Bildstock mit den Tafeln, die Willi Reichert gestaltet hat.
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Schon wieder etwas sanierungsbedürftig: der Bildstock mit den Tafeln, die Willi Reichert gestaltet hat.

Wasserburg – Schon in der Antike war es üblich, dass die Menschen Wegkreuzungen mit kleinen Heiligtümern markierten und die an solchen „Dreiwegen“ verehrten Gottheiten das Beiwort „Trivia“ erhielten.

Solcher Kennzeichnung einer Abzweigung eines Weges von einer Hauptstraße mag auch der Bildstock gedient haben, der heute in der Grünfläche vor der evangelischen Christuskirche im Burgerfeld steht. Postkarten, die seine Bedeutung symbolisieren, liegen jetzt wieder in der Tourist-Info und im Museum zum kostenlosen Mitnehmen aus.

1660 war der abgefaste Granitpfeiler dort am Hohlweg nach Rosenheim aufgestellt worden, wo ein Weg ins Burgerfeld abzweigte – heute würde man die Stelle mit Rosenheimer Straße/ Ecke Ponschabaustraße bezeichnen. Der nächste derartige „Wegweiser“ stand an der Abzweigung in die heutige Alkorstraße.

Beim Ausbau der Rosenheimer Straße und des Wegenetzes durch das Burgerfeld hatte man den Granitpfeiler auf das Grundstück Dr. Fritz-Huber-Straße 1 versetzt, wo er allmählich von der Gartenhecke überwuchert wurde, sodass man ihn nur im Winter erahnen konnte, wenn das Laub abgefallen war. Dabei war es ohnehin ein Wunder, dass er der Vernichtungswelle solcher Flurdenkmäler zu Beginn des 19. Jahrhunderts entgangen war – sein Gegenstück weiter südlich ist seit damals spurlos verschwunden.

Anfang der 80er-Jahre hat der damalige evangelische Pfarrer Hermann Meyer die Versetzung des Bildstockes auf den Kirchengrund und gleichzeitig dessen Renovierung veranlasst. Längst waren die auf Blech gemalten Tafeln in den Nischen verschwunden und das bekrönende Kreuz abgebrochen. Willi Reichert hatte damals drei neue Tafeln mit Motiven gemalt, welche die Eckpunkte der christlichen Heilsbotschaft kennzeichnen: die Geburt Jesu, seinen Tod am Kreuz (vor dem Hintergrund der Stadt Wasserburg) und seine Auferstehung. Eine Postkarte, die nun wieder im Fremdenverkehrsbüro und Museum kostenlos aufliegt, sollte die Bedeutung des Denkmals hervorheben.

Warum wurde derBildstock aufgestellt?

Warum der nur 120 Zentimeter hohe Bildstock vor 360 Jahren aufgestellt wurde, lässt sich nicht mehr ermitteln. Dass die steile Einmündung der Ponschabaustraße in die Rosenheimer Straße eine unfallträchtige Stelle ist, gilt bis heute. Sollte 1660 ein Unfall der Anlass für die Errichtung des Bildstocks gewesen sein, würde man eigentlich die Initialen des Verunglückten oder der Stifter erwarten – aber nicht immer wurden solche Regeln eingehalten.

Ferdinand Steffan

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