Rund 150 Jahre alt

Beyer-Krippe in Wasserburg: Majestätisch reitet Kaspar auf dem Elefanten

Stammen wohl aus der Zeit um 1870: die Figuren der Beyer-Krippe. Später wurde sie modifiziert und heuer im Herbst restauriert. Nun sind in Teilen die Königszüge im Schaufenster des Museums in der Herrengasse zu bewundern.
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Stammen wohl aus der Zeit um 1870: die Figuren der Beyer-Krippe. Später wurde sie modifiziert und heuer im Herbst restauriert. Nun sind in Teilen die Königszüge im Schaufenster des Museums in der Herrengasse zu bewundern.

Sie ist ein Stück Wasserburger Volkskulturgeschichte: die um 1870 entstandene Beyer-Krippe, die wegen Corona in diesem Jahr nur in Teilen und im Schaufenster des Wasserburger Museums zu bewundern ist.

Wasserburg – Majestätisch reitet Kaspar auf seinem Elefanten. Dem jungen König aus dem Morgenland hat sich ein großes Gefolge angeschlossen. Gemeinsam ziehen sie durch die Wüste, Bethlehem entgegen. Spätestens beim Stall zu Bethlehem wird Kaspar der Legende nach auf zwei weitere Könige treffen. Auch Melchior und der greise Balthasar sind mit ihrer Gefolgschaft nach Judäa gekommen, um das Kind anzubeten und ihm ihre Gaben – Weihrauch, Myrrhe und Gold – zu überreichen. Alle drei folgten sie einem Stern.

Die Könige aus dem Morgenland sind auch Teil der sogenannten Beyer-Krippe, die vollständig aufgebaut darüber hinaus die Heilige Familie, die Anbetung der Hirten sowie die Hochzeit zu Kana zeigt, wie Lena Hauser vom Museum Wasserburg erklärt.

Holz, Draht und Wachs

Die Figuren sowie die übrige Ausstattung der Krippe können im Kern um das Jahr 1870 datiert werden, wurden allerdings später in Teilen überarbeitet oder ergänzt. Ihr Korpus besteht aus geschnitztem Holz und starkem Draht, dher mit Baumwolle oder Watte umwickelt ist, während die filigranen Hände und Köpfe aus Wachs gefertigt sind. Der ehemalige Museumsleiter und Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan äußert die Vermutung, dass jene Körperteile von der Wasserburger Wachszieher- und Lebzelterfamilie Surauer hergestellt worden sein könnten.

Nicht original dürften die schlichten Holzfüße sowie weite Teile der Bekleidung sein. Letztere stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Körper der Krippentiere sind zweischalig aus einer Art Pappmaché aufgebaut und mit Filzstaub beflockt. Ihre Beine wurden aus Holz gearbeitet, welches man anschließend mit einem Kreidegrund überzog und bemalte.

„Es ist anzunehmen, dass man die Krippe nach und nach aufstockte, sodass jedes Jahr neue Figuren hinzukamen und noch mehr gezeigt werden konnte. Sie stammt aus dem Anwesen der Familie Beyer im Weberzipfel“, so Lena Hauser.

Entsprechend des alten Familiennamens „Mayer“ und dem Standort des Hauses wurde sie auch „Moarweberkripperl“ genannt. Zuletzt war sie im Besitz der Schwestern Therese und Anna Beyer. Doch ursprünglich wurde die Krippe wohl schon vom Großvater Sebastian Mayer oder sogar vom gleichnamigen Urgroßvater der beiden aufgebaut.

Die individuelle Anfertigung der Figuren verlangte ihnen enormes handwerkliches Geschick und großen Ideenreichtum ab, denn Derartiges konnte man nicht im Handel erwerben. 1932 bestellte die Familie einen 235 mal 80 Zentimeter großen Hintergrund für die Krippe bei Benedikt Barbisch.

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Das Museum lieh die Krippe 2003 für eine Sonderausstellung aus, bekam das Ensemble schließlich von den damaligen Eigentümerinnen zum dauerhaften Verbleib im Haus geschenkt. Seit die Beyer-Krippe wieder öffentlich präsentiert wird, machten sich Gabriele und Josef Beck, Margarete Kölbl, Elisabeth und Dieter Simon sowie Josef Schneider um ihren Erhalt verdient.

Im Herbstrestauriert

Zuletzt wurden die Figuren im Herbst von der Textilrestauratorin Cornelia Knörle-Jahn für eine weihnachtliche Präsentation im Museum vorbereitet. Auch die Tiere bedurften einer dringenden Restaurierung durch den Armin Göttler. red

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