Bewohner und Mitarbeiter infiziert, ein Todesfall – So ergeht es den Altenheimen im Raum Wasserburg

Diese aufmunternde Karte kam mit der gesammelten Post vom Innkaufhaus ins Altenheim „St. Konrad“.

Ein Kraftakt ist die Corona-Krise derzeit für viele Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen. Sie dürfen keine Besuche von Angehörigen empfangen und müssen von ihren Mitbewohnern den geforderten Mindestabstand einhalten. Während die meisten Einrichtungen im Raum Wasserburg bisher gut durch die Krise kommen, trifft es das Seniorenheim Maria Stern auf der Burg schwer.

Wasserburg/Haag/Amerang – Das Seniorenheim Maria Stern auf der Burg trauert um einen Bewohner, der in der Nacht auf Mittwoch im Romed-Klinikum an den Folgen einer Corona-Virusinfektion gestorben ist. Ein weiterer schwer erkrankter Bewohner wird (Stand Mittwoch, 16 Uhr) stationär behandelt. Zehn weitere sind positiv getestet worden, können aufgrund ihres stabilen Zustands jedoch nach wie vor im Heim betreut werden. Das teilte gestern der Geschäftsführer des Betreuungszentrums Wasserburg, das 2019 auch das Seniorenheim Maria Stern von der Stiftung Attl übernommen hatte, auf Anfrage mit. Herbert Leitmannstetter spricht von einer „extrem schwierigen Situation auf der Burg“, die nur dank der tollen Arbeitsmoral und der hohen fachlichen Kompetenz des Personals gemeistert werden könne.

Kein Engpass bei Schutzausrüstungen

Was Leitmannstetter wundert: Auf der Burg ist es über Ostern zu einem massiven Corona-Ausbruch gekommen, im zweiten Heim seines Unternehmens in Wasserburg, dem Betreuungszentrum, gibt es noch keinen Fall – weder beim Personal noch bei den Bewohnern. Auch die dritte Einrichtung der Gruppe in der Region, das Betreuungszentrum St. Wolfgang, sei bisher verschont geblieben.

„Wir haben keine schlüssige Erklärung“, bedauert Leitmannstetter. Denn alle Einrichtungen hätten gleichzeitig und sehr früh – vor den Verordnungen durch die Staatsregierung – mit Schutzmaßnahmen reagiert. Die Häuser seien schon vier bis fünf Tage vor den Anordnungen für Besucher geschlossen worden.

Trotzdem fiel bisher nur auf der Burg über Ostern der erste Bewohner mit Symptomen auf. Seitdem herrscht Ausnahmezustand in der Einrichtung: Eine Besprechung jagt die nächste, die Telefon stehen nicht mehr still. Das Heim steht in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt Rosenheim und der Führungsgruppe beim Katastrophenstab am Landratsamt Rosenheim. Darüber wird die Burg auch mit Schutzkleidung beliefert; noch gebe es keine Versorgungslücke, betont Leitmannstetter.

Keine Erklärungf für unterschiedliche Entwicklung

Die zehn positiv Getesteten sind nach Angaben von Leitmannstetter derzeit so stabil, dass sie keine Intensivpflege benötigen und auf ihren Einzelzimmern auf der Burg versorgt werden können. Zehn Mitarbeiter – darunter sieben aus der Pflege – wurden ebenfalls positiv getestet. Diejenigen, die nur leichte Symptome aufweisen, dürfen weiter ihrer Arbeit nachgehen – in den Bereichen, in denen auch erkrankte Bewohner liegen. Komme es zu Personalengpässen, könne das Seniorenheim auf den vom Katastrophenstab koordinierten Pflegepool zurückgreifen.

Großes Lob für das Personal

Leitmannstetter spricht seinem Personal generell ein großes Lob aus. Trotz der Ängste um die Gesundheit, sogar trotz positiver Testbefunde, würden Mitarbeiter täglich dafür sorgen, dass die Senioren gut betreut würden. „Eine herausragende Leistung in diesem für uns alle emotionalen Ausnahmezustand“.

Die Pflegekräfte seien den Umgang mit Infektionserkrankungen gewohnt. „Doch das ist eine absolut neue Situation. Die Dynamik und Dramatik ist uns allen fremd. Wir können nur zuschauen, wie der unsichtbare Feind zuschlägt und hoffen, dass das Immunsystem ihn in den Griff bekommt“, bringt Leitmannstetter die Situation auf den Punkt.

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Im Caritas Altenheim „St. Konrad“ in Wasserburg bedankt sich Heimleiter Franz Bachleitner „jeden Tag wieder auf’s Neue beim Herrgott, dass wir derzeit keinen Corona-Erkrankten haben“. Die 98 Bewohner sind wohlauf, auch wenn die räumliche Trennung von ihren Angehörigen immer schwerer fiele. Trotzdem seien alle besonders wachsam. „Bei uns muss immer wieder jemand ins Krankenhaus zur Behandlung, das hat mit Corona gar nichts zu tun“ beschreibt Bachleitner die Situation. „Wer jedoch aus dem Krankenhaus zurückkommt, wird derzeit automatisch für 14 Tage in Isolation genommen“, macht er deutlich. Zu groß sei die Gefahr, dass der Patient durch seine Krankenhauseinweisung Viren mitbringe. Schutzkleidung und Atemmasken seien ausreichend vorhanden. Der Caritas-Verband versorge die angeschlossenen Häuser und gleiche eventuelle Engpässe aus. Auch der Katastrophenschutz vom Landkreis Rosenheim funktioniere „hervorragend“ lobt der Sozialpädagoge.

Enger Kontakt immer ein Risiko

Trotz der Schutzkleidung und der umfangreichen Hygienemaßnahmen sei jedoch jeder enge Kontakt mit den Bewohnern ein Risiko, das nicht komplett vermieden werden könne. „Unsere Pflegekräfte müssen nun mal näher an die Patienten als die erlaubten 1,5 Meter“, beschreibt Bachleitner die Situation. Zumindest virtuell wird derzeit zu den Angehörigen Kontakt aufgenommen, die jetzt schon seit vier Wochen großen Sicherheitsabstand wahren müssen: „Wir versuchen uns jetzt im Skypen“, verrät der Heimleiter, „das klappt immer besser.“

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Große Freude habe den Bewohnern und auch den Mitarbeitern die Post bereitet, die das Innkaufhaus Wasserburg gesammelt hatte. Immer wieder seien Karten im Briefkasten, die Mut machen und gute Wünsche senden würden. „Das tut uns gut in dieser Zeit“, versichert Bachleitner.

Nach wie vor coronafrei ist das Altenheim St. Kunigund in Haag, wie Leiterin Manuela Hausner auf Nachfrage bestätigt. 131 Senioren leben hier. Schwierig zu vermitteln sei den älteren Herrschaften, dass sie 14 Tage in Einzelisolation müssen, wenn sie nach einem Krankenhausaufenthalt wieder oder zum ersten Mal ins Heim kommen. „Unser Isolationsbereich umfasst vier Zimmer“, so Hausner. Das Heim halte sich generell an die Anweisungen der Staatsregierung „Gesundheit und Pflege“ betreffend, so tragen natürlich alle Mitarbeiter einen Mund-und-Nasenschutz. Wenn Haager Senioren derzeit beabsichtigen, in St. Kunigund einzuziehen, ist das nicht ohne Weiteres möglich – man dürfe die Bewohner nicht gefährden. „In Absprache mit den Behörden versuche Hausner Aufnahmen möglich zu machen, denn die räumlichen Gegebenheiten sind so konzipiert, dass die Heimbewohner geschützt seien vor einem Kontakt mit Neuankömmlingen. Hausner lobt ihre Mitarbeiter, die die psychische Belastung gut stemmen wüprden.

Musik über Lautsprecher

Da die Bewohner keinen Besuch empfangen dürfen, versucht das Heim mit dem Wochenprogramm, etwa mit Musik oder auch Gottesdienstübertragungen via Lautsprecher etwas für Zerstreuung zu sorgen.

Ausnahmebedingungen auch in Amerang

Im Altenheim Amerang sind „Betreutes Wohnens“ und Alten- oder Pflegeheimes miteinander verknüpft. Viele Bewohner wohnen in ihrer eigenen Wohnung, essen aber normalerweise gemeinsam im Speisesaal, schildert die Geschäftsführung. Derzeit herrschen Ausnahmebedingungen, „nicht anders als in anderen Häusern auch.“ „Wir schlagen uns wacker.“

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