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Vor Gericht schuldig gesprochen

Betteltour in Wasserburg: Beherzte Edlingerin lässt Bande auffliegen

Drei junge Männer aus Rumänien flogen in Wasserburg mit gefälschten Sammellisten auf, mit denen sie um Spenden bettelten.
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Drei junge Männer aus Rumänien flogen in Wasserburg mit gefälschten Sammellisten auf, mit denen sie um Spenden bettelten.
  • VonTheo Auer
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Sie bettelten vor Supermärkten und taten so, als seien sie taubstumm: Jetzt standen drei Männer vor Gericht, die mit dieser Masche in Wasserburg aufgeflogen waren – dank einer beherzt eingreifenden Edlinerin.

Wasserburg – Aus einem Dorf in der Walachei/Rumänien machten sich drei Männer auf nach Deutschland, um hier mit falschen Sammellisten Geld zu erbetteln. Weil keiner die deutsche Sprache beherrschte, benutzten sie einen Trick mit Sammellisten, auf denen angeblich für eine Hilfsorganisation gesammelt wurde, die taubstumme Menschen unterstützt.

Den Taubstummen gemimt

So traten sie im April dieses Jahres gestikulierend und damit einen Taubstummen mimend, bettelnd an die Kunden von Einkaufszentren in Wasserburg, Edling und Prien heran.Die deutschen Strafgesetze nicht kennend, begingen sie dabei gleich mehrere schwerwiegende Fehler, die sie nun vor das Rosenheimer Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat brachten.

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Mit gefälschten oder fingierten Unterschriftslisten Geld zu sammeln, erfüllt den Tatbestand des Betruges. Dies über einen gewissen Zeitraum fortgesetzt zu tun, bedeutet, dass es als gewerbliche Straftat gewertet wird. Und wenn dies drei Männer gemeinsam betreiben, so bilden sie nach deutschem Strafrecht eine Bande. Alle drei Faktoren zusammen ergeben damit einen Verbrechens-Tatbestand, der mit Gefängnis, nicht unter einem Jahr bestraft wird, hieß es vor Gericht. Erschwerend kam dazu, dass einer der drei eine Edlinger Bürgerin auch körperlich attackierte. Als diese auf den bettelnden Mann wenige Tage später erneut traf, rief sie die Polizei. Alle drei wurden festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.

Ohne Ausbildung keine Chance

Vor dem Schöffengericht erklärten die Verteidiger der Rumänen, dass diese voll umfänglich geständig seien. Alle drei, 32 und 29 Jahre alt, seien Männer, die ohne Ausbildung – einer ist sogar Analphabet – keinerlei berufliche und gesellschaftliche Chancen in Rumänien hätten.

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Seit einem Monat vor ihrer Inhaftierung waren sie in Deutschland und wie wenig erfolgreich die Aktion war, zeigte, dass sie eine Barschaft von lediglich 105 Euro erbettelt hatten. Schwierig wurde ihre Situation, als die Richterin die Vorstrafenliste verkündete. Zwar handelte es sich in allen Fällen lediglich um Geldstrafen, aber alle drei waren bereits in ganz Deutschland wegen gleicher oder ähnlicher Taten verurteilt worden.

Angeklagte kommen mit Bewährungsstrafe davon

In seinem Schlussvortrage erklärte der Staatsanwalt, dass es nunmehr keinesfalls mit Geldstrafen sein Bewenden haben könne. Für einen 32-jährigen, der mit zwölf Vorstrafen belastet war, beantragte er eine Haftstrafe von zwei Jahren. Ein Gleichaltriger mit sechs Vorstrafen sollte ein Jahr und elf Monate Strafe bekommen. Bei dem Dritten, drei Mal vorbestraft, sollten ein Jahr und sechs Monate ausreichend sein.

Allen Dreien, weil es sich um die erste Haftstrafe handle, solle die Chance einer Bewährung zugestanden werden. Die Verteidiger wandten ein, dass es sich wegen der geringen Beute um einen „minder schweren Fall“ handeln müsse. Deshalb sollten Strafen zwischen acht und zwölf Monaten reichen. Auch sie beantragten die Aussetzung zur Bewährung und die sofortige Aufhebung des Haftbefehls. Alle Angeklagten schworen Stein und Bein, sofort nach Rumänien zurückkehren zu wollen und keinesfalls mehr in Deutschland straffällig zu werden.

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Das Schöffengericht sprach Haftstrafen zwischen 14 und 18 Monaten aus, die es zur Bewährung aussetzte. „Das Gericht hegt die Erwartung“, so die Richterin, „dass die viermonatige Untersuchungshaft, zumal in Pandemiezeiten, den Verurteilten ausreichend zur Warnung gedient haben möge.“

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