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Ein Besuch im Katastrophengebiet

Wiedersehen:Josef Bräustetter bei der Familie von Fjodor (30), der im Alter von acht Jahren als Gastkind in Maitenbeth war. privat

Maitenbeth – Die Anzinger Initiative „Hilfe für Kinder aus der Gegend von Tschernobyl“ ist ein eingetragener Verein, der sich seit vielen Jahren für Not leidende Kinder aus der Gegend von Tschernobyl engagiert.

Jetzt reiste eine Delegation nach Weißrussland, um sich vor Ort zu informieren. Unter ihnen war auch Josef Bräu stetter aus Maitenbeth.

Seit mehr als 25 Jahren dürfen sich Mädchen und Buben aus der durch die Katastrophe von Tschernobyl atomar verseuchten Region während ihrer Sommerferien in Anzing und Umgebung erholen (wir berichteten). Die Initiative besteht aus acht aktiven Mitgliedern, die alle ehrenamtlich arbeiten. Gegründet wurde sie 1991 von Ingeborg Nünke, die auch jetzt noch Vorsitzende ist. Sie unterstützt Schulkinder aus Wolinzy, einer Gemeinde in Weißrussland nahe der russischen Grenze, die in einem Gebiet liegt, welches von der Tschernobyl-Katastrophe stark betroffen ist.

Josef und Friederike Bräustetter aus Maitenbeth sind zwei dieser aktiven Mitglieder. Im Herbst dieses Jahres ist Josef Bräustetter nach Wolinzy gereist, um einerseits die von ihnen betreuten Kinder zu besuchen und sich andererseits zu informieren, wie wirksam die Unterstützung wirklich ist. „Wir unterstützen derzeit die Kinder nach dem Schulabgang bei der Ausbildung mit 50 Euro im Monat, für nächstes Jahr sind 70 Euro geplant, da sich die Lebenshaltungskosten inzwischen verdoppelt haben. Finanziert wird das Ganze durch Spendengelder, Vorträge, Christkindlmarkt und so weiter. Durch diese Ausbildung haben sie dann die Chance, außerhalb des verstrahlten Gebiets eine Arbeit und eine Wohnung zu bekommen. Die Förderung wird nur an Schüler ausgezahlt, die uns regelmäßig eine Schulbestätigung und ihre Zeugnisse vorlegen“, erklärt Bräustetter. Aktuell greife man 19 Kindern unter die Arme. Der Aufwand lohnt sich offenbar. „Insgesamt 54 Kinder, die von uns betreut wurden, sind mittlerweile erwachsen und haben einen erlernten Beruf ergriffen“. Von diesen 54 leben momentan allerdings nur noch vier in der Gemeinde Wolinzy. „Die anderen haben es geschafft, wegzuziehen“, sagt Bräustetter.

Alle Schulkinder werden vom Verein einmal im Jahr zu uns eingeladen und bei Gastfamilien untergebracht – seit über 25 Jahren. „Letztes Jahr waren es 57 Kinder, die mit dem Bus gekommen sind. Hier dürfen sie ein ganz normales Leben führen, ohne verstrahlte Umgebung, verstrahltes Essen und Armut und sie sehen, dass es auch eine Perspektive gibt. Die Strahlenbelastung der Kinder halbiert sich in dieser kurzen Zeit nachweislich“, sagt Bräu stetter. Der Kontakt zwischen den Gasteltern und den Buben und Mädchen reißt offenbar auch danach nicht ab. „Einige Gasteltern sind vor meiner Reise an mich herangetreten. Sie haben mich gebeten, mich zu informieren, wie es ,ihren’ Gastkindern in Wolinzy geht“. Diesem Wunsch ist Bräustetter gerne nachgekommen. „Wir haben diese Kinder alle besucht und Fotos von ihren Familien und den Lebensverhältnissen gemacht. Die Kinder haben Briefe an ihre deutschen Gastfamilien geschrieben. Die haben sie mir dann mitgegeben“.

Bräustetter selbst ist vor Ort bei einer Familie untergekommen, die nicht nur mit der Verstrahlung, sondern auch mit großer Armut leben muss. „Die Familie besteht aus drei Kindern, der Mutter und dem Opa, der Vater war gerade in Moskau beim Arbeiten“, erzählt Bräustetter, der auch Fjodor wiedergesehen hat. Ein ganz spezielles Treffen. „Er war acht Jahre lang – erstmals mit acht Jahren – als Gastkind jeweils vier Wochen bei mir“, sagt Bräustetter. Mittlerweile ist Fjodor 30 Jahre alt und selbst Vater von fünf Kindern.

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