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Aus Freundschaft wird Feindschaft

Bespuckt, beleidigt und angefahren? Nachbarschaftsstreit im Wasserburger Land eskaliert

Zu wenig Schlaf war vermutlich einer der Gründe für einen Nachbarschaftsstreit, der vor Gericht endete.
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Zu wenig Schlaf war vermutlich einer der Gründe für einen Nachbarschaftsstreit, der vor Gericht endete.
  • VonTheo Auer
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Aus einer verträglichen, ja, sogar hilfreichen Nachbarschaft wurde im Wasserburger Land ein heftiger Streit, der die Kontrahenten bis vor das Schöffengericht in Rosenheim führte. Wie konnte es dazu kommen?

Wasserburger Land – Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis herrschte zwischen den Familien, so war vor Gericht zu hören, bis der Angeklagte auf seinem Grundstück ein neues Wohnhaus errichtete.

Sein Nachbar arbeitete meist in Nachtschichten und deshalb wurde der tägliche Baulärm für ihn zum Problem: Er konnte nicht mehr ausschlafen. Das trübte die Beziehung.

Anklage: Beleidigung und gefährliche Körperverletzung

Besonders bei der Ehefrau des betroffenen Nachbarn steigerte sich der Unmut, weil sie die deutsche Ansprache ihrer Nachbarn nicht immer verstehen konnte und ihrerseits in ihrer vertrauten Muttersprache um Lärmminderung bat, was wiederum für die anderen unverständlich war. So verstand sie – es blieb offen, ob zu Recht oder zu Unrecht – die jeweiligen Antworten als Beleidigungen. Deshalb erstattete sie mehrfach Anzeige bei der Polizei. So ging das durch den ganzen November 2020. Immer wieder holte sie wegen angeblicher Beleidigungen die Polizeistreife.

Am Abend des 27. November 2020 schließlich beklagte sich der Ehemann, dass der Nachbar mit dessen Kleinlaster ihn an der Ausfahrt auf dem Weg zu seiner Arbeit behindere.

Laut Vorwurf hatte der Angeklagte ihn durch das offene Fenster bespuckt und ihn angefahren, sodass er sich nur durch einen Sprung zur Seite habe retten können. Dabei habe er sich am Knöchel verletzt.

Dementsprechend lautete die Anklage auf Beleidigungen gegenüber der Ehefrau und gefährliche Körperverletzung am Ehemann plus gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Angeklagter: Vom absichtlichen Anfahren kann keine Rede sein

Ganz anders klang die Einlassung des Angeklagten: Immer wieder habe die Ehefrau die Arbeiter am Bau lauthals beschimpft. Die Inhalte habe man, weil in deren Heimatsprache, nicht verstehen können. Man habe ihr aber zu verstehen gegeben – zumindest habe man das versucht – dass der entstehende Lärm leider nicht vermeidbar sei. Wenn beispielsweise Betonfrachten bei der Montage der Decken eingefüllt wurden. Zu keiner Zeit habe man Schimpfwörter oder obszöne Gesten gegen die Frau benutzt.

Auch habe der Angeklagte mit seinem Fahrzeug keineswegs die Ausfahrt blockiert, wie ihm vorgeworfen wurde. Tatsächlich habe ihn der Kläger angesprochen, weil seine Sicht bei der Ausfahrt eingeschränkt sei. Diese Bemerkung sei allerdings müßig gewesen, weil er zum einen nur kurzfristig zum Einsteigen der Mitarbeiter angehalten habe, und zum zweiten, wie beabsichtigt umgehend weggefahren sei. Dies allerdings erst als der Nachbar sich bereits wieder auf seinem Grundstück befunden habe. Von einem Kontakt mit seinem Fahrzeug oder gar einem absichtlichen Anfahren könne keine Rede sein.

Wegen Drogeneinfluss: Bauarbeiter kann sich nicht erinnern

Der Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Wasserburg berichtete, dass bei den Einvernahmen ein überwiegender Wahrheitsgehalt auf keiner Seite feststellbar gewesen sei. „Jede Seite hat nur die Vorgänge geschildert, die zu ihren Gunsten gesehen werden konnten.“

Der einzige, als unvoreingenommen geltende Zeuge, ein Bauarbeiter, berichtete, dass er sich zu dieser Zeit häufig unter Drogeneinfluss befunden habe. Deshalb habe er aus dieser Zeit tatsächlich keine greifbaren Erinnerungen. Das konnte als glaubhaft gelten. War er doch zu dieser Zeit mehrfach wegen Drogendelikten verurteilt worden.

Die Aussagen des angeblich geschädigten Ehepaares waren teils widersprüchlich. Die Ehefrau benötigte dazu eine Dolmetscherin, sodass eine zweifelsfreie Beweisführung nicht möglich erschien.

Dass die Zeugen, die Verteidiger Rechtsanwalt Peter Hohlweg aufbot, alle Vorwürfe in Abrede stellten, verwunderte nicht weiter. Waren dies doch ausnahmslos Verwandte und Freunde des Angeklagten.

Freispruch: Ohne Beweise keine Verurteilung

So erklärte der Staatsanwalt Weinhardt, dass sich auf dieser Beweislage die Anklage nicht weiter aufrechterhalten ließe und beantragte Freispruch. Dem stimmte der Verteidiger selbstverständlich zu, nicht ohne nochmals auf Widersprüche und Ungereimtheiten in den Aussagen des Ehepaares zu verweisen.

Das Gericht folgte den Anträgen. „Das Gericht ist keineswegs davon überzeugt, dass es nicht doch etliche der Vorwürfe gegeben habe. Generell ist es bedauerlich, wenn nachbarschaftliche Probleme derart ins Kraut schießen. Aber ohne Beweise keine Verurteilung – also Freispruch.“

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