Bernd Nickel: Der Herr der Supermärkte feiert seinen 80. in Amerang

Agile Ruheständler: Bernd Nickel aus Amerang feierte seinen 80. Geburtstag.
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Agile Ruheständler: Bernd Nickel aus Amerang feierte seinen 80. Geburtstag.
  • vonChrista Auer
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Angefangen hat er mit einem kleinen Tante-Emma-Laden: Am Ende seiner beruflichen Laufbahn besaß er 15 Supermärkte im Raum Altötting, Simbach und Mühldorf. In Amerang verbringt Bernd Nickel nun seinen Un-Ruhestand. Aus dem Leben eines erfolgreichen Kaufmanns, der 1958 aus der DDR flüchtete.

Amerang – Bernd Nickel aus Amerang hatte gleich zwei gute Gründe zum Feiern: seinen 80. Geburtstag und den Tag der Deutschen Einheit, der für den gebürtigen Brandenburger von besonderer Bedeutung ist.

„Ich hatte sehr viel Glück im Leben“, sagt Nickel zufrieden. Blickt man jedoch auf das prall gefüllte Leben des Jubilars zurück, wird schnell klar, dass nicht nur Glück, sondern auch er selbst mit einer gehörigen Portion Beharrlichkeit, Fleiß und Mut an seiner deutsch-deutschen Erfolgsgeschichte mitgeschrieben hat.

Sandwichkind mit Durchsetzungskraft

Bernd Nickel wurde am 3. Oktober 1940 in Neuzelle, Mark Brandenburg in der ehemaligen DDR, als mittleres Kind einer Metzgersfamilie mit eigener Gast- und Landwirtschaft geboren. Mit einem Bruder und einer Schwester wurden dem „Sandwichkind“ Durchsetzungskraft und Diplomatie quasi schon in die Wiege gelegt.

Auch beruflich war der Weg vorgezeichnet. Nach der Schulzeit machte Nickel eine Metzgerlehre und arbeitete anschließend im elterlichen Betrieb. Seine Erfüllung fand er dabei jedoch nicht. Dazu kamen die politischen Umstände und eine gefühlte Perspektivlosigkeit. Ohne Wissen seiner Eltern flüchtete der damals noch Minderjährige deshalb im Juni 1958 in die Bundesrepublik. Ein Schutzpolizist am Bahnhof Zoo habe ihm damals 50 Pfennig für die Fahrkarte nach Marienfelde gegeben, erzählt Nickel.

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Nach einem Zwischenstopp im dortigen Auffanglager sei er schließlich zu seinem Onkel Herbert nach Landau gefahren. Der Onkel sei bereits einige Jahre vorher geflohen und habe ihm eine Stelle bei einem Metzger vermittelt. „Das war eine harte Zeit“, erinnert sich Nickel. Als Sohn einer angesehenen und wohlhabenden Familie sei er als Flüchtling in der Fremde hart gelandet. Damals habe er zum ersten Mal massive Ablehnung gespürt und großes Heimweh nach der Familie und den Freunden erlebt.

Als nächste Station folgte München. Dort hat Nickel seine erste Frau Gerda kennengelernt. Nach der Hochzeit ließ sich das Paar in Mühldorf nieder. 1962 begann dann der steile Aufstieg auf der Karriereleiter. Der damals 22-jährige wurde Verkaufsmetzger bei Kaiser’s Kaffee. Schon damals hatte er große Pläne und ein wichtiges Lebensmotto: „Mach es immer ein bisschen besser als andere“.

Antrieb: Spaß und Erfolgserlebnisse

Erfolgreich legte er die Meisterprüfung ab, erweiterte sein kaufmännisches Wissen und wurde Leiter der Kaiser’s-Filialen in Altötting und Mühldorf. Fünf Jahre später wagte das Paar mit einem 120-Quadratmeter-VeGe-Markt in Altötting den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Tante-Emma-Laden war schnell zu klein und so erfolgte 1970 der Umzug in ein größeres Geschäft.

In den nächsten gut 20 Jahren entstanden 15 Supermärkte mit 400 Mitarbeitern und einer Gesamtverkaufsfläche von fast 13000 Quadratmetern im Raum Altötting, Simbach und Mühldorf. Als Antriebsfeder nennt Bernd Nickel: „Spaß und Erfolgserlebnisse“.

1996 heiratete er seine zweite Frau Doris und verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Amerang.

Lebensmittelmärkte an Edeka verkauft

Seine Lebensmittelmärkte verkaufte er an Edeka, die zugehörigen Immobilien sind bis heute in seinem Besitz. Deshalb gibt es für den Ruheständler auch jede Menge Arbeit. „Nix tun ist unvorstellbar“, sagt der 80-jährige, der seinen Geburtstag wegen Corona in drei Etappen mit Familie, Freunden und Mitarbeitern feierte. Er steckt voller Pläne und entwickelt mit großer Energie Bauvorhaben und Standorte.

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Dabei bleibt noch genug Zeit für seine beiden großen Hobbies: Golfspielen und Gartenarbeit. „Jeden Baum und jede Blume habe ich selbst gepflanzt“, erzählt der Hobbygartler stolz. Darüber hinaus genießt er die Zeit mit seiner Frau Doris, den fünf Kindern und vier Enkeln aus den beiden Ehen. Gerne unternimmt das Paar Ausflüge mit Freunden.

Tag der Flucht entscheidend für das weitere Leben

„Der Tag meiner Flucht war der glücklichste und entscheidendste in meinem Leben“, stellt Bernd Nickel rückblickend fest. Die Wiedervereinigung habe er mit Herzklopfen erlebt, weil es dadurch endlich mehr Chancen für die Menschen im Osten gegeben habe. Wünsche hatte er zu seiner doppelten Feier nur einen: „Dass alles so bleibt, wie es ist.“

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