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„Schildbürgerstreich vom Freistaat“

Bekommt Rott nach dem erst fertiggestellten Breitbandausbau auch noch Glasfaser?

Werden in Rott nach dem erst kürzlich vollendeten Breitbandausbau noch Glasfaserkabel verlegt?
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Werden in Rott nach dem erst kürzlich vollendeten Breitbandausbau noch Glasfaserkabel verlegt?
  • VonRichard Helm
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  • Sophia Huber
    Sophia Huber
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Erst vor Kurzem, bei der Bürgerversammlung im Herbst konnte Bürgermeister Daniel Wendrock (parteifrei) vermelden, dass der Breitbandausbau in Rott so gut wie abgeschlossen ist. Jetzt diskutiert die Gemeinde über den Glasfaserausbau. Eine Tatsache, die bei vielen Gemeinderatsmitgliedern für Entsetzen sorgt.

Rott – Rund 95 Prozent der Rotter Haushalte verfügen über ein Internet mit einer Downloadgeschwindigkeit von 50 Megabyte in der Sekunde im privaten Bereich.

Für das Gewerbe sind es derzeit 100 MB. Doch es zeigt sich, dass dies nicht mehr ausreicht. Gerade in den Zeiten des Homeoffice und Homeschooling ist dies knapp. Das Gewerbe hat zunehmend Mühe, große Dateien zu versenden.

Glasfaser ist die Lösung

Bei Breitband tritt das Problem auf, dass wenn viele das Internet gleichzeitig nutzen, dann die Internetleistung geteilt wird. Die Lösung bietet das Glasfasernetz.

Mit Glaserfaser ist das surfen vieler möglich, große Datenmengen können bis 1000 MB up- und downloadet werden und es gibt beste Bildqualität. Für einen Ausbau hat die Gemeinde Rott aber keine Finanzmittel. Das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser UGG“ in Ismaning bietet jedoch eine Möglichkeit. Es hat sich auf den ländlichen Raum konzentriert und will eigenwirtschaftlich ein Glasfasernetz im Zentrum und allen Gemeindeteilen erstellen.

Gemeinde hat keine Ausgaben

In der vergangenen Gemeinderatsitzung stellte Gerhard Kaiser von der UGG das Unternehmen und Vorgehensweise vor. Mit ihm dabei war Julia Tenbücken vom Wirtschaftsprüfungsbüro Ernst & Young. Wie Michael Kaiser erläuterte, ist die UGG ein Joint Venture der Allianz und der Telefónica Group. Das Angebot von UGG ist es, flächendeckende Fiber to the Home (FTTH)-Netze zu implementieren, also Glasfaser bis in die Wohnungseinheit.

UGG sucht zuerst das Einvernehmen mit der Gemeinde. Dann wird ein Vorentwurf erstellt, der vom Gemeinderat genehmigt werden soll. Nach einer genauen Begehung und Untersuchungen soll dann eine schnelle Ausbauphase innerhalb von vier Monaten erfolgen und gleichzeitig auf den Kunden zugegangen werden. Dabei kann der Kunde wählen zwischen einem für ihn kostenfreie Beteiligung mit einem Internetangebot oder einen kostenpflichtigen Beitrag von 636 Euro, wenn er keinen Internetanbieter nutzt. Hat der Hauseigentümer kein Interesse an einen Anschluss, wird das Glasfaser nur bis zur Grundstücksgrenze verlegt.

Die Firma UGG benötigt noch ein kleines Grundstück von 30 mal 40 Meter für einen Verteiler. Der Vorteil für die Kommune ist ein Glasfasernetz, das ohne Ausgaben aus der Gemeindekasse erstellt wird. Trotzdem gingen die Meinungen der Gemeinderäte von Zustimmung bis zum Entsetzen weit auseinander. Manche sprachen sogar von einem Schildbürgerstreich.

Ratsmitglieder entsetzt über neue Grabungen

Franz Ametsbichler (CSU) zeigte sich nicht erfreut: „Jetzt war die Ausbaufirma bei mir, hat alles aufgegraben und jetzt soll heuer wieder aufgegraben werden, um ein Glasfaser zu verlegen.“ Er würde gerne mit einer anderen Gemeinde reden, die bereits ein Glasfasernetz haben. Da könnte er jetzt nicht einfach abstimmen. Auch Carola Kahles (FW) und Hans Kirschbaum (FW) wunderten sich über den Breitbandausbau, der nicht mehr genutzt werden soll. Kahles war zudem überrascht, dass der bisherige Ausbau umsonst sein sollte, und wollte sich darüber besser informieren und bat um Bedenkzeit.

Matthias Eggerl (CSU) sah die Bedenken, dass nach einem Breitbandausbau wieder aufgegraben werden soll. Er sah aber auch die Chancen und den Vorteil für das heimische Gewerbe. „Es macht für mich keinen Sinn, nur etwas nicht zu machen, weil im letzten Jahr noch anders war.“

Dritter Bürgermeister Christoph Sewald (SPD) benötigte auch noch Zeit zur Entscheidung, sah aber durchaus die Vorteile. Auch Zweiten Bürgermeister Alfred Zimpel (BfR) sah mit einem Glasfasernetz Chancen und eine Aufwertung für Rott.

Nur 30 MB kommen in der Firma an

Sepp Riedel (BfR) berichtete von seinem Metallbetrieb. Beiderseits von seiner Firma sind Verteilerkasten aufgestellt. Dort kommen auch 100MB/s an. Aber in die Firma selbst kämen nur 30 MB/s. Das sei für einen Betrieb zu wenig. Auch Max Zangerl (BfR) hat Probleme in seinem Betrieb. Die Datenmengen würden immer größer und bei ihm komme es immer wieder zu Teilausfällen bei Onlinekonferenzen.

Für den Ausbau war auch Sebastian Mühlhuber (CSU), es gäbe genügend, die das Büro bereits in ihre Wohnung verlegt haben. Hans Gilg (BfR) zweifelte an der Regierung, die einen Breitbandausbau fördere, obwohl der schon längst überholt sei. Das sei für ihn ein wahrer Schildbürgerstreich. Bürgermeister Daniel Wendrock (parteifrei) wollte nicht die Gemeinderäte bedrängen und verschob die Beschlussfassung auf die nächste Sitzung. Das Schlusswort hatte Christian Franke (BfR), er hätte gern einmal, dass Rott irgendwo die Nase vorn hat.

Nach Förderung gehandelt

Auf Anfrage, warum in Rott überhaupt Breitband und nicht Glasfaser ausgebaut wurde, erklärte Bürgermeister Daniel Wendrock, dass dies an den damaligen Förderrichtlinien gelegen habe. Der Beschluss sei etwa 2016 erfolgt, zu dieser Zeit sei vom Freistaat der Ausbau auf 50 MB/s gefördert worden. „Und kurz darauf gab es die Gigabitrichtlinie“, erklärt Wendrock. Rott sei mit Sicherheit nicht die einzige Gemeinde, die dieses Problem habe.

„Ich kann aber durchaus verstehen, warum da einige Gemeinderäte von einem Schildbürgerstreich reden.“ Grundsätzlich habe sich der Gemeinderat aber bereits im vergangenen Jahr für den Glasfaserausbau ausgesprochen. „Ich denke, das ist auch notwendig und bietet Standortvorteile.“ Zudem, so Wendrock, müsse auch nicht überall neu aufgegraben werden. „In machen Teilen haben wir bereits Glasfaser.“ Ob der restliche Ausbau tatsächlich erfolge, werde sich noch zeigen.

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