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Behindertenbeirat stellt fest: In der Burgau lebt man als Fußgänger nicht ganz ungefährlich

Wollen die Problemzonen in der Burgau erkennen und ansprechen:Friederike Kayser-Büker, Wolfgang Slatosch, Freya Jaroljmek und Ethel-D. Kafka (von links). Mühlbacher
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Wollen die Problemzonen in der Burgau erkennen und ansprechen:Friederike Kayser-Büker, Wolfgang Slatosch, Freya Jaroljmek und Ethel-D. Kafka (von links). Mühlbacher

Der Behindertenbeirat der Stadt Wasserburg war in der nördlichen Burgau unterwegs. Der Auftrag: Problemzonen für schwächere Verkehrsteilnehmer im Viertel erkennen und ansprechen.

Wasserburg – Als Fußgänger in der nördlichen Burgau lebt man nicht ganz ungefährlich. Zu diesem Schluss kommen Wolfgang Slatosch vom Behindertenbeirat, Ethel-D. Kafka (Bürgerbahnhof Wasserburg), Friederike Kayser-Büker (SPD) als Stadträtin im Bauausschuss und Freya Jaroljmek, die sich in der Burgau gut auskennt. Sie wollten Problemzonen für schwächere Verkehrsteilnehmer im Viertel erkennen und ansprechen, damit dort für Verbesserung gesorgt werden kann.

Die Stadt Wasserburg unterstützt damit das Programm „Bayern Barrierefrei“ der Landesregierung. Der frühere Ministerpräsident Horst Seehofer hatte im Jahr 2013 den Abbau von Barrieren bis 2023 angekündigt. Dafür gibt es die Norm DIN 18040-3. Sie regelt die baulichen Grundanforderungen für den Außenraum.

Verkehrsberuhigung durch „Shared Space“

Das Baugebiet Burgau Nord wurde ursprünglich bewusst nach dem Konzept „Shared Space“ geplant. Das ist eine Planungsphilosophie, die alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und den Straßenraum vielfältig nutzt. Ihr Ziel ist die Verkehrsberuhigung dadurch, dass jeder Rücksicht nehmen muss. Auf Verkehrszeichen, Signalanlagen und Fahrbahnmarkierungen wird größtenteils verzichtet. Das war früher kein Problem, erklärt Wolfgang Statosch, weil „früher nur Wald und Wiese“ da gewesen sei.

Die meisten Häuser gibt es in der Burgau Nord erst seit Mitte der 90er Jahre. Sie wurden überwiegend als Sozialwohnungen gebaut. Durch zahlreiche Eigentümerwechsel erlebt das Viertel aber inzwischen einen Strukturwandel. Die Bevölkerungsstruktur hat sich durch den Zuzug vieler Familien geändert und es kommt zunehmend zu Platzmangel. „Früher gab es für jedes Haus einen Stellplatz. Jetzt stehen das Zweit- und Drittauto auf der Straße“, meint die ehemalige Stadträtin Anne von Loewenfeld.

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Deswegen schwindet der Platz für Fußgänger. Für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit ist diese Entwicklung besonders störend.

Die Begehung beschäftigt sich mit bekannten Problemstellen: Bei der Kindertagesstätte Nördliche Burgau am Willi-Ernst-Ring müssen Fußgänger oft auf die Straßenmitte ausweichen. Es ergibt sich eine Engstelle, wenn Anwohner und Eltern, die ihre Kinder abholen, auf der Straße parken. Einige Parkplätze sind nur zu den Geschäftszeiten des Kindergartens freigegeben.

„Die Autos fahren oft so schnell“

Den vielbefahrenen oberen Abschnitt der Hermann-Schlittgen-Straße bis zur Kreuzung mit der Klaus-Honauer- und Karl-Wähmann-Straße teilen sich Fußgänger und Autofahrer. Neben den Wohnungen vieler Familien befindet sich in der Straße auch das Betreuungszentrum Wasserburg. „Das Problem ist hier besonders, dass die Leute aus dem Altenheim über die Straße zum Mittagessen in die Cafeteria gehen. Die Autos fahren oft so schnell, das ist gefährlich“, weiß Rita Merkl als Praxisanleiterin im Betreuungszentrum.

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Der Haupteingang des Gebäudes ist der Straße zugewandt – ein Planungsfehler, wie die Begehung zeigt. Um die Situation zu entschärfen, ist der Bau eines Gehsteigs im Gespräch. Dafür möchte sich der Stadtrat Peter Stenger (SPD) besonders einsetzen. Es ist klar: „Je dichter die Bebauung, desto mehr Autos“, stellt Kayser-Büker fest. Neubauten bekämen deswegen Tiefgaragen.

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Einige Straßen der nördlichen Burgau enthalten gepflasterte Abschnitte. Diese „ästhetische Verkehrsberuhigung“ sollte die Autofahrer ursprünglich zum Langsamfahren anregen. Das unebene Pflaster stellt aber ein Hindernis für Rollatoren und Rollstühle mit schmalen Reifen dar. Anders als in der Wasserburger Altstadt, hat es keinen historischen Ursprung und könnte ersetzt werden.

Pflastersteine als Hindernis

In Sachen Bänke hat die Stadt Wasserburg in der nördlichen Burgau schon einiges getan. „Es gibt hier deutlich mehr Sitzgelegenheiten als im Süden“, sagt Ethel-D. Kafka vom Bürgerbahnhof. Die Norm DIN 18040-3 schreibt nämlich auch für alle 200 Meter eine Rastmöglichkeit vor, auch bei Steigungen. „Viele verstehen den oberen Standort der Bank am Köbingerberg nicht, weil sie keine besondere Aussicht bietet“, so Kayser-Büker. Jedoch gehe es hier um die Möglichkeit, zu rasten.

Für die erkannten Problemstellen sollen nun Lösungen gefunden werden. Auch zusätzliche Sitzgelegenheiten sind im Gespräch. Dafür muss aber oft erst eine Einigung mit den Besitzern der Grundstücke getroffen werden. Für die Barrierefreiheit der privaten Grundstücke sind die Eigentümer zuständig.

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