Bedrohte Bachmuschel im Haager Rainbach steht auf der Speisekarte des Bisam

Bachmuschel im Gewässerbett des Rainbachs.
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Bachmuschel im Gewässerbett des Rainbachs.

Sie ist schwer zu finden und leicht mit einem Stein am Grund zu verwechseln – die Bachmuschel. Am Rainbach bei Haag wurden einige Exemplare der „Unio Crassus“ gefunden. Das ist eine kleine Sensation, denn die „Gemeine Flussmuschel“ ist akut vom Aussterben bedroht. Auch der Bisam futtert sie gern.

Haag –- Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Bachmuschel die häufigste Süßwassermuschel in Europa. Ihre Vorkommen waren teilweise so zahlreich, dass sie als Futter für Schweine und Enten verwendet wurden. Im Landkreis Mühldorf hatten die Bestände an der Isen etwa eine so hohe Dichte, dass sie mit Frontladerschaufeln aus dem Gewässerbett zur Schweinemast geholt wurden, wie Simone Kopf, Sprecherin des Landratsamtes Mühldorf, mitteilt.

Bachmuschel ist bedroht

Heute sei die Bachmuschel in Deutschland aufgrund von Gewässerverschmutzung sowie Ausbau und Veränderung der Gewässerstruktur vom Aussterben bedroht. Untersuchungen zur Bestandsentwicklung zeigen, dass die Art mehr als 90 Prozent ihrer ursprünglichen Verbreitung in Bayern verloren hat.

Erfreulicher Fund

Umso erfreulicher: Bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur ökologischen Gewässerentwicklung des Rainbachs konnten vergangenes Jahr durch den Markt Haag in Zusammenarbeit mit dem Gewässer- und Unterhaltungszweckverband Rosenheim bisher nicht bekannte Bestände der Bachmuschel gefunden werden. Der Bestand am Rainbach ist neben einem kleinen Restvorkommen an der Isen bei Erharting, der einzig bekannte im Landkreis Mühldorf und vermutlich der am besten erhaltene, so Simone Kopf.

Durch die geplanten Maßnahmen des Marktes Haag werden entlang des Rainbachs naturnahe Ufer- bzw. Gewässerstrukturen angelegt, wovon neben einer Vielzahl an Arten auch die Bachmuschel profitiert. Die Maßnahmenumsetzung erfolgt in enger Abstimmung und Betreuung durch die Muschelkoordinationsstelle der Technischen Universität München.

Lebendfallen für den Bisam

Im Rahmen der Maßnahmenplanung wurde auch festgestellt, dass der ursprünglich aus Nordamerika stammende und in Mitteleuropa verwilderte Bisam am Rainbach vorkommt. Dieser stellt ein Problem dar, da er sein vorwiegend pflanzliches Nahrungsspektrum durch Bachmuscheln ergänzt und ihre Bestände hierdurch gefährlich dezimieren kann.

Wollen die Bachmuschel am Rainbach schützen: Matthias Nirschl (Untere Naturschutzbehörde; links), Oliver Badura (Mitte) und Thomas Eberharter (Jagdgenossenschaft Haag)

Um diese Situation zu verbessern, hat sich die Jagdgenossenschaft Haag unter Oliver Badura und Thomas Eberharter in Zusammenarbeit mit Matthias Nirschl (Untere Naturschutzbehörde) bereit erklärt, bei der Regulierung der Bisambestände zugunsten der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel mitzuhelfen – und zwar mit Lebendfallen.

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Sie werden entlang des Rainbachs aufgestellt und von der Jägerschaft betreut und überwacht. „Durch das Engagement der Jäger wird ein wichtiger Beitrag zum langfristigen Erhalt der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel und zum Erhalt der Biodiversität geleistet“, erklärt Kopf vom Landratsamt.

Appell an Bürger

Sie appelliert an die Bürger, „den Erfolg der Maßnahmen nicht zu gefährden, die Fallen, die in zeitlich unterschiedlichen Abständen am Rainbach aufgestellt werden, nicht zu beeinträchtigen“.

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