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PANDEMIE-SOMMER OHNE FESTZELTE

Bedienung Babsi aus Eiselfing ist auf Bierzelt-Entzug: „Wir wären startklar“

Babsi bedient seit über 18 Jahren in Bierzelten in der Region. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2019 auf dem Wasserburger Frühlingsfest.
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Babsi bedient seit über 18 Jahren in Bierzelten in der Region. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2019 auf dem Wasserburger Frühlingsfest.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Krüge klirren auf dem Tresen, Bedienungen stemmen mit gefühlter Leichtigkeit ein Dutzend Maßkrüge locker aus der Hüfte: Erinnerungen an eine Bierzelt-Zeit, die eigentlich noch gar nicht so lange her ist. Die Eiselfingerin Babsi ist trotzdem auf „Bierzelt-Entzug“ – und schwelgt in Erinnerungen.

Eiselfing/Wasserburg – Eigentlich würde Babsi Hintermeier sich jetzt mitten ins Wasserburger Frühlingsfestgetümmel stürzen. Doch das fällt nun schon zum zweiten Mal der Corona-Pandemie zum Opfer. „So viel wiest dich auch oft ärgern musst auf den Festln als Bedienung, umso trauriger stimmt‘s mich, dass einfach nix stattfindet.“

Stück bayerischer Tradition fehtl

„Das Bierzelt“, ist die Babsi überzeugt, „gehört einfach zu uns, zu Bayern. Das ist mehr als Tradition. Das ist bayerische Mentalität. Mir fehlen die Leute, das unbeschwerte ungezwungene Zusammensitzen. Jeder kennt jeden. Und jetzt? Hab ich seit einem Jahr keinen Bayerischen Defiliermarsch mehr gehört. Das ist doch traurig, oder ned?“, fragt sich die Babsi. Bedienen im Bierzelt ist für sie mehr als nur ein Hobby.

Kaum ein Festl in der Region, bei dem sie noch nicht Bierkrüge gestemmt hat

„Bier-Bulldog“ Babsi – auf den Spitznamen hört sie schon lange. Seit mehr als 18 Jahren ist die Eiselfingerin in Bierzelten in der gesamten Region unterwegs. Von den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Miesbach bis aufs Münchner Oktoberfest: Es gibt kaum ein Festl, bei dem sie noch nicht Bierkrüge gestemmt hat. Das Bedienen sei ihre Leidenschaft, ihre „Bierzelt-Familie“ zähle mehr als 600 Mitglieder.

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„Wir gehören zusammen wie Weißwürscht und Brezn, sind eine Blosn. Egal wie müde wir waren, wir waren immer mit Feuereifer und Euphorie dabei“, unterstreicht die 37-Jährige. „Das Geld alleine, das wir fürs Bedienen bekommen, das ist es gar nicht. Mir geht es um meine Familie und von der wurde mir urplötzlich ein ganzer Teil genommen. Jedes Mal, wenn abgezapft wird, gehe ich mit den Worten ‚Bis nächstes Jahr‘. Und daraus sind plötzlich zwei Jahre geworden. Wann wir uns wirklich alle wiedersehen - woaß ma‘s?“

„„Uns fehlt das Zelt„

Freilich seien sie in Kontakt. Digital. „Wie auch sonst?“, sagt die Babsi resigniert. „Aber des kannst nicht vergleichen. Uns fehlen das Zelt und das ganze Drumherum. Der Entzug nagt an allen. Ein jeder sagt, er möchte nur seinen Tisch wieder, seine Maßn, die Leute bedienen. Sie hoffe nur, dass nach der Pandemie auch alle wieder dabei seien, wenn es wieder losgehe.

Bis zuletzt hatte sie Hoffnung, dass zumindest das Herbstfest in Rosenheim stattfinden könnte – doch diese Hoffnung wurde jäh zerschlagen, als klar war, dass der Lockdown so schnell nicht enden wird. „Das Herbstfest“, betont die Babsi und lächelt verstohlen. „Das Herbstfest war immer mein Urlaub. Ich hab zu den Leuten, die gefragt haben, wie ich meinen Urlaub verbringe, gesagt, dass ich zelteln gehe.“

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Den Spruch habe sie von der Senior-Chefin der Bäckerei Zeilinger in Griesstätt übernommen. Die habe den Laden auch immer zugesperrt über die zwei Wochen Herbstfest und auf Nachfragen nur schulterzuckend diese Worte über die Lippen gehen lassen.

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„Ich wäre so was von startklar. Ich tät so gern durch die Reihen im Bierzelt ziehen und ‚Bier, Radler, Spezi‘ brüllen“, unterstreicht die Babsi grinsend und betont: „Das hört sich jetzt vielleicht bisserl übertrieben an, aber jeder, der schon einmal bedient hat, kann dieses Gefühl zu 100 Prozent nachvollziehen. Es ist einfach etwas Besonderes.“

Seit die Volksfeste wegen des Virus gecancelt wurden, hat sich die Babsi erfolgreich geweigert, ein resches Hendl zu essen. „Das ziehe ich durch“, zeigt sie sich kämpferisch. „Hauptsache, es geht irgendwann wieder los.“

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Und was wünscht sich die Eiselfingerin für das erste Bierzelt, das wieder stattfinden darf? „Ich wünsche mir, dass die Leute die Unbeschwertheit nicht verlernt haben. Das Miteinander, Gaudi haben, Bierzeltmusi, Wettkämpfe zwischen Dirndl und Burschen, spontan auf‘d Nacht auf‘d Wiesn gehen – all das soll wieder stattfinden können. Unter normalen Umständen ohne Gästeliste, Anmeldung oder Tests“, wie sie untermauert.

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Denn freilich gehöre es dazu, dass Arm in Arm geschunkelt und auf der Bank zur Blasmusi gesprungen und getanzt werde. „Das Bierzelt, glaube ich, ist das, was den Leuten seit Corona wirklich am meisten abgeht.“

In Sorge: Wie werden Menschen reagieren?

Innerlich aber habe sie ein bisserl Angst vor dem ersten Bierzelt nach der Pandemie: „Wie reagieren die Leute? Was müssen wir beachten? Gibt es eine Testpflicht? Oder müssen wir kontrollieren? Wer weiß, ob es überhaupt noch ‚normale‘ Maßkrüge gibt?“ Diese und noch viel mehr Fragen schwirren der Babsi durch den Kopf. Doch sie ist überzeugt: „Ich glaube nicht, dass ich aus der Übung gekommen bin. Nach so langer Zeit wieder dieses Gefühl zu erleben, den Geruch im Zelt, Maßkrüge stemmen und Leute bedienen, da bekomme ich heute schon Gänsehaut. Wenn o‘zapft is und der erste Tropfen Bier fließt, dann läuft‘s schon.“

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