SPATENSTICH

Endlich ist Baustart für das „Gedächtnis der Stadt Wasserburg“, das Zentraldepot

In den Hang wird sich das Zentraldepot einschmiegen: ein schnörkelloses Gebäude aus Betonfertigteilen mit Restaurierungswerkstatt und Quarantäneräumen für die historischen Objekte. Wichtigste Anlage: die Lüftung.
+
In den Hang wird sich das Zentraldepot einschmiegen: ein schnörkelloses Gebäude aus Betonfertigteilen mit Restaurierungswerkstatt und Quarantäneräumen für die historischen Objekte. Wichtigste Anlage: die Lüftung.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
    schließen

Endlich wird sie nach vielen Rückschlägen und hartem Ringen um die Kosten gebaut – „die Kiste“, wie viele das „ummauerte Gedächtnis der Stadt“, das Zentraldepot, nennen. Hier werden Tausende Objekte aus der 1000-jährigen Historie von Wasserburg eingelagert. Jetzt war Spatenstich.

Wasserburg – Was lange währt, wird endlich gut: Klingt abgedroschen, ist aber wahr, wenn es um den Neubau des Zentraldepots in Wasserburg geht. Am Dienstag, 2. März, gab es den symbolischen Spatenstich am Herder. Endlich wird sie nach vielen Rückschlägen und hartem Ringen um die Kosten gebaut – „die Kiste“, wie viele das ummauerte Gedächtnis der Stadt nennen, in denen Tausende Objekte aus der Historie von Wasserburg eingelagert werden.

Spatenstich auf Abstand: Bürgermeister Michael Kölbl und Museumsleiterin Sonja Fehler.

Zuschuss in Höhe von einer Million Euro

Im Juni 2022 soll das Zentraldepot fertig sein. 3,7 Millionen Euro wird es kosten, etwa eine Millionen Euro erwartet die Stadt nach Angaben von Kämmerer Konrad Doser als Zuschuss aus drei Töpfen: vom Freistaat, von der bayerischen Landesstiftung und von der Landesstelle für nicht staatliche Museen in Bayern.

+++ Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite +++

Eigentlich sollte es bereits vor einem Jahr losgehen mit dem ersten Spatenstich. Doch ausnahmsweise war nicht Corona Schuld, dass es nicht klappte, sondern eine Ausschreibung, die zu einer Kostenexplosion geführt hatte. Bei manchen Gewerken lagen die Ausschreibungsergebnisse bis zu 90 Prozent über dem Ansatz. Der Stadtrat stoppte das Verfahren, ließ nachplanen und erneut ausschreiben – im Sommer vergangenen Jahres folgte dann der Maßnahmenbeschluss. Die erneute Ausschreibung hat sich gelohnt: Die Gesamtkosten fallen 100 000 Euro geringer aus als gedacht, teilt Kölbl gestern beim Spatenstich mit.

Die Verzögerung 2019 passte zum Vorhaben: Insgesamt 14 Jahre haben Verwaltung und Stadtrat um das Projekt gerungen. Es ging um Kosten, die immer wieder unerklärlich hoch erschienen. Unterstützer wie das Fraunhofer Institut, das das Depot als Forschungsobjekt für den Einsatz von Museumsbeton errichten wollte, sprangen wieder ab. Auch Planer und Architekt wechselten. „Rückschläge gab es viele“, sagt Bürgermeister Michael Kölbl, der sich noch mit Gänsehaut an den Moment erinnerte, als die Kosten bei der ersten Ausschreibung davon galoppierten und der Stadtrat geschockt auf die Bremse trat.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier.

Doch jetzt ist Schluss mit Debatten, Rechnereien und angesetztem Rotstift, mit Planungen und Verschiebungen, seit gestern wird gebaut. Es ging los mit Erdarbeiten, Ende April startet der Rohbau. Wenn im Sommer 2022 das Gebäude fertig ist, kann jedoch das Archivgut der Stadt nicht gleich einziehen. Das Depot muss erst entfeuchtet werden, berichtet Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Dann werden die einzulagernden Objekte zuerst gereinigt und restauriert, bevor sie einziehen. Das wird Jahre dauern, bis alle Regale und die Galerie der „Kiste“ mit ihren 1300 Quadratmetern Nutzfläche gefüllt sind. Und dann geht es weiter mit dem nächsten großen Projekt: Das Städtische Museum wird saniert und modernisiert.

Hochmoderne Klimatechnik

Damit schließt sich der Kreis, denn mit dem Museum ging die Debatte um das Zentraldepot los: Als vor 14 Jahren geplant wurde, die Touristinformation ins Museum zu verlegen, stellten Verwaltung und Stadtrat fest, dass Platz geschaffen werden muss. Doch wohin mit den Objekten, die weichen sollten? Ein zentrales Depot für eine ordnungsgemäße Einlagerung gab es nicht.

Jetzt wird es gebaut und die Zeit der vielen kleinen Lager – sechs an der Zahl verteilt über das ganze Stadtgebiet – geht Mitte 2022 stückweise zu Ende.

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Wasserburger Haushalt steht – und trotz Corona ist vieles möglich in Wasserburg

Hochmoderne Klimatechnik wird im neuen Zentraldepot am Herder eingebaut. Hier werden die vielen wertvollen Kunstobjekte aus der reichen Geschichte – von der kleinen Münze bis zur Postkutsche – sicher lagern, sind Herrmann, Doser und Kölbl überzeugt.

Lesen Sie auch:

Wasserburger Fraktionen positionieren sich zum Haushalt: Wünsche, Kritik und Seitenhiebe

Das neue Gebäude ist auch ein nachhaltiges: Das leicht geneigte Flachdach wird begrünt, die Stadtwerke installieren eine Fotovoltaikanlage.

Die Sammlung der Stadt und ihre Bedeutung

Die Sammlung der Stadt Wasserburg ist nach Angaben von Bürgermeister Michael Kölbl eine der größten zwischen München und Salzburg. Sie gehöre zu den ältesten in Bayern und habe überregionale Bedeutung. Die Exponate aus der 1000-jährigen Geschichte der Stadt lagern derzeit auf sechs verschiedene Depots verteilt – nicht fachgerecht.

Dauerhaft müsste die Sammlung ohne modernes Depot mit zeitgemäßer Klimatechnik verkleinert oder gar aufgehoben werden– zumindest könnten nur noch jene Exponate aufbewahrt werden, die in der Dauerausstellung Platz hätten.

Viele Bürger aus der Region haben die Objekte der Stadt treuhänderisch zur Aufbewahrung übergeben – es wäre nur schwer zu übermitteln gewesen, wenn sich die Kommune dieser Exponaten entledigt hätte. Auch deshalb stand eigentlich nie zur Diskussion, dass das Zentraldepot nicht gebaut wird. Nur die Frage nach dem Wie und den Kosten führte zu Verzögerungen.

Mehr zum Thema

Kommentare