Auf Meggle-Firmengelände

Bauausschuss Wasserburg irritiert: Denkmalgeschützter Bundwerkstadl soll Neubau weichen

Von Sträuchern eingewachsen war der Bundwerkstadl an der Megglestraße. Inzwischen ist das Gestrüpp entfernt und gibt den Blick frei auf das Einzeldenkmal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das abgerissen werden soll – wenn es nach der Firma Meggle geht. Hier soll nämlicher ein moderner Verwaltungsbau mit Tiefgarage entstehen.
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Von Sträuchern eingewachsen war der Bundwerkstadl an der Megglestraße. Inzwischen ist das Gestrüpp entfernt und gibt den Blick frei auf das Einzeldenkmal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das abgerissen werden soll – wenn es nach der Firma Meggle geht. Hier soll nämlicher ein moderner Verwaltungsbau mit Tiefgarage entstehen.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Darf Meggle einen denkmalgeschützten Bundwerkstadl für ein neues Verwaltungsgebäude wegreißen? Im Wasserburger Bauausschuss gab es Irritationen: Warum signalisiert die Baubehörde in Rosenheim hier grünes Licht, während bei Privatleuten mutmaßlich höhere Anforderungen gestellt werden?

Wasserburg – Ein Bundwerkstadl aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Areal der Firma Meggle soll abgerissen werden, ebenso ein daneben stehendes Bauernhaus (nicht in der Denkmalliste) und einem Neubau weichen. Hier möchte das Unternehmen ein modernes zentrales Verwaltungsgebäude errichten. Den Bauantrag behandelte der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung.

Schon im Juli 2019 auf Tagesordnung

Am 18. Juli 2019 ging es im Gremium um einen Vorbescheidsantrag in dieser Sache. Im April 2020 erteilte das Landratsamt dem Vorhaben einen positiven Vorbescheid. Für die Mitarbeiter-Stellplätze soll eine Tiefgarage errichtet werden.

Christian Stadler (Grüne) zeigte sich irritiert, dass der Abbruch des Einzeldenkmals als genehmigungsfähig seitens der Baugenehmigungsbehörde im Landratsamt Rosenheim in Aussicht gestellt werde und fragte nach der Haltung des Denkmalamtes. „Ich habe oft Verständnis für den Denkmalschutz, in diesem Fall verstehe ich die Entscheidung überhaupt nicht. Es gibt keinen zwingenden Grund das Denkmal abzureißen und das will ich als Kommentar einfügen in unseren Beschluss. Dass wir das gemeindliche Einvernehmen für den Neubau erteilen, ist ja okay.“ Planungsrechtlich handelt es sich um eine Innenbereichslage.

„Das Ding steht tadellos da“

Aus Stadlers Sicht könnte der Bundwerkstadl bleiben und auf der Wiese daneben, „wo die Plastikkühe stehen“, der Verwaltungstrakt entstehen. Er erinnerte daran, dass man rechtlich ein Denkmal nur wegreißen dürfe, wenn der Erhalt wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Oder wenn es so kaputt ist, dass so viele Teile ausgetauscht werden müssen, dass kaum was übrig bleibt.

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„Aber das Ding steht tadellos da“, so Stadler. Und der Antragsteller stehe wirtschaftlich auch gut da. „Warum geht das so hier einfach? Und andere, Privatleute, müssen oftmals an ihre finanzielle Schmerzgrenze gehen, weil sie gesetzlich verpflichtet sind, ein Denkmal zu erhalten. Das ist mir unerklärlich, was da abläuft“, betonte Stadler. Bürgermeister Michael Köbl (SPD) erinnerte an die Beratung zu diesem Thema in der Sitzung im Juli 2019.

Bürgermeister auch nicht begeistert von Abriss

„Wir sind auch nicht in Begeisterungsstürme ausgebrochen, dass das Denkmal weg soll und haben das in der Stellungnahme thematisiert. Wir wiesen darauf hin, dass zu prüfen sei, ob das Denkmal nicht integrierbar sei oder ein anderer Standort für den Neubau möglich wäre“, so der Bürgermeister. Stadler sagte, er sei wohl leider nicht in besagter Sitzung gewesen.

Stadl für Reitmehring icht prägend

Auch Friederike Kayer-Bücker (SPD) wollte die Beweggründe der Denkmalbehörde erfahren. „Welche Argumente bringt sie vor?“, fragte sie. Stadtbaumeisterin Mechtild Hermann antwortete, „die liegen uns nicht vor“. Denkmalschutz und Baubehörde im Landratsamt seien in Abstimmung. „Das sind Verwaltungsinterna am Landratsamt, wir haben keinen Einfluss darauf“, ergänzte Kölbl. Und, „natürlich würden wir die Fassade des Stadls gerne erhalten“.

Wolfgang Schmid (CSU), fand, der Stadl sei für Reitmehring kein prägendes Gebäude. „Das sollte man nicht so hoch aufhängen.“

„Warum wird hier nicht rumgetan?“

Kayser-Bücker sah auf jeden Fall „Erklärungsbedarf. Wenn bei einer Firma, die das Geld hat, nicht rumgetan wird und bei anderen Leuten, die etwas erhalten müssen und auch lieber neu bauen würden, schon“. Mechtild Hermann glaubte nicht, dass die Denkmalbehörde hier so ohne Weiteres zugestimmt habe. „Das ist noch im Verfahren.“

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Stadler klärte Schmid auf, dass es egal sei, ob ein Bau ortsprägend ist oder nicht. „Ein Denkmal ist ein Denkmal, selbst wenn man es von außen nicht sofort sehen würde.“ Der Ausschuss stimmte dem Neubau-Antrag zu.

Stellungnahme des Landratsamtes steht noch aus

In Sachen Denkmalschutz wurde erneut auf die Stellungnahme aus der Sitzung vom 18. Juli 2019 verwiesen. Eine Stellungnahme des Landratsamtes Rosenheim steht noch aus.

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