Einfluss von Corona?

Bartholomäus Kronast ist Bauer aus Leidenschaft – Ein Besuch auf seinem Hof in Hafenham

Ein Kalb aufzuziehen lohnt sich häufig für den Landwirt nicht, sagt Bartl Kronast aus Hafenham. Es bringt am Ende gerade mal 50 bis 100 Euro.
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Ein Kalb aufzuziehen lohnt sich häufig für den Landwirt nicht, sagt Bartl Kronast aus Hafenham. Es bringt am Ende gerade mal 50 bis 100 Euro.
  • Winfried Weithofer
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Corona hat ihm einen erhöhten Absatz bei den Ökoprodukten beschert: Bartl Kronast. Der 41-Jährige Hafenhamer ist Landwirt aus Leidenschaft. Auf seinem Hof berichtet er, wie gut ein Bauer wirtschaften muss, um um die Runden zu kommen. „Reich wird man nicht.“

Eiselfing/Hafenham – Bartholomäus („Bartl“) Kronast blickt zufrieden auf das Jahr zurück, er kann nicht jammern.

„Vom Ertrag her war es gut.“ Der Sommer sei nicht zu trocken gewesen, der Milchpreis stimmt. Alles gut also bei Bauer Bartl? Keineswegs. Den OVB-Heimatzeitungen gibt er einen Einblick in seine Arbeit.

Der Hof des 41-Jährigen befindet sich in Hafenham bei Eiselfing, es ist ein 43 Hektar großer Betrieb, den er seit 2010 in Vollzeit bewirtschaftet. „Das ist eine durchschnittliche Größe“, sagt er. Vater und Mutter helfen kräftig mit, beide sind 67.

Ökologischer Landbau hat Zukunft

Ein paar Dutzend Hühner hat Kronast, ein paar Schafe, 50 Kühe mit Auslauf und etwa doppelt so viele Kälber. Dass es die letzten Jahre recht gut gelaufen sei, liegt nach seinen Worten darin, dass er vor gut 20 Jahren „in die Nische ökologischer Landbau“ gegangen sei. „Wir haben erkannt, dass das zukunftsträchtig ist.“

4-gliedrige Fruchtfolge

Auf großen Weiden lässt er seine Kühe grasen, Ackerbau betreibt er nur wenig. „Hier ist ein typischer Grünlandstandort. Meine Flächen sind zum Ackern nicht so gut geeignet“, so Kronast. Gerade mal auf zehn Hektar werden Feldfrüchte angepflanzt, und zwar in einer viergliedrigen Fruchtfolge: Kleegras, Silomais, Triticale (eine Getreide-Kreuzung, die die Anspruchslosigkeit des Roggens mit der Qualität des Weizens verbindet, Anm. d. Red.) sowie Gerste.

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Und wie steht es mit den Erlösen?

Corona beschert erhöhten Absatz an Ökoprodukten

Die Coronakrise hat ihm auf jeden Fall einen erhöhten Absatz an Ökoprodukten beschert: „Die Leute haben auf den Urlaub verzichtet und Zeit gehabt, zu Hause zu kochen“, führt er als Grund an.

Und der Milchpreis sei gut, sagt Kronast, „zumindest ausreichend“. Sein Abnehmer ist die in Piding ansässige Molkerei „Berchtesgadener Land“, die seine Milch – 260 000 Liter kommen im Jahr zusammen - unter anderem zu Joghurt verarbeitet.

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Das klingt nach viel – aber mit der Landwirtschaft kann man nach Kronasts Worten keine Reichtümer erwerben, allein die Investition in technische Apparaturen, etwa in Traktoren, verschlingt viel Geld. Und man müsse den großen Aufwand fürs Futter berücksichtigen. Die Aufzucht eines Kalbs lohnt sich laut Kronast eigentlich nicht, wenn es am Schluss gerade mal 50 oder 100 Euro bringt. Für Hundewelpen würde ein Mehrfaches bezahlt, klagt Kronast, der sich nicht nur als Landwirt, sondern auch als Betriebswirtschaftler versteht.

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Im Gespräch wird deutlich, dass in der Landwirtschaft kontinuierlich, gewissenhaft und flexibel gearbeitet werden muss, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Von außen betrachtet, wird das oft nicht erkannt.

Er hilft auch in der Stiftung Attl mit

So wundert sich Kronast über Spaziergänger, die im Vorbeigehen die Legeleistung seiner Hühner taxieren und auf hohe Zahlen kommen. „Die meisten machen sich gar keine Vorstellung, was für ein Aufwand – Futter und Pflege – dafür nötig ist“, sagt Kronast.

Er ist Landwirt mit Leib und Seele, immer wieder probiert er was Neues aus, auch wenn manchmal Lehrgeld zu zahlen ist: Die outgesourcte Konservierung von Kleegras etwa habe sich als nicht sinnvoll erwiesen: „Das war nicht wirtschaftlich.“

Richtig große Vorhaben plant er in der nächsten Zukunft nicht. Nach eigener Einschätzung macht er alles weitgehend richtig. Und: „Von der Arbeit her bin ich ausgelastet.“ Dennoch engagiert er sich auch für die Stiftung Attl, wo er sich zwei Mal im Monat um Menschen mit Behinderung kümmert.

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