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Neuer Vorstand

Ballesterschützen: Junger Chef beim ältesten Wasserburger Verein

Der alte und der neue Schützenmeister messen sich am Schießenstand: Markus Pöhmerer (links) und sein Nachfolger Markus Ruepp.
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Der alte und der neue Schützenmeister messen sich am Schießenstand: Markus Pöhmerer (links) und sein Nachfolger Markus Ruepp.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Ballesterschützen halten Tradition hoch: Der älteste Wasserburger Verein hat einen neuen, jungen Vorsitzenden.

Wasserburg – Beim ältesten Traditionsverein in Wasserburg ist der Fortbestand gesichert: Mit Markus Ruepp übernimmt ein neuer junger Schützenmeister das Amt von Markus Pöhmerer, jetzt Ehrenschützenmeister. Einblicke in einen Verein, der von sich sagen darf, seit Jahrzehnten den deutschen und europäischen Meister im Ballesterschießen zu stellen.

Scheibe ist zehn Meter entfernt

Eigentlich ist die Sportstätte der Ballesterschützen ein alter Wasserburger Bierkeller unter dem Herrenhaus. Wo früh die Fässer lagerten, wird heute ein Schießsport ausgeübt, den es – vermutlich sogar weltweit betrachtet – nur noch in Wasserburg gibt. Und bei dem ein scharfes Auge, aber auch Kraft vonnöten sind. Denn der Ballester, mit dem auf die Zielscheibe geschossen wird, ist zwar eine kleine Variation der Armbrust, aber kein Leichtgewicht. Das Ziel liegt außerdem etwa zehn Meter entfernt – da kann sich der Pfeil schon mal verirren.

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In der Ruhe liegt die Kraft, Markus Pöhmerer, der 13 Jahre Schützenmeister war, lebt dieses Sprichwort. Seelenruhig schultert er die Armbrust, peilt durch ein winziges Guckloch das Ziel an, löst den Hebel und trifft meistens ins Schwarze, das auf der Scheibe auch rot und grün ist. Vermutlich hat kein Ballesterschütze jemals so viele Scheiben, ausgeschossen bei Jubiläen oder Geburtstagen und Wettkämpfe gewonnen wie der Wasserburger Stadtrat.

Auch in der aktuellen Saison, die nach zweijähriger Pandemie mit viele Trainingszwangspausen endlich wieder in alter Ausführung stattfinden konnte, erreichte Pöhmerer Platz zwei bei der Vereinsmeisterschaft im Einzelschießen, nach Sieger Klaus Rechenauer, vor dem Drittplatzierten Peter Huber.

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Jetzt ist Pöhmerer laut einstimmigem Beschluss der Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung Ehrenschützenmeister – ein würdevoller Repräsentant des Sports, der eine bunte Truppe von Herren meist mittleren Alters – derzeit leider keine Frauen – um sich versammelt hat. Sie halten den fast ausgestorbenen Schießsport in Ehren. Immer dienstags treffen sie sich vom Herbst bis zum Frühjahr in der Weinstube im Keller unter dem Restaurant Herrenhaus. Sie schießen, wetteifern, fachsimpeln essen, trinken ein Gläschen, reden – ein Verein, der auch die Kameradschaft hochhält. Und viele Traditionen wie eine ausgeprägte Scheibenkultur pflegt. Auch Spendenaktionen gehören zum Vereinsleben – unter anderem werden Pfeile versteigert, aktuell floss viel Geld in die Ukraine-Hilfe.

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Früher waren die Ballesterschützen ein elitärer Kreis – Bürgermeister, reiche Bauern, Handwerksmeister, Kaufleite und Lokalprominenz – trafen sich hier. In der Regel von Allerheiligen bis Ostern, weil die Landwirte im Sommer keine Zeit für das Hobby hatten. Ballesterschützen verteidigten im Mittelalter vermutlich die Stadt Wasserburg – die Legende berichtet laut Pöhmerer von einem Schützen, der den Pfeil sogar über den Inn geschossen haben soll.

Der neue Vorstand der Ballesterschützen mit (von links) Andreas Hauber, Klaus Rechenauer, dem neuen Ehrenschützenmeister Markus Pöhmerer, dem neuen Schützenmeister Markus Ruepp und seinem Stellvertreter Björn Rußwurm.

Heute bleibt der Pfeil im Übungskeller und es darf jeder mitmachen, der sportlich denkt und das gesellige Miteinander liebt. Auch Frauen sind willkommen, allerdings waren sie bisher in der Vereinsgeschichte stark in der Minderheit, bedauert der Vorstand. Alle Mitglieder schießen mit uralten Waffen, jede von ihnen ist ein Unikat. Ballester werden heute nicht mehr hergestellt, weshalb Markus Pöhmerer sie in seiner Werkstatt eigenhändig repariert, falls es mal ein Problem gibt.

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„Es ist faszinierend, mit so einem historischen Bogen schießen zu dürfen“, sagt Carl-Heinz Hartmann, seit 27 Jahren im Verein. „Das ist was für gefühlvolle Männer“, ergänzt Stephan Huhndorf schmunzelnd. „Es gibt nichts Vergleichbares im Schießsport“, ist Markus Pöhmerer überzeugt. Das bestätigen seine Kameraden, viele von ihnen sind auch in Schützenvereinen im Wasserburger Land aktiv. Doch mit der mittelalterlichen Armbrust zu schießen: Das ist für sie etwas ganz Besonderes – auch wenn es in der Regel dauert, bis sich die ersten Erfolge einstellen, wie Georg Lebmeier aus Babensham feststellt. Klaus Rechenauer stimmt zu: „Mal trifft man viele Abende nicht oder ganz schlecht, mal läuft es gut.“

Gesang erlaubt, Politisieren nicht

Hauptsache die Tradition aus der Vereinsgründung 1841 lebt weiter, findet Alfred Schmidbauer, dessen Vater schon bei den Ballesterschützen mitgemacht hat. Der Tradition soll weiter bestehen. „Das ist wie ein Vermächtnis“, sagen die Herren am Schützenstand. Auch den Statuten, aufgeschrieben im Jahr 1849, fühlen sie sich verpflichtet. Sie geben unter anderem als Regel aus, dass fröhlicher Gesang erlaubt ist, politisieren jedoch nicht. Eine Vorschrift, die auch heute ihre positive Wirkung nicht verfehlt, wie Schriftführer Anderl Hauber bestätigt. Die Neuzeit hat am Schützenstand in der Altstadt trotzdem Einzug gehalten: Gemeinsam haben die Ballesterschützen eine automatische Pfeilrückholeinrichtung eingebaut.

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