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Exklusiv: Das Problem am Bahn-Übergang Grasweg

Bahn-Tote wegen einer Hecke? Soyener Anwohnerin wehrt sich gegen Anschuldigungen

Rechts im Bild die Vogelschutzhecke, die abgerissen werden müsste.
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Rechts im Bild die Vogelschutzhecke, die abgerissen werden müsste.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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Im November verzeichnete Soyen seinen siebten Bahntoten. Drei der vier Bahnübergänge der Gemeinde haben nur Lichtsignal-Anlagen. Die Beschrankung an den Gleisen scheitert wegen Anwohnern, so der Bürgermeister. Jetzt wehren sich die Beschuldigten.

Soyen - Es waren Nachrichten, die die Bürger in der gesamten Region schockiert haben: Im November vergangenen Jahres ist die siebte Person an einem von Soyens drei unbeschrankten Bahnübergängen verstorben. Der 52-Jährige hatte wohl die Lichtsignale übersehen. Der daherrauschende Zug erfasste das Auto, der Mann aus Soyen starb noch an der Unfallstelle. Seitdem ist in der Gemeinde zum wiederholten Mal die Diskussion entbrannt: Warum sind die Bahnübergänge noch immer unbeschrankt? Fünfzehn Jahre nach dem ersten Todesfall.

Der Bahnübergang in Grasweg.

Drei Übergänge hängen zusammen

Bürgermeister Thomas Weber erklärte kurz nach dem Unglück gegenüber der Wasserburger Zeitung, dass die Gemeinde und die Bahn an der Aufrüstung der Bahnübergänge arbeiten würden, die Umsetzung sich aber als komplex darstelle. Alle drei Übergänge, in Buchsee, Grasweg und Seeburg, würden technisch zusammenhängen, so der Rathauschef im damaligen Interview. Heißt, alle drei müssten gleichzeitig mit Schranken ausgestattet werden. Und deren Bau würde derzeit vor allem am Übergang in Grasweg scheitern.

Der Plan der Gemeinde sei, so Weber, diesen für Autos zu schließen, aber für Fußgänger und Radfahrer offen zu halten. Die Bahn fordere nun aber ein größeres Sichtfenster für die Überquerenden und hier störe eine Hecke. Deren Besitzer würden nicht verkaufen wollen, so die Aussage des Bürgermeisters. Sieben Tote also wegen eines Strauchwerks?

Anwohner wehren sich

„Nein“, erklärt Gerlinde Ecklmaier, Besitzerin besagter Hecke. Die Darstellung des Bürgermeisters ist ihrer Meinung nach stark vereinfacht. „Es geht nicht nur um eine Hecke“, sagt sie. Zum einen, da es sich nicht um ein „normales Strauchwerk“ handle, sondern um eine Vogelschutzhecke. Noch wichtiger sei aber, dass viel mehr als die Hecke betroffen sei, sollte die Gemeinde ihre Pläne in Grasweg so durchsetzen, wie jetzt geplant, so Ecklmaier. „Das wäre ein großer Teil unseres Grundstücks“, so die 80-jährige Anwohnerin. Eigentlich müssten sie die gesamte noch unbebaute Fläche des Anwesens frei halten und einer Grunddienstbarkeit zustimmen. Eine Einschränkung, auf die sich die Familie nicht einlassen wolle. „Ich habe Enkel. Wer weiß, ob die dort nicht mal bauen wollen“, sagt sie.

Doch nicht nur das: Für Ecklmaier wurde in der Darstellung des Bürgermeisters ein signifikanter Faktor weggelassen: Die Familie will den Bahnübergang nicht behalten. „Wir haben schon vor Jahren zugestimmt, dass er geschlossen wird“, stellt sie fest. Bereits vor Jahren sei ein Mitarbeiter der Gemeinde auf die Familie zugekommen und habe gefragt, ob sie der Schließung in Grasweg zustimmen würden. „Wir haben ja gesagt“, erzählt Ecklmaier, ebenso der Nachbar, „wenn es der Sicherheit dient, dann machen wir das natürlich.“ Spätestens 2017 habe die Familie auch gegenüber der Gemeinde ihr schriftliches Einverständnis gegeben, damals hätten sich die Pläne nämlich noch auf eine Schließung konzentriert. „Es sollte ein Erdwall auf beiden Seiten entstehen“, erklärt Ecklmaier. Für die Familie kein Problem, stellvertretend habe ihr Sohn damals unterschrieben.

Diese Fläche müsste die Familie für das Sichtfeld freihalten. Hinter den Sträuchern verstecken sich die Gleise.

Es seien also nur die im Nachhinein beschlossenen Pläne für einen Übergang mit Rad- und Fußweg, die bei der Familie auf Unverständnis stoßen, erklärt die Anwohnerin. Nicht nur wegen der massiven Einschränkungen auf ihrem Grundstück. Zumal das Eisenbahnbundesamt den Plänen nicht zugestimmt und Alternativvorschläge gefordert habe, so Ecklmaier. Für sie spielt auch der Sicherheitsaspekt eine Rolle. „Es ist doch immer besser, einen Übergang zu schließen“, sagt sie. Insbesondere, da es auch in Grasweg bereits einen Todesfall gegeben habe. Außerdem würde es sich bei dem Übergang für Radfahrer und Fußgänger ja ebenfalls nicht um eine beschrankte Anlage handeln. „Die Leute sollen dann nach links und rechts schauen, ob was kommt?“, fragt sie verständnislos.

Vorschlag: Den Übergang verlegen

Doch selbst, wenn die Gemeinde Soyen an der Idee festhalten wolle, in der Nähe von Grasweg einen Übergang für Fußgänger und Radfahrer zu behalten, gäbe es Möglichkeiten, so Ecklmaiers Überzeugung. „Man könnte ihn ein paar Meter verlegen, dann hätte man das Problem mit dem Sichtfeld nicht mehr“, schlägt sie vor. Zumal hier die Grundstücksflächen bereits der Bahn gehören würden. Eine andere Möglichkeit sei, eine Umlaufssperre in Richtung Reitmehring einzurichten, an einem ehemals beschrankten Bahnübergang, der 1952 geschlossen wurde. „Den könnte man doch wieder nutzen“, schlägt sie vor.

„Der Tod des Mannes tut mir in der Seele weh“, sagt die 80-Jährige, auch sie wolle sichere Bahnübergänge in Soyen. „Für uns steht aber fest: so nicht. Wir haben der Schließung in Grasweg zugestimmt, aber den Übergang für Fußgänger und Radfahrer lehnen wir ab“, verdeutlicht Ecklmaier.

Bürgermeister Thomas Weber

Das sagt der Bürgermeister

Für Soyens Bürgermeister Thomas Weber steht trotz der Kritik von Gerlinde Ecklmaier fest, dass es einen Übergang für Fußgänger und Radfahrer in Grasweg brauche. Der Überweg sei an schönen Sommertagen hochfrequentiert, so Weber. „Wir haben eine Verkehrszählung durchgeführt. In Hoch-Zeiten sind es ein paar hundert Personen, die hier das Gleis überqueren.“ Aus Sicherheitsgründen sei es deshalb nötig, in Grasweg eine Umlaufsperre zu installieren. „Es besteht die Gefahr, dass die Fußgänger trotz Schließung einfach rübergehen“, erklärt der Rathauschef. Dieses Phänomen sei auch an dem geschlossenen Übergang in Richtung Reitmehring zu beobachten. Mit einer Umlaufsperre sei die Überquerung der Gleise in Grasweg sicherer. „Man ist gezwungen in jede Richtung zu schauen“, so Weber. Lichtschranken oder Andreaskreuze seien allerdings nicht eingeplant.

Den Vorschlag Ecklmaiers den alten Überweg in Richtung Reitmehring wiederzubeleben, hält Weber für nicht umsetzbar. „Die Stelle ist bereits entwidmet“, erklärt der Bürgermeister, es müsste also ein erneutes Verfahren aufgenommen werden. Die Widmung stelle auch ein Problem bei einer Verschiebung des Übergangs in Grasweg dar. Außerdem „kommen wir da schon ziemlich weit nach Süden, bis das Sichtfeld so groß ist, dass die Bahn dort fahren kann“, erklärt Weber.

Grundsätzlich kämpfe die Kommune auch mit dem Naturschutz. „In dem gesamten Gebiet sind noch Kiebitze im Kataster eingetragen“, verdeutlicht der Rathauschef. Mit jeder Verschiebung des Bahnübergangs bräuchte es auch neue Wege und das würde die Untere Naturschutzbehörde kaum genehmigen, so die Meinung Webers.

Dass die Familie Ecklmaier eine Grunddienstbarkeit für den Raum rund um die Vogelschutzhecke unterschreiben müsste, bestätigt der Bürgermeister. Allerdings sei der Familie bereits angeboten worden, eine Ausgleichsbepflanzung zu schaffen. Ob eventuelle Bauten auf dem Grundstück auch ohne Grunddienstbarkeit umsetzbar wären, sei ohnehin fraglich. „Das ist absoluter Außenbereich und in der Nähe der Gleise“, so Weber.

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