PLANFESTSTELLUNG

Bahn will kleinen Übergang in Ramerberg auflösen – doch es gibt massiven Widerstand

18 Fahrzeuge queren täglich diesen unbeschrankten Bahnübergang in Oberkatzbach, so rechnet die Bahn vor. Sie könnten auch alternative Wege nutzen, heißt es in ihrer Rechtfertigung zur Schließung des Bahnübergangs. Die Gemeinde Ramerberg ist da anderer Meinung und ruft dazu auf, Einwendungen gegen das Projekt einzureichen.
+
18 Fahrzeuge queren täglich diesen unbeschrankten Bahnübergang in Oberkatzbach, so rechnet die Bahn vor. Sie könnten auch alternative Wege nutzen, heißt es in ihrer Rechtfertigung zur Schließung des Bahnübergangs. Die Gemeinde Ramerberg ist da anderer Meinung und ruft dazu auf, Einwendungen gegen das Projekt einzureichen.
  • vonPetra Maier
    schließen

Der Gemeinderat Ramerberg wehrt sich gegen die Pläne der Bahn, einen Übergang in Oberkatzbach aufzulösen. Auch Anwohner wären betroffen. Die Bahn argumentiert: Täglich nutzen nur 18 Fahrzeuge den Übergang.

Ramerberg – Für den Rückbau des Bahnübergangs Oberkatzbach bei Bahnkilometer 19,944 in der Gemeinde Ramerberg hat das Eisenbahn-Bundesamt ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Die Gemeinde Ramerberg will sich mit allen Mitteln gegen eine Schließung des Bahnübergangs wehren. Das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung noch einmal einstimmig quer durch die Parteien deutlich.

Bürgermeister Manfred Reithmeier (Unabhängige Wähler Ramerberg, UWR) zählt dabei auch auf die Unterstützung der Bürger. Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, kann seine Einwendungen gegen den Plan bis spätestens 24. Februar 2021 schriftlich einreichen, macht Reithmeier deutlich.

Zugegeben, es ist jetzt kein riesiger Bahnübergang, den täglich tausend Fahrzeuge queren, sondern eher ein kleiner, beschaulicher Kreuzungspunkt, aber deswegen nicht weniger wichtig, so die Gemeinde Ramerberg.

Erste Pläne zur Schließung gab es schon im Jahr 2017

Seit Jahren laufen schon Verhandlungen mit der Bahn bezüglich der Auflassung dieses Bahnübergangs. Bereits im Dezember 2017 hatte sich der Gemeinderat für eine Beibehaltung ausgesprochen. Ende letzten Jahres kam nun eine E-Mail der Regierung von Oberbayern, in der ein Planfeststellungsverfahren nach § 18 Allgemeines Eisenbahngesetz(AEG) für den Bahnübergang Oberkatzbach angekündigt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wegestreit in Ramerberg: Bürger nutzen intensiv die Chance auf Stellungnahme

Die Gemeinde, so sieht es das Gesetz vor, ist verpflichtet, die Unterlagen für die Planfeststellung öffentlich auszulegen. Sie muss aber auch selbst zu dem Vorhaben angehört werden.

Ihre Meinung ist klar: Der Bahnübergang Oberkatzbach werde von Landwirten sehr stark genutzt, die auf den den Übergang zwingend angewiesen seien, um ohne größere Umwege und auch wirtschaftlich sinnvoll zu ihren Flächen zu gelangen. Ebenfalls wichtig sei die Anbindung des Reitstalls Praßmaier. Sein Besitzer und dessen Kundschaft sowie die Anwohner der Attelfeldstraße 21 seien zwingend auf den Bahnübergang Oberkatzbach angewiesen. „Weiterhin spielt der Bahnübergang für Rettungs- und Einsatzfahrzeuge eine sehr wichtige Rolle“, führt Reithmeier an. Schließlich müssen Rettungsdienste im Notfall den Einsatzort rechtzeitig erreichen können.

Gemeinde: Wichtige Bedeutung im Verkehrsnetz

Zudem sei der Bahnübergang auch bei Fußgängern und Radfahrern sehr beliebt. Er nehme somit im kommunalen Wegenetz eine sehr wichtige Bedeutung ein.

Lesen Sie auch:

Neue Hoffnung für Viehhausen

Die Bahn begründet ihre Pläne damit, dass die bestehende technische Sicherung des Bahnübergangs das Ende ihrer Nutzungszeit erreicht habe. „Die Anlage entspricht heute weder dem Stand der Technik noch den Sicherheitsanforderungen“, heißt es in der Planrechtfertigung. Ein erhöhter Instandsetzungsaufwand sei erforderlich, eine Erneuerung „auch aufgrund der aktuell geringen Nutzerzahl und den zu erwartenden umfangreichen Eingriffen in die Natur“ nicht vertretbar.

Bahn: Umwege zumutbar

Welche Umwege künftig gefahren werden müssten, sollte der Übergang geschlossen werden, hat die Bahn ebenfalls berechnet. Sie seien „zumutbar“. heißt es vonseiten der Bahn und können über die Internetseite der Gemeinde Rott eingesehen werden. Umwege von 3 020 Metern bis zu 11 570 Metern sind hier aufgelistet, je nach Strecke.

Pferdehof betroffen

Einer, der eventuell von diesen Umwegen betroffen sein wird, ist Robert Praßmaier. Er baut für sich und seine Töchter gerade eine neue Existenz auf: Der Aktivstall „Praßmaier Hof“ soll künftig 40 Pferden ein Zuhause bieten. Die Zufahrt zu seinem Hof in der Attlfeldstraße 20 führt derzeit über den Bahnübergang Oberkatzbach und ist „rechtlich gesichert im Grundbuch eingetragen“.

Idylle pur: Der Aktivstall „Praßmaier Hof“ soll künftig 40 Pferden ein Zuhause bieten. Die Zufahrt erfolgt bisher über den kleinen Bahnübergang Oberkatzbach.

Auf dem Areal wohnen derzeit vier Familien. „Ich vertraue auf unser Rechtssystem und darauf, dass ich auch künftig mein Haus und meinen Reithof erreichen werde“, bleibt Praßmaier optimistisch.

Vorsorglich lässt er sich juristisch beraten – und auf alle Fälle wird er eine Einwendung zu dem Planfeststellungsverfahren einreichen.

Einsicht in die Pläne

Die Planunterlagen können bis zum 10. Februar 2021auf den Internetseiten der Verwaltungsgemeinschaft Rott, der Gemeinde Ramerberg sowie der Regierung von Oberbayern eingesehen werden.

Lesen Sie auch:

Gesundheitsamt warnt vor erheblichen hygienischen Mängeln im Ramerberger Wasserhochbehälter

Die Planunterlagenliegen als zusätzliches Informationsangebot zur allgemeinen Einsicht in der Verwaltungsgemeinschaft Rott sowie im Gemeindehaus Ramerberg zu den Geschäftszeiten auf. Für die Einsichtnahme der Papierunterlagen ist aufgrund der COVID-19-Pandemie telefonische Terminvereinbarung nötig, bei der Verwaltungsgemeinschaft Rott unter Telefon 08039/906819 und im Gemeindehaus Ramerberg unter Telefon 08039/5588.

Adressen für Einwände

Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, kann seine Einwendungen gegen den Plan bis zum 24. Februar 2021 schriftlich bei der Verwaltungsgemeinschaft Rott, Lisa Schwaiger, Kaiserhof 3, 83542 Rott, sowie in der Gemeinde Ramerberg, Heide Schmeisz, Rotter Straße 2, 83561 Ramerberg, oder direkt bei der Regierung von Oberbayern, Maximilianstraße 39, 80538 München, Zimmer: 4122, erheben.

Es ist auch möglich, Einwendungen elektronisch unter der E-Mail-Adresse: bahn-anhoerungsverfahren@reg-ob.bayern.deoder lisa.schwaiger@rottinn.de einzureichen. Die Einwendung (oder die E-Mail) bedarf keiner qualifizierten elektronischen Signatur nach dem Signaturgesetz.

Kommentare