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Interview zum Jahreswechsel mit Bürgermeister Kölbl - Teil II

Badria bleibt „Sorgenkind“ von Wasserburg - Warum es keine Denkverbote gibt

Die Gasmangellage führte dazu, dass auch im Badria übergangsweise die Wassertemperatur reduziert werden musste. Doch diese Entscheidung hat der Werkausschuss des Stadtrates wieder rückgängig gemacht.
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Die Gasmangellage führte dazu, dass auch im Badria übergangsweise die Wassertemperatur reduziert werden musste. Doch diese Entscheidung hat der Werkausschuss des Stadtrates wieder rückgängig gemacht.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Die „Gänsehautzeit“ im Badria ist vorbei: Die Wassertemperatur wurde wieder hochgefahren. Doch das Familienbad bleibt - finanzielles - Sorgenkind der Stadt. Bürgermeister Michael Kölbl über die Zukunft der Freizeiteinrichtung und weitere Dauerbrenner-Themen.

Wasserburg - 2022 war ein schwieriges Jahr, findet Wasserburgs Rathauschef. 2023 wird ebenso herausfordernd, doch es gibt auch gute Aussichten, beteuert Michael Kölbl in Teil II des Interviews zum Jahreswechsel.

Das Badria ist als Familienbad und Spa beliebt. Doch die Kritik an der Senkung der Wassertemperatur war so massiv, dass Stadtwerke und Werkausschuss des Stadtrats die Entscheidung zurücknehmen mussten. Sind die Besucher zurückgekehrt?

Michael Kölbl: Die Rückmeldungen sind vielversprechend. „Es macht wieder Spaß im Badria“, sagen uns vor allem Familien mit kleinen Kindern. Wir sind überzeugt, dass sie wieder kommen werden, denn das Preis-Leistungsverhältnis im Badria sucht seinesgleichen. Mir ist es außerdem wichtig, noch einmal zu betonen, dass wir die Entscheidung im Frühjahr, die Wasser- und Lufttemperatur herunterzufahren, vor dem Hintergrund einer bundesweiten Gasmangellage gefällt hatten. Wir wollten damals als Reaktion auf eine Aufforderung der Bundesregierung ein Signal zum Energiesparen setzen, schließlich haben wir als Kommune eine Vorbildfunktion. Diese Gasmangellage besteht jetzt nicht mehr. Die Stadtwerke sind außerdem in der glücklichen Lage, dass sie noch bis Ende 2023 sehr gute Gas-Altverträge haben. Außerdem stellte sich der Einspareffekt als überschaubar heraus, denn die Grundlast im Badria ist zu hoch. Wir setzen trotzdem weiter auf Energieeinsparungen, die jedoch langfristig zu sehen sind. Unter anderem haben wir in diesem Jahr den Eingangsbereich umfangreich modernisiert, was sich positiv auf die Energiekosten auswirken wird.

Das Badria ist finanziell gesehen das Sorgenkind der Stadt. Was kann getan werden, um die Einrichtung für die Zukunft zu sichern? Oder droht sogar eine Schließung, wenn die Kosten und damit die Ausgaben weiter so stark steigen?

Kölbl: Der Bestand des Badria ist mittelfristig gesichert. Doch wir - das heißt die Stadt, die Stadtwerke und der Werkausschuss des Stadtrates - sehen es als unsere Aufgabe an, Einsparpotenziale zu ermitteln. Unter anderem werden die Stadtwerke und das Badria einer Organisationsuntersuchung unterzogen, die aufzeigen soll, wie Prozessabläufe optimiert werden können. Ziel ist es, dass die Stadtwerke im steuerlichen Querverbund der unterschiedlichen Geschäftsfelder das Familienbad weiterhin betreiben können. Nach dieser Analyse darf es keine Denkverbote geben. Denn eine Einrichtung wie das Badria muss für eine Stadt wie Wasserburg dauerhaft finanziell leistbar sein. Das derzeit hohe Defizit darf sich nicht weiter sprunghaft erhöhen, es sollte verringert werden.

Dauerrenner in der Stadt ist auch das Bemühen um die Fahrradfreundlichkeit. Was ist hier alles geplant? Und wie ist der Stand der Dinge bei der Umwandlung der Altstadtbahn-Gleise in einen Radweg?

Kölbl: Wir sind Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) geworden. Wir werden ein Radverkehrskonzept für die Stadt ausschreiben. Und uns 2023 auch am Stadtradeln beteiligen. Die neue Beschilderung des Landkreises kommt bald. Zu den Altstadtbahngleisen gibt es leider eine schlechte Nachricht: Wir haben es nicht geschafft, in ein entsprechendes Förderprogramm des Freistaates zu kommen. Momentan können wir die Umwandlung der Gleise der stillgelegten Altstadtbahn in einen Radweg also nicht weiter betreiben, denn 2023 ist ein Jahr des Planes für mehrere Millionenprojekte, die viel Geld binden: neuer Wertstoffhof, Erweiterung der Grundschule am Gries, neues Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Essigfabrik, neues Feuerwehrhaus.

Die Tafel Wasserburg hat doppelt so viele Kunden wie 2021. Den Wasserburg-Pass haben bereits 250 Haushalte beantragt. Gibt es auch in Wasserburg eine neue Armut? Was kann die Stadt tun?

Kölbl: Ich hoffe, dass die vielen Förderprogramme des Bundes und des Freistaates dafür sorgen werden, dass es nicht zu einer neuen Armut kommt. Doch das Geld wird bei all jenen, bei denen es schon vorher knapp war, noch knapper werden. Denn die Preise für Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs sowie für das Wohnen und die Nebenkosten sind extrem gestiegen. Energiekrise und Inflation haben vielen ein schweres Jahr beschert, das wird auch noch einige Jahre so bleiben, befürchte ich. Ich bin froh, dass wir den Wasserburg-Pass haben, der Familien und Menschen mit Vergünstigungen unterstützt, und dass es den Bürgerbahnhof als Anlaufstelle für soziale Anliegen gibt. Wir müssen alles dafür tun, dass es nicht so weit kommt, dass beispielsweise ein Kind aufgrund finanzieller Not in der Familie auf einen Schulausflug verzichten muss. Gesellschaftliche Teilhabe muss weiter möglich sein. Dabei unterstützen Wasserburg-Pass und Bürgerbahnhof.

Das dritte besonders schwierige Jahr in Folge geht zu Ende. Macht es da eigentlich noch Freude, Bürgermeister zu sein? 

Kölbl: Natürlich, denn meine Motivation für dieses Amt war und ist die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und meine Heimatstadt mitgestalten zu können. Ich war sehr gerne Richter oder Staatsanwalt, meine früheren Berufe, bin aber noch lieber Bürgermeister. Denn in diesem Amt kann ich viel bewegen, Projekte voran oder auf den Weg bringen. Ich verhehle nicht, dass ich die immer weiter zunehmenden Vorschriften und bürokratischen Vorgaben als belastend empfinde, auch die vielen Krisen der vergangenen drei Jahre sorgen für schwierige Rahmenbedingungen. Trotzdem haben wir 2022 ein Stück Normalität zurückgewonnen. Endlich gibt es wieder städtisches Leben in seiner ganzen Vielfalt. Ich bin ein Teamplayer, auch deshalb bereitet es mir nach wie vor große Freude, gemeinsam mit dem Stadtrat und der Verwaltung zu gestalten.

2023 ist Halbzeit bei Ihrer letzten Amtsperiode. Haben Sie schon einen Wunsch-Nachfolger oder eine Wunsch-Nachfolgerin gefunden? 

Kölbl: Diese Frage kommt für mich zu früh. Stellen Sie sie mir erneut ein bis zwei Jahre vor der Wahl, dann kann ich Ihnen eine Antwort geben.

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