Coronakrise

Awo Haag in Sorge um die Ältern im Lockdown: „Die Senioren vereinsamen“

Keine Versammlungen, keine Seniorennachmittage: Vorsitzender Wilfried Greipel hängt vor leeren Tischen den neuen Kalender im Awo-Haus auf.
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Keine Versammlungen, keine Seniorennachmittage: Vorsitzender Wilfried Greipel hängt vor leeren Tischen den neuen Kalender im Awo-Haus auf.
  • vonLudwig Meindl
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Keine Seniorennachmittage, keine Geburtstagsständchen, keine Treffen: Die Haager Senioren fühlen sich isoliert. Die Arbeiterwohlfahrt würde gerne helfen, doch ihr sind die Hände gebunden.

Haag – Erstmals in der 64-jährigen Geschichte der Haager Arbeiterwohlfahrt (Awo) erhielten die Mitglieder die Ausführungen zur Generalversammlung per Post und waren nicht vor Ort zur Versammlung geladen. Die größte Sorge im Krisenmanagement des Vorsitzenden Wilfried Greipel bildet die Tatsache, dass Senioren mehr und mehr vereinsamen.

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Die „wichtigsten Daten“ mit Kassenbericht versandte Vorsitzender Greipel per Post an jedes der aktuell 46 Mitglieder. Im Awo-Haus am Kirchplatz schaut er regelmäßig nach dem Rechten.

Gesellige Nachmittage müssen ausfallen

Seit Mitte März vergangenen Jahres ist die Haager Awo geschlossen. Die Awo-Hauptverwaltung des Kreisverbandes hatte alle Sitzungen und Veranstaltungen abgesagt. Das bisherige Motto der Arbeiterwohlfahrt schien damit ebenfalls außer Kraft gesetzt: „Gemeinsam, nicht einsam.“ Die Senioren sitzen nun fast ein ganzes Jahr allein zuhause und müssen auf die beliebten geselligen Nachmittage verzichten. Damit fiel auch die lange Tradition der Geburtstagsständchen. Die Awo gratuliert zum Seniorennachmittag jedem zu jedem Geburtstag mit Präsent oder Gedicht und ein von allen gesungenes Geburtstagsständchen.

Einsamkeit zerrt an den Nerven

Mittlerweile schlägt sich die lange Karenz den Mitgliedern auf die Nieren. Die aktuelle Situation spiegeln Gespräche des Vorsitzenden mit den Senioren persönlich und per Telefon wider. Ein Stammgast der wöchentlichen Awo-Runde sagte: „Ich trau mich nicht kommen wegen der Ansteckungsgefahr, merke aber, dass ich zunehmend vereinsame.“ Eine Seniorin bedauerte: „Ich lebe allein, mein Mann ist verstorben. Mir fehlt der Kontakt zu den Awo-Mitgliedern am Dienstagnachmittag.“ Dazu bemerkt Vorsitzender Wilfried Greipel, dass das Gros der Haager Awo aus Frauen bestehe, fast alle Witwen.

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Die Seniorennachmittage besuchten bis zur Schließung im Durchschnitt 20 Gäste, 15 davon über 80. Das Durchschnittsalter liegt bei 79. Regelmäßigen Kontakt hält der Haager Vorsitzende mit der Awo-Chefin Klara Maria Seeberger vom Kreisverband. Er zählt 350 Mitglieder, seit einem Jahr sind ebenfalls alle Einrichtungen geschlossen.

Beteiligt haben sich die Haager am Kreisvervbandsprojekt „Stromsparfüchse“. In Zusammenarbeit mit den Haager Kraftwerken kamen Experten in die Haushalte, um Energiefresser aufzuspüren. „Das Projekt kann jeder in Anspruch nehmen“, so Greipel.

Er selbst wurde für seinen Einsatz für die Arbeiterwohlfahrt geehrt. Eine Auszeichnung übergab er an Erhard Glaser: Er erhielt Ehrenurkunde und Silberspange vom Bezirk. Glaser hatte sich 50 Jahre für den Ortsverband eingesetzt.

Nach der Krise wieder Angebote zum Treffen

Aus dem Kassenbericht von Brigitte Greipel erfuhren die Mitglieder, dass die Awo in den vergangenen beiden Jahren mit einem Plus abgerechnet hatte. Der Vorsitzende würdigte in seinem Bericht besonders den Einsatz des Serviceteams mit Johanna Jakel, Hilde Nöbauer und Brigitte Greipel. Zu danken galt es auch Awo-Chauffeur Lorenz Pointl, der beim Normalbetrieb die immobilen Senioren mit dem City-Mobil abholt und nach Hause bringt.

Im Schlusswort versicherte Greipel im Namen der Vorstandschaft: „Mitglieder und Bevölkerung sollen wissen, dass wir höchsten Wert darauf legen, nach der Krise die Seniorennachmittage so schnell wie möglich wieder anzubieten.“

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