Autist und Attl-Bewohner René schreibt in seinem Blog: „Corona werde ich nie vergessen“

Corona bedeutet Unsicherheit, sagt Autist und Attl-Bewohner René Prodell.
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Corona bedeutet Unsicherheit, sagt Autist und Attl-Bewohner René Prodell.

Er nennt sich selbst augenzwinkernd „Medienmacher aus Wasserburg“: René Prodell. Der junge Mann lebt in der Stiftung Attl in einer Wohngruppe, gehört dem autistischen Spektrum an und zählt durch diverse Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe. Über Corona hat er nun einen Blog gemacht.

Von Andrea Klemm

Wasserburg-Attel– Er nennt sich selbst augenzwinkernd „Medienmacher aus Wasserburg“: René Prodell. Der junge Mann lebt in der Stiftung Attl in einer Wohngruppe, gehört dem autistischen Spektrum an und zählt durch diverse Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe.

René hat Inselbegabung

René leidet an der seltenen Stoffwechselerkrankung CDG und hat wegen einer Pneumonie Lungenschäden. Die Pandemie hält ihn nicht auf, seine Facebook-Seiten zu betreiben und sich im Bereich der Autismus-Selbsthilfe online zu engagieren. Er hat eine gewisse Inselbegabung hinsichtlich Social Networking und der Technik, die er dafür braucht. Mit Krisen-Situationen könne er eigenen Angaben zufolge nicht umgehen.

Nun hat der 25-Jährige seine Erfahrungen mit der Pandemie in seinem Blog attel.info unter dem Titel „Corona werde ich nie vergessen“ nieder geschrieben.

„Als ich im März zur Kur an den Königssee fuhr, wusste ich bis dahin noch nicht, dass ich die Wohngruppe, in der ich lebe, für längere Zeit nicht mehr sehen werde. Als ich zurückkam, musste ich zum ersten Mal in meinem Leben mehrere Tage in eine Zimmer-Quarantäne, bis die Ergebnisse des Corona Tests da waren.

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Da ich viele Sachen am Computer mache, war die Zeit, in der ich in Zimmerquarantäne war, auszuhalten. Aber es ging mir schon sehr ab, raus in unsere schöne Natur zu gehen, um ein paar Fotos zu machen. Nach einigen Tagen wurde die Quarantäne dann aufgehoben, aber es blieb das ungute Gefühl, dass man sich ansteckt.

Es fehlt die Struktur im Alltag

Dann änderte sich einiges, es kamen die Ausgangsbeschränkungen, was auch für mich wieder Veränderungen bedeutete. Ich verließ Attl, bevor die Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten. Es wurde gemeinsam mit der Einrichtung beschlossen, dass es aktuell sicherer sei, wenn ich zuhause bei meinen Eltern lebe, weil dort weniger Menschen um mich herum sind. Es fühlt sich immer noch sehr komisch an. Die ersten Tage bei meinen Eltern nutzte ich, um für meine Projekte zu kämpfen.

Ich betreibe seit einigen Jahren in und um Wasserburg regionale Projektseiten, zum Beispiel die „Ramadama Aktion“ und „Wasserburg Buidl“, wo man schöne Bilder von Wasserburg am Inn ansehen kann.

Da alle meine Projekte, die ich betreibe, nicht kommerziell sind, und ich mit ihnen keine Einnahmen erzielen darf, war es in letzter Zeit nicht leicht, was die finanzielle Situation der Projekte betrifft. Dies führte leider dazu, dass ich nachts immer weniger geschlafen habe, weil ich ziemliche Panikattacken hatte, ob nicht am nächsten Tag eine höhere Abbuchung kommt.

Es fehlt die gewohnte Alltagsstruktur

Mittlerweile geht es den Projekten wieder etwas besser, aber es ist noch immer ein gewisses Risiko da, dass ich Projekte so nicht weiterbetreiben kann.

Ich blicke dennoch positiv in die Zukunft. Die Zeit, wo es sehr ruhig ist, nutze ich, um liegengebliebene Sachen abzuarbeiten. Es fällt mir in dieser Zeit auch leichter, da ich zurzeit nicht arbeite und so mehr Zeit für meine Projekte habe. Dennoch freue ich mich, wenn ich wieder arbeiten darf.“

Seit wenigen Tagen ist er wieder in seiner Wohngruppe in Attl. „Mit Corona verbinde ich hauptsächlich Unsicherheit, es fehlt die gewohnte Alltagstruktur. Normal würde ich unter der Woche um 8 Uhr in die Arbeit gehen. Da dies derzeit nicht möglich ist, fängt der Tag gleich ganz anders an. Dann finden zurzeit keine Therapien und andere Veranstaltungen statt. Was schwer ist für mich“, sagt er auf Nachfrage der Zeitung.

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