Auf, zu, auf: Corona-Hick-Hack um die Wasserburger Kaufhäuser ist endlich beendet

Können wieder strahlen: Sibylle und Tobias Schuhmacher vom Innkaufhaus. JOhn Cater

Das Team des Wasserburger Innkaufhauses ist seit Montag durch ein Wechselbad der Gefühle geschritten. Am Dienstag durfte das Geschäft nun doch noch öffnen – ebenso wie das Oberhaus des Gewandhauses Gruber. Ende gut, alles gut? Mitnichten.

Wasserburg – Am Montag hatte die Situation noch ganz anders ausgesehen: Beide Kaufhäuser mussten geschlossen bleiben, weil es noch nicht erlaubt war, die Verkaufsfläche so zu verkleinern, dass sie die zulässigen 800 Quadratmeter nicht überschreitet. Nachmittags kam dann die erlösende Nachricht aus dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof: Diese Möglichkeit der Reduzierung durch Absperrungen oder bauliche Maßnahmen muss Kaufhäusern doch eingeräumt werden, forderte das Gericht.

Guter Dienstag folgt rabenschwarzem Montag

Das Haupthaus des Gewandhauses Gruber reagierte sofort und öffnete das Erdgeschoss, das Innkaufhaus ebenso. Hier war auch noch die Öffnung des ersten Stockwerks möglich.

Der Montag wird jedoch als rabenschwarzer Tag in die 50-jährige Geschichte des Innkaufhauses eingehen. Denn gegen Mittag war es hier, wie berichtet, sogar zu einem Polizeieinsatz gekommen. Zwei Beamten mussten eine behördliche Verfügung des Landratsamtes Rosenheim durchsetzen und das Kaufhaus, das punkt 9 Uhr geöffnet hatte, wieder schließen lassen. Das Landratsamt berief sich am Montag auf einen Pachtvertrag auf der Basis von über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Ehepaar Schuhmacher hatte jedoch zwischenzeitlich einen neuen Vertrag auf der Basis einer kleineren Verkaufsfläche (685 Quadratmeter) abgeschlossen.

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Die Pressestelle des Landratsamts teilte auf Anfrage der Wasserburger Zeitung am Montag spätnachmittags – und damit sogar nach Bekanntgabe des Urteils – mit, die am 23. März getätigte Veränderung des Pachtvertrages sei nach der Bekanntmachung des Staatsministeriums zum Thema Einzelhandelseinschränkungen am 16. März, erfolgt. „Wir haben viele Anfragen von Einzelhandelsbetrieben im Landkreis, welche über eine größere Fläche als 800 Quadratmetern verfügen und wir haben bisher keinerlei Ausnahmegenehmigungen erteilt, auch im Hinblick drauf, dass uns die Regierung darauf hingewiesen hat, Ausnahmen sehr restriktiv zu behandeln“, begründete das Landratsamt sein Nein zur Öffnung.

Gestern Morgen ruderte die Behörde in einer erneuten Stellungnahme zurück: Das Staatsministerium halte aufgrund der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes nicht mehr an seiner Auffassung, Einzelhandelsbetriebe dürften ihre Verkaufsfläche nicht durch Absperrungen auf 800 Quadratmeter verkleinern, fest. „Damit kann das Innkaufhaus ab sofort mit einer maximalen Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern öffnen“, teilte die Behörde mit.

Landratsamt sieht von Ordnungsgeld ab

Das haben die Schuhmachers gestern auch erneut getan. Sie müssen außerdem das Ordnungsgeld, das ihnen angedroht worden war, nicht mehr zahlen, das Verwaltungsverfahren gegen die Inhaber wurde eingestellt.

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Ende gut, alles gut? Mitnichten. Bei aller Freude darüber, dass es am Dienstag nun doch losgehen durfte, ist die Verärgerung über den Polizeibesuch und die am Montag noch verordnete Schließung noch nicht verraucht. „So ein Wahnsinn!“, sagt Sibylle Schuhmacher, „furchtbar, dieses Auf und Ab. Wir sind unendlich froh, dass das Gericht so entschieden hat.“ Doch nach wie vor ist ihr anzumerken, wie tief der Ärger über das Hick-Hack rund um die Wiedereröffnung sitzt. „Das war nicht okay, das war Schikane.“

Die Schuhmachers hatten bereits am Montag einen Anwalt eingeschaltet, sich protestierend an die politischen Mandatsträger gewandt. Und auf ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichtshofes gehofft, das dann auch kam.

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So erging es auch dem Gewandhaus Gruber, das noch Ende vergangener Woche im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung darauf hingewiesen hatte, über den Handelsverband gegen den bayerischen Weg, der keine Verkleinerung der Verkaufsfläche ermöglichte, zu protestieren. Mit Erfolg: Gestern konnten die Wasserburger und die Besucher der Stadt zum ersten Mal wieder im Oberhaus shoppen.

Jetzt Absperrungen im Gewandhaus Gruber möglich

Nachdem am Montag bereits die Filialen – das Unterhaus, das Sporthaus und das kleine Herrenhaus – wieder Kunden empfangen durften, gingen am Dienstag im Haupthaus in der Schmidzeile die Türen auf. Geschäftsführerin Sonja Schacherl freute sich mächtig über die behördliche Erlaubnis. Kurzfristig konnte sie genügend Mitarbeiter für den Verkauf herbeitelefonieren.

Zuvor musste Schacherl einige Bereiche im Haus absperren, auch im Erdgeschoss, um die erlaubten 800 Quadratmeter nicht zu überschreiten. Die Wäsche- und Badeabteilung im ersten Stock ist zugänglich, dafür wurde der Bereich Abendkleider zugemacht – und schweren Herzens auch die über zwei Stockwerke verteilte Herren- und Trachtenabteilung.

Aber Sonja Schacherl zeigte sich gestern gut gelaunt: „Also, ich kann sagen, wir sind glücklich, wir sind froh, dass wir wieder in den Laden rein können, dass wir wieder mit anderen Leuten reden dürfen!“

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