Auch das steht im Stadtentwicklungsprogramm von Wasserburg: ein Steg über den Inn

Behutsam wird sich Wasserburg laut Integriertem Stadtentwicklungskonzept (ISEK) weiterentwickeln. Ein Steg über den Inn für Radler und Fußgänger gehört zum Programm.

Ein Steg über den Inn, nur für Fußgänger und Radler, ein neues Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Essigfabrik. Das sind zwei von über 100 Projekten im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) Wasserburg. Ein Überblick über das, was bereits begonnen wurde und das, was noch geplant ist.

Wasserburg – Wer wissen will, wie sich die Stadt in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln wird, findet im Ende 2018 nach dreijährigem Ringen um die Inhalte einstimmig vom Stadtrat beschlossenen Konzept die Antworten. Denn der Plan soll nicht in den Rathausschubladen verstauben, sondern Stück für Stück umgesetzt werden – eine Mammutaufgabe. Jährlich wird Bilanz gezogen: Was wurde umgesetzt, welche Maßnahme befindet sich in welchem Stadium? Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann hat der Wasserburger Zeitung den Stand der Dinge erläutert.

51 bauliche, elf Mikro- und 17 strategische sowie 32 verkehrstechnische Projekte stehen tabellarisch aufgelistet im Programm des Stadtentwicklungskonzeptes, das auf Mechtild Herrmanns Schreibtisch im Stadtbauamt liegt. In den Schränken: viele Ordner, die ebenfalls mit ISEK beschriftet sind. Doch nicht nur die Mitarbeiter im Bauamt sind mit der Umsetzung beauftragt. „ISEK beschäftigt die ganze Verwaltung“, sagt Mechtild Herrmann. Denn es geht nicht nur um Bauvorhaben, sondern auch um viele konzeptionelle Maßnahmen.

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Ein Beispiel: die Einführung eines Altstadtmanagements. Es wird kommen, das steht fest. Nur, wie es ausgestaltet wird, wo es beheimatet wird (im Rathaus?), gilt es noch auszuarbeiten. Eine Arbeitsgruppe hat sich gebildet, um die für 2020 geplante Stellenbeschreibung zu entwickeln. Ein schwieriges Unterfangen, denn es gilt, die Aktiven des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV), der bisher im Ehrenamt die Altstadtaktivitäten gemanagt hat, und die vielen Aktiven aus den Vereinen so einzubeziehen, dass das Engagement erhalten bleibt.

Altstadtmanagement heißt auch Altstadtmarketing

Altstadtmanagement, das heißt auch: Altstadtmarketing. Ein tolles Marketinginstrument sind innovative Bauvorhaben. Ein Leuchtturmprojekt: der Fußgängersteg über die Kapuzinerinsel. Eine Fußgänger- und Radelbrücke über den Inn? Klingt verrückt, ist es aber nicht. Drei Varianten wurden bereits vor Jahren untersucht: Am Kraftwerk entlang, das geht nicht: zu gefährlich. Andere Strecken beeinträchtigen Flora-Fauna-Habitat-Gebiete. Oberhalb der Rampe am Busbahnhof hinüber Richtung Schulen: Das ließe sich eventuell realisieren, wenn der Natur- und Denkmalschutz einlenkt. Eine Grundplanung gibt es für den Fußgänger- und Radlersteg, der neun bis zehn Meter über dem Inn schweben würde, bereits, teilt die Stadtbaumeisterin mit. Die letzte Grobkostenschätzung aus dem Jahr 2014 ging von Kosten über zwei Millionen Euro aus, berichtete Mechtild Herrmann. „Der neue Stadtrat wird entscheiden“, ist sie sicher.

Er wird auch den im ISEK festgelegten Aktionsplan Wohnen weiter umsetzen. Nach der im Juni bezugsfertigen Wohnanlage in der Ponschabaustraße geht es mit Planungen für das Gelände der ehemaligen Essigfabrik weiter. Derzeit wird es noch als Baustellenlager für das neue Schöpfwerk genutzt, später soll hier ein verdichtetes Wohnquartier entstehen. Wenn das Romed-Klinikum in den gemeinsamen Neubau mit dem kbo-Inn-Salzach-Klinikum umgezogen ist, wird hier erneut ein Gelände frei. Das Romed-Areal soll ebenfalls mit Wohnanlagen bebaut werden.

Nach dem Bau des Depots wird das Museum saniert

2020 ist das Jahr der Planungen, denn auch der Neubau des Feuerwehrhauses an der Rampe wird konzeptioniert. Über das Stadium des Planens hinaus ist das Zentraldepot. Im Frühjahr soll der erste Spatenstich für die Baumaßnahme am Herder gesetzt werden, die gut drei Millionen Euro kosten wird. Wenn das Depot bezogen ist, geht es an die Sanierung des Stadtmuseums am Standort in der Herrengasse.

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Im Herbst beginnt außerdem die Sanierung der Stadtmauer. Etwa 1,6 Millionen Euro sind für die abschnittsweise Rettung der bröckelig gewordenen, mittelalterlichen Befestigung vorgesehen.

Interessante weitere Punkte im ISEK: ein neuer Sportplatz am Badria (Planung läuft an), die Sanierung der Palmanoanlage, des Max-Emanuel-, Kaspar-Aiblinger- und des Heisererplatzes. Die Areale sollen neu geordnet und aufgewertet werden. Auch ein Nutzungskonzept für den Salzstadel für die Zeit nach Auszug der Polizeiinspektion wird erarbeitet. Das Parkhaus Überfuhrstraße soll im Zusammenhang mit der Erweiterung der Sozialakademie ebenfalls ausgebaut werden.

Auch viele Verbesserungen für Fußwegeverbindungen stehen im ISEK: für die Verbindung vom Gries zum Marienplatz, für den Schiffsmühlenweg mit Innufer, zwischen Altstadt und Theater Wasserburg, in Reitmehring (im Rahmen der Aufgabe des Bahnübergangs an der B 304), an der Rampe, von der Färbergasse zur Ledererzeile.

Stadtwerke setzen auf E-Mobilität und weitere Ladesäulen

Zukunftsmusik: eine Teilauslagerung des Bauhofes aus der Altstadt. Keine Zukunftsmusik, weil schon begonnen: die Förderung der Elektromobilität durch E-Lade-Säulen der Stadtwerke.

Doch nicht nur große Bauvorhaben und Sanierungen stehen im ISEK-Programm, sondern auch viele sogenannte „Mikro-Projekte“, also kleine Konzepte, die schnell umgesetzt werden können – wie die Sitzbank-Offensive, die Beleuchtung der Bushaltestellen, die „Best-Ager-Treffs“, d-englisch für Treffpunkte für Senioren, der Schrebergarten für alle.

Das Thema Verkehr wird vermutlich noch den übernächsten Stadtrat beschäftigen

Schwergetan haben sich Planer und Stadtrat sowie beteiligte Bürger mit den Verkehrsmaßnahmen. 32 Projekte werden hier aufgelistet – vom Mitfahrbankerl, das bald aufgestellt wird, bis zur Stadtbusverdichtung (bereits beschlossen), vom Verleihservice für Lastenräder (beschlossen) bis zur Aktion gegen das Elterntaxi, vom Anwohnerparken bis zur heiß debattierten Verkehrsberuhigung in der Altstadt.

Das Thema Mobilität ist eine Daueraufgabe in Wasserburg und ein Dauerthema im Stadtrat – auch im neuen Gremium. Und vermutlich sogar noch im über- und übernächsten.

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