Auch beim Weg gilt in Haag bis heute: Nomen est omen

Das einstige Schex-Gässchen neben dem indischen „Taj Mahal“ ist heute namenlos. Bauer

Fuhrwerke und Fußgänger bestimmten noch vor 100 Jahren das Bild auf den Haager Straßen. Ein Blick in die Archive zeigt: Auch Wege haben eine interessante Geschichte zu erzählen..

Von Ludwig Meindl

Haag – Heute weist der Markt Haag durch Aktualisierung des Straßen- und Wegegesetzes mit seinen Ortsteilen Joppenpoint, Altdorf, Winden, Oberndorf, Lerchenberg, Allmannsau, Vogelberg, Stauden und Rosenberg ein Verkehrsnetz von 50 Kilometern Länge auf. Es gibt 111 Ortsstraßen, 30 Gemeindeverbindungsstraßen, 121 Feld- und Waldwege, 30 beschränkt öffentliche Wege und 17 beschränkte Eigentümerwege.

Vor 100 Jahren waren es gerade einmal 22 Straßen und bescheidene 6300 Meter für den gesamten Ortsbereich von Haag. Fußgänger und Handwerksgefährte sowie Fuhrwerke prägten damals das Straßenbild. Die durchschnittliche Straßenbreite kam kaum auf drei Meter, ist den Archiven zu entnehmen.

Am längsten war einst die Gabelsbergerstraße

Heute sind Bund, Land, Kreis und Kommunen für den Unterhalt zuständig. Damals verzeichnete die Rubrik zur „genauen Angabe, in welcher Weise der Weg unterhalten wird, ob durch fremde Arbeitskräfte gegen Bezahlung aus der Gemeindekassa oder auf dem Wege der Gemeindedienstleistung“, meist den Hinweis auf Arbeiter, die von der Gemeinde für die Straßenherstellung entlohnt wurden.

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Die heutige Gabelsbergerstraße war vor 100 Jahren Haags längster Verkehrsweg mit 880 Metern. Er führte vom Amtsgerichtsgefängnis über den Oberwallnerstadel zum Eichenhain und hieß Gefängnisweg. Von der heutigen Wasserburger Straße bis zur Steglacke ging der Steglackenweg, der dann in den Lerchenberger Weg mündete.

Die Kirchdorfer Straße begann erst beim Poststadel an der Kreuzung zur Berger Straße und lief bis zum Armenhaus. Sie hieß Hauergasse, war drei Meter breit und hatte einen Seitengraben. Die Berger Straße hieß Hofer Weg. Vom Kirmaier Häusl verlief der Bergkopfweg zum Eichenhain. In Rosenberg weideten vor 100 Jahren noch die Schafe am Brander Weg.

Der Rampoldlackenweg lag parallel zur Mühldorfer Straße. Die Rute nannte man Ruttengasse. Sie trug den Vermerk „teilweise kanalisiert“. Beim Schwinghammer ging dann die Krankenhausstraße los. Die heutige Zeno-Kern-Straße, nach dem einstigen Haager Bürgermeister benannt, hieß damals Schreyer-Gasse, war zweieinhalb Meter breit und kanalisiert. Am Ende Richtung Hauptstraße hin lag das Haager Kaufhaus Schreyer.

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Das Kern-Gassl liegt heute zwischen ehemaligem Café Wanger und der Raiffeisenbank nur noch angedeutet. Das erste Stück der Enzenspergerstraße nannte man den Gerichtsvollzieherweg. Auch das Sailergässchen beim Schex verschwand. Vom Bräuhausplatz ging das Postkellergassl zum Schlossturm. Dann kamen Bräuhauskellerstraße, Landgerichtsberg und Schrannenplatz. Vom Marktplatz aus gingen das Notargässchen zum Hörmann-Haus und die Kirchenstraße vom Schätz-Haus zur Kirche bis zur Zellerstiege.

Quer durch die Wiese führte der Freyung-Weg. Vom Kl-ber-Haus zum Kloster hinauf ging es den Schießstättenweg ans ehemalige Schützenheim.

Die Hauptstraße war stattliche sieben Meter breit. Die Maria-Ward-Straße hieß noch Friedhofsweg. An der heutigen Westendstraße stand damals schon ein Sägewerk, das dem Dampfsäg-weg den Namen gab.

Am Kampenwandweg, wo später die Adam-Gärtnereien lagen, verlief der Gärtnerweg. Drei Meter breit und 60 Meter lang war das Schex-Gässchen, das heute keinen Namen mehr hat.

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