Asylbewerber wegen Geldwäsche verurteilt: 55.000 Euro durch falsche Liebesschwüre ergaunert

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Das Amtsgericht Rosenheim hat einen 25-jährigen Mann aus Nigeria wegen Geldwäsche zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er habe nicht gewusst, woher das Geld herkam, beziehungsweise sei es ihm egal gewesen, behauptete der Angeklagte vor Gericht. Vor der Strafe schützte ihn das nicht.

Von Theo Auer

Soyen/Rosenheim – Illegale Gelder leitete ein Mann aus Nigeria, der in Soyen in einem Asylheim lebte, in sein Heimatland weiter. Als Geldwäsche ist diese Tat nach Paragraph 261 Strafgesetzbuch strafbar. Deshalb stand der Mann vor dem Amtsgericht Rosenheim.

55.000 Euro verschoben

Er litt offenbar an Geldnot. Um das zu beheben hat sich der 25-jährige Nigerianer gegen einen entsprechenden Obolus bereit erklärt über sein Konto bei der Postbank an ihn überwiesene Beträge an vorher angegebene Konten in Nigeria zu überweisen. Mit Beträgen von 200 bis 11.000 Euro überwies er insgesamt eine Summe von 55.000 Euro.

Falsche Versprechungen

Das Geld stammte ausnahmslos aus kriminellen Praktiken, so war bei Gericht zu hören. Besonders aktuell und auch in diesem Fall eingesetzt war das sogenannte „Love-Scamming“, bei dem mit falschen Liebesversprechen und vorgeblichen Notfällen per Telefon und Internet den Betrogenen verschieden hohe Summen entlockt werden. Diese wurden auf das Konto des Angeklagten überwiesen und von dort in sein Heimatland weiter geleitet.

Über die Hintermänner konnte der Heizungsbaugehilfe keine näheren Angaben machen. Er war lediglich telefonisch eingesetzt worden. Dass das Geld aus kriminellen Aktivitäten stammte, war ihm bewusst, beziehungsweise nahm er billigend in Kauf.

Bei der Rückverfolgung der Überweisungen bestätigte sich der Verdacht, dass er für illegale Machenschaften als Geldkurier agierte. Dies wird mit einer Gefängnisstrafe bis zu 5 Jahren geahndet. Dazu kamen noch Anklagen wegen vielfacher Schwarzfahrten (Leistungserschleichung), wobei er sich in einem Fall zusammen mit anderen bedrohlich gegen die Personalfeststellung wehrte.

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In einem Rechtsgespräch einigten sich Staatsanwalt, Verteidigung und Gericht, ein Geständnis vorausgesetzt, auf einen Strafrahmen von 9 bis 12 Monaten Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Es stellte sich heraus, dass der Angeklagte sich seit 2015 in Deutschland aufhält, aber kaum Deutsch spricht. Sein Asylantrag sei zwar rechtskräftig abgelehnt worden, so sein Verteidiger Christoph Unrath, jedoch sei es unwahrscheinlich, dass er abgeschoben werde, weil er zwei deutsche Kinder mit zwei Frauen hat. Unterhalt hat er bislang keinen bezahlt.

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„Wenn Sie nun wie angekündigt Arbeit haben, so sollten Sie schleunigst Unterhalt bezahlen, sonst sehen wir uns alsbald wieder hier!“ so der Vorsitzende Richter Christian Merkel.

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf die Strafobergrenze der Verständigung von 12 Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Dazu solle er ein Bußgeld von 1.200 Euro entrichten.

Die Verteidigung schloss sich dem weitgehend an, hielt jedoch eine Strafhöhe von 9 Monaten für ausreichend. Richter Merkel erkannte auf 11 Monate Gefängnis, die er zur Bewährung aussetzte, und eine Buße von 1.200 Euro, die der Angeklagte in monatlichen Raten von 100 Euro zahlen darf.

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