Asyl: Helferkreis soll gebildet werden

Noch laufen die Arbeiten im Oberndorfer Schulhaus. bauer
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Noch laufen die Arbeiten im Oberndorfer Schulhaus. bauer

Auf großes Interesse stieß das Thema „Flüchtlinge im Oberndorfer Schulhaus“. Sachliche Informationen lieferte dazu im vollen Saal des Gasthauses Maier jetzt der Unterbringungsreferent des Landkreises Mühldorf, Patrick Schumann.

Emotional gefärbt waren Pro und Contra des Publikums.

Haag – Haag liegt nach Bürgermeisterin Sissi Schätz noch deutlich unter seiner Quote. Bis Ende des Jahres sollen 150 Flüchtlinge untergebracht sein. Geprüft als Unterbringungsstandorte werden momentan der Bolzplatz, das Fischer-Gebäude, der „Zeller“ und das Schwesterngebäude am Krankenhaus. In der Mitterfeldstraße in Winden befinden sich acht Asylbewerber, an der Westendstraße in Haag fünf, in das Oberndorfer Schulhaus kommen 25.

Unterbringungsreferent Patrick Schumann verwies zunächst auf die schwierige Situation der Klärung der Asylanträge, die von drei Monaten bis zu einem Jahr dauern. Abgelehnte Bewerber könnten nicht zurückgeschickt werden, wenn sie keinen Pass haben oder krank sind. Im Landkreis befänden sich derzeit 1294, die hauptsächlich in Mühldorf und in Waldkraiburg untergebracht seien. 70 lebten in dezentralen Wohnungen. Sie stammten vorwiegend aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und Somalia.

Pro Woche treffen im Landkreis 32 ein, so Patrick Schumann weiter. Ab Dezember werden es 50. Das bringe eine logistische und finanzielle Herausforderung: „Ohne Ehrenamtliche ist das nicht zu machen.“ Zuerst erhielten die Ankömmlinge Geld, um sich etwas zum Essen kaufen zu können. Der Satz für die Selbstverpflegung liege im Monat bei 330 Euro pro Person. In Waldkraiburg sei man schon zu Taschengeld und Sachleistung übergegangen. Der Familiennachzug gelte nur für den engeren Familienkreis.

Bis Ende des Jahres erwartet man in Mühldorf 1847 Flüchtlinge. Zu befürchten ist nach Schumann die Einrichtung einer Notunterkunft. Vermeiden wolle man das Belegen von Turnhallen, wie es in Altötting, Ebersberg und Erding bereits geschehen sei: „Die kommen da nie wieder raus.“ Zudem handle es sich um eine teure Angelegenheit wegen des Einbaus eines Spezialbodens. Vermeiden will das Landratsamt Enteignungen. Bisher habe man sich überall in Mietverträgen verständigt, so Schumann. Zuletzt verwies er da rauf, dass die Flüchtlinge auf Krankheiten untersucht seien, aber nicht haftpflichtversichert seien.

Asylberaterin Sandra Abany ist für Haag zuständig. Sie will „engen Kontakt“ mit den Flüchtlingen halten und ist jeden Dienstag in Haag. Einmal pro Woche werde man über einen Helferkreis den Einkaufsgang nach Haag organisieren oder die Flüchtlinge auch allein zu Fuß gehen lassen.

Bedenken aus dem Publikum betrafen die Sicherheit: die Polizei sei ab 19 Uhr nicht mehr vor Ort. Skeptisch blieben Anwohner mit Blick auf Familien mit Kindern um das Schulhaus. Dazu Schumann: „Wir lassen Sie nicht allein.“ Die Anwohner sollten sich die Ankömmlinge erst anschauen. Andere befürchteten Probleme mit dem Müll, die schon vorausgesagt seien. Ein Vorwurf galt der Gemeinde: Sie habe es nicht zustande gebracht, vor der Planung der Unterbringung von Flüchtlingen im Schulhaus mit den Anwohnern zu reden. Alles sei aufgesetzt. Das gelte auch für Containerstandorte.

Dazu räumte Bürgermeisterin Sissi Schätz ein, dass es kritische Anfragen der Anwohner am Bolzplatz gäbe. In erster Linie aber habe die Gemeinde Haag ihre Verpflichtungen gegenüber dem Landkreis zu erfüllen. Zu den Erfahrungen mit den Haager Asylbewerbern wurde zitiert, dass sich unter ihnen „ganz nette Menschen, aber auch genauso viele Deppen wie bei uns befänden“. Die drei Damen des Haager Helferkreises betreuen derzeit in einem Aufwand von zwei bis vier Stunden pro Woche fünf Flüchtlinge. Es habe nur ein Problem mit einem Alkoholiker gegeben: „Wir bereuen es nicht. Die sind sehr dankbar.“

Gewünscht werden Handtücher, Fahrräder und Kleidung. Wer etwas abzugeben hat, soll sich im Rathaus rühren. Zusammen mit der Pfarrei Oberndorf will man einen Helferkreis einrichten. Matthias Kurzmeier berichtete von seinen acht neuen Nachbarn in der Mitterfeldstraße. Er wolle einen Helferkreis gründen, der die nächsten Jahre ein harmonisches Miteinander garantiere. Für den Umgang mit den „Neuen“ empfahl Kurzmeier ein freundliches Lächeln. xy

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