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Apotheken dürfen jetzt Corona-Schnelltests anbieten: OVB-Reporterin testet ihn in Haag

Platz nehmen im Hinterhof: Hier wird der Teststab tief in die Nase eingeführt.
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Platz nehmen im Hinterhof: Hier wird der Teststab tief in die Nase eingeführt.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Anfang Dezember fiel der Arztvorbehalt für die Corona-Schnelltests. Jetzt dürfen auch Apotheken testen. Als eine der ersten im Landkreis Mühldorf startete am 24. Dezember die Grafschaft-Apotheke in Haag. Wie es funktioniert, zeigt ein Selbstversuch unserer Reporterin.

Haag/Gars – Jeden Vormittag verwandelt sich Christina Mayerhofer derzeit in eine Person, die eher an eine Astronautin erinnert als an eine Apothekerin: Sie schlüpft in einen weißen Einmaloverall mit Kapuze, in Gummistiefel und zweifach übereinander gezogene Handschuhe. Zum Schluss schaut nur noch ihre Schutzbrille aus dem Ganzkörperanzug heraus. Denn in einem Nebenraum der Grafschaft-Apotheke in Haag führt Mayerhofer seit dem 24. Dezember Corona-Schnelltests durch.

Apothekerin Christina Mayerhofer bei der Analyse des Tests. re

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Kassen übernehmen die Kosten nicht

Alle zehn Minuten wird heute getestet in der Apotheke in der Haager Hauptstraße. Sieben Personen haben sich vormittags angemeldet – online über www.regio.apo.de nach Angabe der wichtigsten Daten zur Person und zur Zahlweise. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Antigen-Tests nicht. Und doch investieren viele die 34,95 Euro. Schon am ersten Tag, dem Heiligabend, hatten sich 22 angemeldet, berichtet Mayerhofer. Die meisten, weil sie noch am gleichen Tag Angehörige oder Freunde besuchen wollten, die zu Risikopersonen gehören. Auch viele Angehörige von Kontaktpersonen der Kategorie eins, die verunsichert sind darüber, ob sie sich vielleicht angesteckt haben, lassen sich testen, berichtet Mayerhofer.

Die Eieruhr klingelt nach 15 Minuten: Dann liegt in der Regel das Testergebnis vor.

Der Test ist allerdings eine Momentaufnahme, betont die Inhaberin der drei Apotheken in Haag und Gars ausdrücklich. Das Ergebnis sage nur mit hoher Wahrscheinlichkeit aus, ob eine Person zum Zeitpunkt des Testens ansteckend sei – und habe eine Gültigkeit für etwa 24 Stunden.

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Mein Termin ist für 9 Uhr festgelegt. Ich warte im Auto auf dem Parkplatz vor der Apotheke. Das Handy klingelt, es kann losgehen, sagt die Mitarbeiterin der Grafschaft-Apotheke. Über einen Seiteneingang geht es in den Hinterhof. Unter einem Pavillon wartet Christina Mayerhofer. Zuerst gilt es, eine Datenschutzerklärung auszufüllen, dann nehme ich Platz auf einem Gartenstuhl.

Schnäuzend Viren nach vorn schleudern

Teil eins der Prozedur: einmal kräftig in ein Zewa-Tuch schnäuzen, damit die Virenlast auf jeden Fall nach vorne „geschleudert“ wird. Dann: Kopf zurück – und die Apothekerin taucht mit dem Teststab tief in meine Nase hinein. Wer schon einen PCR-Tests gemacht hat, erlebt auch den Schnelltest als leicht unangenehm. Während beim PCR-Test das Stäbchen gewöhnlich einen kurzen Brechreiz im Rachen auslöst, dringt es beim Schnelltest so tief in die Nase ein, dass die Augen tränen. Doch die unangenehme Prozedur ist vorbei, nachdem ich bis 3 gezählt habe. Das war`s, Tränen wegwischen, tief durchatmen, alles gut.

Über den Seiteneingang geht es zurück zum Auto, während Mayerhofer im zum Labor umfunktionierten Nebenraum der Apotheke, der aufgrund der diffizilen Infektionsschutzmaßnahmen an eine Hochsicherheitszelle erinnert, das Stäbchen ins Auswertungsröhrchen steckt. Drei Tröpfchen träufelt sie auf einen Streifen, der an einen Schwangerschaftstest erinnert. Zeigen sich hier zwei Balken, ist das Ergebnis positiv. 20 Minuten später der Anruf aufs Handy: negativ. Damit keine Ergebnisse verwechselt werden und die Daten anonymisiert bleiben, sind alle Testmaterialien mit Farbpunkten codiert und gekennzeichnet.

Seit Heiligabend ergaben alle Schnelltests in der Haager Apotheke ein Ergebnis, dass auf keine akute Corona-Infektion hinwies. Doch kurz nach meinem Abstrich die Premiere: Die erste Person, die sich in der Grafschaft-Apotheke testen lässt, ist positiv. Jetzt beginnt ein weiteres Prozedere: Meldung an das Gesundheitsamt inklusive der Daten der Betroffenen. Der Hausarzt wird kontaktiert. Es geht sofort in die häusliche Quarantäne. Per Mail gibt es den Infoflyer mit allen Informationen zur weiteren Vorgehensweise, zu der jetzt auch zeitnah ein PCR-Test gehört, berichtet Mayerhofer.

Bei Ärzten für Aufgabe geschult

„Jeder Test ist sinnvoll“, findet die Apothekerin. „Jeder Infizierte, den wir entdecken, ist jemand, der danach andere nicht anstecken wird.“

Seit dem 22. Dezember dürfen die Apotheken die Aufgabe von Schnelltests bei symptomfreien Personen übernehmen. Der Bedarf sei groß, denn es gebe viele Menschen, die sich auch ohne Erkältungsanzeichen Sorgen machen, stellt Mayerhofer fest. „Vielen ist es finanziell Wert, Klarheit zu bekommen.“

Intern testet die Apothekerin bereits seit Oktober ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese konnten sich nun freiwillig für die Durchführung der Schnelltests schulen lassen – bei Ärzten. Die Entscheidung, den Service in der Apotheke anzubieten, fiel Mayerhofer nicht schwer – trotz der umfangreichen Infektionsschutzmaßnahmen, die notwendig sind. „Als Apotheke wollen wir unseren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten“.“

Zwei Testverfahren und ihre Unterschiede

Das Bundesgesundheitsministerium erklärt auf seiner Homepage die Unterschiede der Testverfahren.

PCR-Test: Hierbei wird das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es in geringen Mengen vorkommt. Dafür werden Proben nach dem Abstrich in ein Labor transportiert und hier ausgewertet. Das Ergebnis liegt nach frühestens einem Tag vor.

Antigen-Test: Er weißt die Eiweißstrukturen von SARS-CoV-2 nach. Dazu wird eine Probe von einem Nase-Rachen-Abstrich auf einen Teststreifen gegeben. Falls das Virus vorhanden ist, reagieren die Eiweißbestandteile mjt dem Teststreifen und verfärben ihn. Ein Ergebnis liegt meistens in etwa 30 Minuten vor. Antigen-Tests sind jedoch weniger sensitiv als der PCR-Test, es ist also eine größere Virusmenge notwendig, damit ein positives Ergebnis angezeigt wird. Ein negatives Ergebnis kann die Möglichkeit einer Infektion nicht ausschließen. Schnelltests dürfen Apotheken nur nach Schulungen des Personals und für Kunden ohne Symptome anbieten. Personen mit eindeutigen Symptomen müssen sich wie bisher an ihren Hausarzt wenden.

Drive-in für die Maskenausgabe

Mit einem Drive-in haben die Apotheken in Haag und Gars auf die kostenlose Verteilung der FFP-2-Masken an Bürger über 60 Jahren und Risikopatienten reagiert. 1200 nutzten die Chance, kontaktlos durch das Autofenster ihre Masken entgegenzunehmen.

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