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Tipps zum Umgang mit den Sorgen

Angst vor dem Krieg: Angstexperte erklärt, warum sich Deutsche besonders intensiv sorgen

Die „Dauerinformation“ zum Krieg in der Ukraine kann auch überfordern, sagt Professor Dr. Peter Zwanzger.
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Die „Dauerinformation“ zum Krieg in der Ukraine kann auch überfordern, sagt Professor Dr. Peter Zwanzger.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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Seit etwa drei Wochen herrscht offiziell Krieg in der Ukraine. Die Angst, dieser könnte auch auf weitere Teile Europas oder sogar die Welt übergreifen, bestimmt die Gedanken vieler Menschen. Warum Deutsche besonders anfällig dafür sind, erklärt Professor Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums in Wasserburg und deutschlandweit anerkannter Experte für Angst und Angststörungen.

Wasserburg – Seit etwa drei Wochen herrscht offiziell Krieg in der Ukraine. Die Angst, dieser könnte auch auf weitere Teile Europas oder sogar die Welt übergreifen, bestimmt die Gedanken vieler Menschen. Professor Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums in Wasserburg und deutschlandweit anerkannter Experte für Angst und Angststörungen, stellt klar: „Das ist ganz normal“ – vor allem in Deutschland. Trotzdem gibt es Methoden, wie wir besser mit den Ängsten umgehen können.

Trauma der Kriegsgeneration oft nicht aufgearbeitet

„Grundsätzlich ist es so“, erklärt Zwangzer, „dass die Ängste ja nicht unberechtigt sind.“ Die Schreckensbotschaften in den Medien vom Krieg in der Ukraine und von der Gefahr, dass dieser sich ausweiten könnte, seien ja nicht erfunden. Es sei deshalb auch wichtig, die Realität nicht zu verdrängen. „Und natürlich löst das ganz reale, existenzielle Ängste aus.“

Hinzu komme, dass die Menschen in Deutschland besonders anfällig für Kriegsängste seien. „Wir haben viele, die solche Traumata selbst erlebt haben“, so Zwanzger. Auch die nächste Generation sei vielfach noch geprägt von den Erzählungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Viele dieser Erfahrungen seien nicht aufgearbeitet und könnten in der aktuellen Situation wieder hochkommen.

Traumata über Generationen vererb

Professor Dr. Peter Zwanzger

Es sei bekannt, dass das sogenannte „transgenerationale Trauma“ in Deutschland angesichts zweier Weltkriege eine besondere Rolle spiele. „Wir können in den Genen, im Erbgut, nachweisen, dass solche großen Traumata an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.“ Diese Übertragung geschehe nicht nur biologisch, sondern auch psychisch.

Informationsquellen sorgfältig auswählen

Insofern sei eine Angst-Reaktion normal. „Wir können aber natürlich damit umgehen lernen.“ Vor allem sei es jetzt wichtig, die vielen Informationen zum Krieg, die auf uns einprasseln, zu filtern. „Man sollte zum Beispiel die Quellen sorgfältig auswählen“ – nach Qualität, aber auch oder sogar vor allem nach der Menge. „Diese Dauerinformation, in der wir in Zeiten von sozialen Medien stecken, sollte vermieden werden.“ Denn jede schlechte Nachricht könne ein „Loch in unser inneres Schutzschild“ reißen.

Austausch mit Freunden und Familie

Eine zweite Methode, die den Umgang mit der Kriegsangst erleichtere, sei es, sich mit Freunden und Familie auszutauschen. Gesprächspartner sind nach Erfahrungen von Zwanzger wichtig, auch um abzugleichen, wie realistisch die eigenen Ängste noch sind. Bekannte oder Familienmitglieder könnten dann auch mal sagen: Jetzt übertreibst du es aber, so schlimm ist das doch auch nicht.“

Aber es gebe natürlich auch Menschen, die die Situation so stark belaste, dass sie psychisch erkranken würden. „Wenn ich konkretere Symptome habe, zum Beispiel, dass ich nicht mehr schlafen kann oder ganz klar auch Panikattacken oder Antriebsarmut verspüre, dann sollte ich zum Hausarzt gehen und mir Hilfe holen.“

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