Nachruf

Amerang: Trauer um Altbürgermeister Walter Krocker (91)

Walter Krocker †
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Walter Krocker †

„Flammende Reden mit markanter Stimme waren sein Markenzeichen“, erinnert sich der amtierende Bürgermeister von Amerang, Konrad Linner. In einem bewegenden Trauergottesdienst Gottesdienst nahmen Familienangehörige, langjährige Wegbegleiter und Vereinsabordnungen Abschied.

Amerang – Pfarrer Josef Reindl blickte auf das Leben des Verstorbenen und würdigte ihn als einen Menschen, der Aufgaben angenommen und tatkräftig gehandelt habe. „Walter Krocker war ein Mann des Wortes und war nie um eine Antwort verlegen“, sagte Bürgermeister Konrad Linner. Mit seiner markanten Stimme habe er aus dem Stand Reden und flammende Plädoyers halten können.

Seine Amtszeit sei ein wichtiger Abschnitt für die Entwicklung der Gemeinde gewesen. Das „zarte Pflänzchen“ Gebietsreform mit dem Zusammenwachsen der drei Gemeindeteile Amerang, Evenhausen, Kirchensur sei ebenso eine Herausforderung gewesen wie die Baulandentwicklung in Evenhausen, Stephanskirchen und in Amerang.

Neben dem Zusammenwachsen der Gemeindeteile sei Walter Krocker das kulturelle Leben ein besonderes Anliegen gewesen. Er sei ein Mitbegründer des Kulturkreises, der in Amerang nicht mehr wegzudenken sei.

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Landrat Otto Lederer würdigte Walter Krocker für seine Verdienste für die Gemeinde Amerang und dankte ihm für die stets gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Landkreis. Anni Seibold, die anderthalb Jahrzehnte die rechte Hand Krockers in der damaligen kleinen Gemeindeverwaltung war, beschrieb ihren ehemaligen Chef als umgänglichen Menschen, der immer offen auf andere zugegangen sei und ein offenes Ohr für die Vereine gehabt habe. Demnach habe er sich auch nicht gescheut, 1990 für sieben Jahre das Amt des ersten Vorsitzenden des Sportvereins zu übernehmen, da sich keiner für dieses Ehrenamt gefunden hatte. Zudem sei er die Triebfeder für die 1200 Jahr-Feier Amerangs gewesen.

Walter Krocker wurde am 10. November 1928 in Jauer in Niederschlesien geboren und wuchs mit vier Geschwistern auf. Zu seinem Zwillingsbruder fühlte er sich zeitlebens besonders verbunden.

In jungen Jahren verließ Krocker die Heimat, um in Danzig als Werftarbeiter zu arbeiten. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges fanden er und seine Familie im Bayerischen Wald eine neue Heimat. Dort besuchte er die landwirtschaftliche Schule in Waldkirchen im Landkreis Freyung-Grafenau. Später fand er Arbeit in Amerang auf dem Teply-Bauernhof. Dort lernte er auch seine Frau Rosa, geborene Pfundmeier, kennen.

Das Paar heiratete 1953. Aus ihrer Ehe ging Tochter Eugenie hervor. Besonders stolz war er auf seine Enkelin Maria.

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Beruflich wagte Walter Krocker nach einer Ausbildung zum Maschinenbauer er noch einmal einen Neuanfang. 31 Jahre lang war er der Firma Beilhack in Rosenheim tätig.

In seiner Wahlheimat Amerang hat er sich schnell eingelebt und sich auch aktiv ins gesellschaftlich und auch kirchlich eingebracht. Er war im Pfarrgemeinderat tätig und als Lektor aktiv. Bei seinem Faible für Literatur, Gedichte und Liedgut fühlte er sich in der Ameranger Bücherei, die er 40 Jahre ehrenamtlich leitete, am richtigen Platz.

1984 kandidierte er als Bürgermeister. Er wurde auf Anhieb gewählt und auch für die beiden folgenden Wahlperioden im Amt bestätigt.

Privat erlitt Walter Krocker mit dem Tod Ehefrau Rosa 1988 einen schweren Schicksalsschlag.

Gedichte mit hintersinnigem Humor verfasst

1999 musste er aus gesundheitlichen Gründen das Bürgermeisteramt aufgeben. Walter Krocker war ein ausgesprochen belesener Mensch, der selbst Gedichte verfasste – gerne auch mit hintersinnigem Humor. Im Ruhestand zog es ihn immer wieder in seine alte „preußische Heimat“.

Mit zunehmenden Alter hatte er auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Vor seinem 90. Geburtstag erfolgte deshalb ein Umzug in das Ameranger Seniorenheim. ca

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