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Interview mit einem Kämpfer im Zwiespalt

Altstadtbahn Wasserburg: „Gefühlt haben wir 100 Jahre umsonst gekämpft“

Bernd Meerstein ist begeisterter E-Bike-Fahrer und Altstadtbahn-Fan – ein Zwiespalt.
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Bernd Meerstein ist begeisterter E-Bike-Fahrer und Altstadtbahn-Fan – ein Zwiespalt.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Er hat zwei Herzensprojekte: die Wiederbelebung der Wasserburger Altstadtbahn und den Ausbau des Radwegenetzes. Doch jetzt kommen Bernd Meerstein diese beiden Ziele in die Quere. Denn auf den Gleisen der stillgelegten Altstadtbahn soll ein Radweg entstehen. Ein Dilemma.

Wasserburg – Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Bernd Meerstein ist Sprecher von Pro Bahn Wasserburg und gleichzeitig im Vorstand der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Damit befindet er sich im Zwiespalt, denn ausgerechnet die Strecke der Altstadtbahn, für deren Wiederbelegung Pro Bahn seit vielen Jahren kämpft, soll jetzt in einen Radweg verwandelt werden.

Herr Meerstein, werden Sie gerade emotional zerrieben zwischen zwei Herzensprojekten?

Bernd Meerstein : Ich habe ja Tourismusverkehrswissenschaft studiert, deshalb bin ich es gewohnt, langfristig vorauszudenken. Und mir war schon lange klar: Die Zukunft ist nicht mehr der Individualverkehr, das steht fest. Die Zukunft ist das Rad genauso wie die Bahn. Doch das sind zwei paar Stiefel, die Bahn ist ein ganz anderes Verkehrsmittel als das Fahrrad. Ein Radweg zwischen Altstadt und Reitmehring ist kein Ersatz für eine Altstadtbahn. Es ist für mich einfach unsinnig, dass der Zug in Reitmehring hält und nicht weiterfahren kann. Viele Besucher der Altstadt stehen am Bahnhof und fragen sich verwundert: Wo ist denn jetzt dieses Wasserburg? Es ist einfach absurd, dass eine attraktive Stadt wie Wasserburg keinen direkten Bahnanschluss hat und alle in Reitmehring in den Bus umsteigen müssen. Der fährt demnächst im Halbstundentakt, das ist natürlich eine Verbesserung. Dieser geplante neue Radweg ist in meinen Augen jedoch nicht unbedingt notwendig. Er dient vor allem touristischen Zwecken. Der klassische Wasserburger Radfahrer, der unterwegs ist zum Bahnhof, fährt den Köbinger Berg rauf und dieser Radweg wird immer mehr optimiert. Dazu spricht der ADFC ständig mit der Stadtbaumeisterin.

Dieser Radweg gilt jedoch als unattraktiv, weil zu steil.

Meerstein : Das sehe ich nicht so. Das ist heute mit den modernen E-Bikes kein Problem mehr. Außerdem sind viele bereit, kurz zu schieben, wenn es steil wird und danach ist man ganz oben. Der angedachte Radweg würde bis Reitmehring steigen. Der Radweg über den Köbinger Berg hat ein ganz anderes Problem: Eigentlich war er ja als Radstraße geplant, ist jetzt aber frei für Anlieger. Das heißt: Hier muss der Radler höllisch aufpassen, dass er nicht von Autofahrern bedrängt wird. Das eigentliche Vorrecht der Radfahrer müsste hier konsequenter durchgesetzt werden.

Ist die Tatsache, dass die Bahnstrecke nicht für den Eisenbahnverkehr entwidmet wird, nach wie vor ein letzter Hoffnungsschimmer?

Meerstein: Ein wenig, auch weil wir immer den Eindruck hatten, dass Bundeseisenbahngesellschaft (BEG) und Südostbayernbahn (SOB) gerne auf der Strecke einen Verkehr bestellen würden, wenn sich die Stadt nicht so zögerlich anstellen würde. Es gibt übrigens noch einen weiteren Haken bei der Verwirklichung des Radweges. Er führt durch ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet: Die Bahn darf hier fahren, die Radler nur bedingt!

Wie groß ist derzeit die Frustration?

Meerstein: Gefühlt haben wir fast 100 Jahre umsonst gekämpft. Das ist schon ärgerlich. Derzeit fragen wir uns natürlich, an welcher Front wir weiterkämpfen können oder sollen. Die Luft ist etwas raus. Ich bin der Meinung, jetzt müssen mal junge Leute ran, die sich gezielt ihrer Zukunft im Verkehr annehmen.

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