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REAKTIVIERUNG DER BAHNSTRECKE

Altstadtbahn Wasserburg: Dürres „Nein“ reicht den Stadträten nicht

Nostalgie kommt auf bei diesem Foto aus dem Jahr 1987 – vom letzten Gleis hinter dem Altstadtbahnhof.
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Nostalgie kommt auf bei diesem Foto aus dem Jahr 1987 – vom letzten Gleis hinter dem Altstadtbahnhof.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Gibt es noch eine kleine Chance auf Wiederbelebung der Altstadtbahn Wasserburg? Das Rätselraten geht weiter – trotz schlechter Nachrichten. Die Rechtslage ist kompliziert.

Wasserburg – Für einen Laien schwer verständlich ist die Rechtslage rund um die Altstadtbahn in Wasserburg: Ein nur eine Seite langer Brief von Verkehrsministerin Kerstin Schreyer, die, wie berichtet, eine Wiederbelebung ablehnt, hat im Stadtrat nicht viel Aufklärung gebracht. Jetzt soll der zuständige Referatsleiter im Ministerium kommen und erklären, warum die vermutlich letzte Chance zur Reaktivierung ebenfalls Geschichte ist.

Ratlosigkeit bei Stadtrats-Mitgliedern

Der Stadtrat nahm das Schreiben der Ministerin zur Kenntnis, doch in den Gesichtern vieler Mitglieder war eine gewisse Ratlosigkeit abzulesen. Fest steht, so teilte Schreyer in wenigen dürren Sätzen mit: Auf Bitte der Stadt ist im Rahmen der Untersuchungen des Freistaats zum Programm „Bahnausbau Region München“ auch eine Fortführung der geplanten S-Bahn auf der stillgelegten Strecke bis in die Altstadt begutachtet worden.

Es habe sich gezeigt, so Schreyer, „dass der dafür notwendige Infrastrukturaufwand nicht mit dem erzielbaren verkehrlichen Nutzen gerechtfertigt werden kann und somit keine staatlichen Fördermittel einsetzbar sind“.

Radweg nach Reitmehring?

Damit ist für Bürgermeister Michael Kölbl „der Prozess abgeschlossen“. Es herrsche Rechtssicherheit und der Startschuss für Überlegungen, die Bahnstrecke anderweitig zu nutzen, könne fallen. Die ehemalige Gleisstrecke könnte als Radweg zwischen Wasserburg und Reitmehring ausgebaut werden.

Durchgehend wird dies wohl nicht möglich sein, verwies Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, auch angesichts der Tatsache, dass ein Teil der Strecke über das Betriebsgelände der Firma Meggle verläuft.

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Tatsache ist außerdem: Eine Entwidmung ist trotz erloschener Betriebspflicht für die Bahn nicht geplant, bestätigte der Bürgermeister auf Anfrage von Norbert Buortesch (Bürgerforum).

Eine stillgelegte Eisenbahnstrecke

Das heißt: Die Eisenbahnstrecke bleibt eine Eisenbahnstrecke – eine stillgelegte halt.. Rein theoretisch, so bestätigte der Bürgermeister auf Anfrage von Lorenz Huber, Fraktionsvorsitzender Bürgerforum/Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg/ÖDP, könnte diese Nutzung also doch noch wieder greifen.

Einen Radweg dürfe die Stadt trotzdem hier bauen, betonte Kölbl. Die Kommune ist in Besitz der Strecke. Auch wenn das eisenbahnrechtliche Baurecht für die Nutzung von Zügen bestehe bleibe, sei die Stadt nicht verpflichtet, die Voraussetzungen zu schaffen, dass hier auch welche fahren könnten.

Eisenbahnrechtliche Widmung bleibt

Jetzt muss sich der Stadtrat Gedanken machen, wie er weiter fortfahren will: Entwidmen und anderweitig nutzen? Oder eisenbahnrechtliche Widmung beibehalten und trotzdem als Radweg ausbauen, was laut Kölbl auch geht, wie Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen würden. Oder warten, ob es doch noch ein Umdenken beim Freistaat gibt? Der Kämmerer verwies auf die Kostenfrage: Wie teuer es wird, einen Radweg anzulegen, muss noch geklärt werden.

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Zuerst soll jedoch ein Vertreter des Ministerium Rede und Antwort stehen zur Frage, warum im Rahmen des S-Bahn-Ausbaus die Reaktivierung der Altstadtbahnstrecke bis nach Wasserburg nicht in Frage kommt. Die drei dürren Sätze reichen dem Gremium nicht aus.

Das sagt Pro Bahn

Zwei Herzen schlagen in Bernd Meersteins Brust: Er ist Vorsitzender von Pro Bahn Wasserburg, in dieser Funktion Kämpfer für die Reaktivierung der Altstadtbahn. Und Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), Ortsgruppe Wasserburg.

Ein Radweg auf der Gleisstrecke muss jedoch nicht sein, findet er. Schon jetzt könnten Radler gut von Wasserburg bis nach Reitmehring fahren. Ein weiterer Radweg über die Gleisstrecken würde deshalb vor allem touristischen Zwecken dienen und bequemer als die jetzigen Verbindungen sein, weil der Köbinger Berg nicht überwunden werden müsse.

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Doch bei einem Radweg auf der Altstadtbahnstrecke bleibe ein Grundproblem, das nach Meinung von Meerstein auch bei der Debatte um die Wiederbelebung der Bahn eine selten genannte, aber bedeutende Rolle spiele: Züge oder Radler würden das Betriebsgelände der Firma Meggle nutzen müssen.

„Ein winziger Hoffnungsschimmer“

Meerstein wird in seinem Kampf um die Reaktivierung der Altstadtbahn jedoch nicht aufgeben – auch nach den schlechten Nachrichten aus dem bayerischen Verkehrsministerium nicht. Er sieht weiter einen winzigen Hoffnungsschimmer, denn eisenbahnrechtlich entwidmet sei die Strecke nicht.

Bernd Meerstein, Vorsitzender von Pro Bahn Wasserburg, will nach wie vor nicht aufgeben.

„Für mich ist es nicht einsehbar, dass die S-Bahn demnächst bis Reitmehring fährt und die Münchener dann in den Stadtbus umsteigen müssen, um in die Altstadt zu gelangen.“ Auch für den Tourismusstandort Wasserburg sei eine durchgehende Verbindung von großer Bedeutung, ist er überzeugt.

Zahlen genau unter die Lupe nehmen

Meerstein kann auch nicht nachvollziehen, dass von hohen Kosten für die Sanierung der Gleise ausgegangen wird. Mehrfach sei Pro Bahn mit Spezialisten die Gleise abgegangen, wiederholt sei der gute Zustand bestätigt worden. Für eine übergangsweise Nutzung als Radweg sei es möglich, die Gleise einfach zu überschütten, ist er überzeugt.

Jetzt gelte es, auf das Gutachten des Freistaates zu warten und die dort aufgeführten Zahlen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis für eine Reaktivierung genau unter die Lupe zu nehmen. Schon vorherige Gutachten hätten Zahlen aufgeführt, die nach Meinung von Pro Bahn nicht schlüssig oder gar falsch gewesen seien, so der Vorsitzende.

Meerstein ist überzeugt, dass auch der seiner Meinung nach fehlende Nachdruck der Stadt beim Einsatz für die Altstadtbahn mit dazu betragen habe, dass der Freistaat kein Interesse zeige.

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