LESERFORUM

Die Alten werden hier in Wasserburg nicht allein gelassen

Zur Berichterstattung über die Hilfen für Senioren in Corona-Zeiten in Wasserburg:

In Berlin gibt es einen Bundestagspräsidenten und in Tübingen einen Bürgermeister. Die beiden Herren machten sich ökonomische Gedanken über den Schutz des Lebens zu Pandemie-Zeiten. Diese Äußerungen waren zu diesem Zeitpunkt nicht nur absolut überflüssig, sondern sie waren auch die Gesellschaft spaltend und würdelos – und dies vor unserem historischen Hintergrund des 1000-jährigen Reiches (Stichwort: unwertes Leben).

In Bayern – hier bei mir – geht’s anders: Ich bin 79 Jahre und wohne in Wasserburg. Alle in der Corona-Risikogruppe erhielten einen persönlichen Brief vom Bürgermeister. Daraus spürte man Verständnis und Empathie.

In dem Brief wurden uns – ohne irgendwelche ökonomischen Verknüpfungen Tipps gegeben und Unterstützungsangebote gemacht, um besser durch die zu erwartende „freiwillige Quarantäne“ der Risikogruppe zu kommen: unter anderem gab es einen Hinweis auf ein gratis Zeitungsabo der Wasserburger Zeitung, Beratungsangebote, einen Fahr- und Einkaufsdienst. Das Angebot der „Wasserburger Löwen“ war: Wir können zur Zeit nicht trainieren, aber wir können solidarisch für unsere Senioren Einkaufsdienste anbieten. Das wurde in größerem Umfang angenommen und auch mit positiver, freundlicher Kommunikation super ausgeführt. Dafür möchte ich mich bei den „Wasserburger Löwen“ sowie bei unserem Bürgermeister herzlich bedanken. Das zeigt deutlich: Die Alten werden hier in Wasserburg nicht allein gelassen – sie werden nicht nach irgendwelchen ökonomischen Modellen (Berlin, Tübingen) nach Bedarf abgetrennt. Wenn wir von der Kita bis zum Seniorenheim zusammenstehen, wenn wir nicht zulassen, dass Familien getrennt werden, wenn wir unsere Lebenserfahrungen, unser Selbstvertrauen, unsere Familientradition einbringen – so werden wir diese und die folgenden Krisen immer wieder bestehen.

Heinz Pokorny

Wasserburg

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