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Serie zu 50 Jahren Gebietsreform – Zeitzeuge Karl Fischberger

Altbürgermeister Karl Fischberger aus Soyen: „Schleefeld und Allmannsau lösen sich auf“

Das historische Ortsbild von Soyen zeigt (links) die Schule, in der Mitte das Feuerwehrhaus mit Gemeindekanzlei und rechts das Pfarrzentrum.
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Das historische Ortsbild von Soyen zeigt (links) die Schule, in der Mitte das Feuerwehrhaus mit Gemeindekanzlei und rechts das Pfarrzentrum.

Altbürgermeister Karl Fischberger aus Soyen (2008 bis 2020) hat zum Thema „Gebietsreform 1971“ in historischen Unterlagen geblättert. Zusammen mit den Erzählungen des Altbürgermeisters Hans Zoßeder entstand auf diese Weise ein lebendiger Bericht.

(Anmerkung der Redaktion: Die im Folgenden angeführten Original Zitate von Hans Zoßeder stammen aus einem Interview anlässlich der 1200 Jahrfeier der Gemeinde Soyen „Erinnerungen eines Altbürgermeisters“. Das Interview führte 2016 der Soyener Gemeinderat Dr. Hans Hinterberger).

Soyen – Altbürgermeister Karl Fischberger aus Soyen erinnert an die Zeit der Gebietsreform: 1968 wird Hans Zoßeder Erster Bürgermeister der Gemeinde Soyen – keine leichte Zeit für bayerische Landbürgermeister. Es war die Zeit der Gebietsreform. Die vielen kleinen Landgemeinden sollten zu größeren Gebilden vereint werden. Der Landkreis Wasserburg sollte zerschlagen werden. In Hans Zoßeder`s Augen ist klar, was künftig zusammengehören müsse: Soyen, Schlicht, sowie Teile der Gemeinden Schleefeld und Allmannsau.

Karl Fischberger, Bürgermeister in Soyen von 2008 bis 2020. .

Erste Gespräche der Bürgermeister im November 1969

Bürgermeister Zoßeder wird vom Gemeinderat Soyen im November 1969 beauftragt mit den Nachbarbürgermeistern Eduard Kleiner (Schlicht), Martin Westermeier (Schleefeld) und Franz Stein (Allmannsau) Verhandlungen über eine Gemeindezusammenlegung zu führen.

Hans Zoßeder: „Da habe ich immer das Pfarrbild im Sinn gehabt. Durch was hat der Mensch zusammengebracht werden können? Nur durch das gemeinsame Denken, Bitten und Betteln. Nur durch das Gemeinsame. Das ist vom Hohenburger Schloss ausgegangen. Das ist das Schöne, weil die alle zusammengehört haben. Immer. Da habe ich zwischen Koblberg und Hinterleiten in die Mitte was reingebaut. Rieden nicht vergessen, das Alte zu belassen und einen neuen Mittelpunkt zu schaffen, das war mein ganzes Denken.“

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Der Gemeinderat von Schleefeld hat in seiner Sitzung vom 29. Dezember 1970 der freiwilligen Zusammenlegung mit Soyen und Rechtmehring zugestimmt. Mit Wirkung vom 1. April 1971 wird die Gemeinde Schleefeld aufgelöst und der Bereich von Hoswaschen und Öd, über Fischbach und Weidgarten bis zum westlichen Ufer des Soyener Sees der Gemeinde Soyen zugeordnet.

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Laut Beschluss war noch zu prüfen ob sich noch weitere Orte wie Schratzlsee, Ferchensee und Aumühle die nach ihrer geografischen und verkehrstechnischen Lage günstiger an Soyen liegen, zur Gemeinde Soyen orientieren, was aber nicht der Fall war. Von den 444 Einwohnern werden exakt 100 Personen in die Gemeinde Soyen eingegliedert. 344 Personen nach Rechtmehring, das bewegliche Vermögen wird Rechtmehring überlassen. Die bisherigen Gemeinderäte von Schleefeld Sebastian Ramm und Nikolaus Spagl werden ab April 1971 als beratende Mitglieder ohne Stimmrecht im Soyener Gemeinderat aufgenommen.

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Die Gemeinde Allmannsau wurde zum 1. Juli 1971 aufgelöst und den Gemeinden Haag, Soyen und Rechtmehring eingegliedert. Der Bereich zwischen Lengmoos und dem Nasenbach bei Soyen/Schleifmühle mit einer Fläche von rund 420 Hektar wurde Soyen zugeordnet. Von den 607 Einwohnern wurden 174 nach Soyen eingegliedert.

Der Auflösung der Gemeinde Allmannsau ging eine Besprechung am 14. April 1971 der betroffenen Bürgermeister Stein (Allmannsau) Huber (Haag) Krug (Rechtmehring) und Zoßeder (Soyen) voraus. Nach eingehender Beratung und Aussprache einigten sich die Beteiligten Gemeindevertreter auf einen Vorschlag zur Aufteilung der Gemeinde Allmannsau.

Rollschränke und Schreibmaschine wurden verteilt

In dem Vorschlag sind einmal die Wünsche der Bevölkerung weitgehendst berücksichtigt und zum anderen würden die zukünftigen Gemeindegrenzen einen vernünftigen Verlauf nehmen. Dieser Vorschlag wird in einer Bürgerversammlung der Bevölkerung erläutert, Änderungswünsche könnten noch eingearbeitet werden. In der Sitzung vom 17. Mai 1971 wurde der Aufteilung einstimmig zugestimmt.

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Das bewegliche Vermögen der Gemeinde Allmannsau wird wie folgt aufgeteilt: Je ein Rollschrank geht an Rechtmehring beziehungsweise Soyen und die Schreibmaschine erhält der Markt Haag. Die Gemeinde Allmannsau hatte zu dem Zeitpunkt keine Schulden.

Mehr Zuschüsse und ein 402.000 DM-Bonus

Die Gemeinden hatten damals (1969/70) die Chance, sich freiwillig zu vereinigen. Andernfalls würde später eine Zusammenlegung vom Innenministerium angeordnet, ohne noch groß auf die Wünsche der Gemeinden Rücksicht zu nehmen. So gab es im November 1969 im Gasthaus Grill in Soyen auf Einladung von Bürgermeister Zoßeder eine Besprechung mit allen Bürgermeistern und Gemeinderäten über die Zusammenlegung der Gemeinden Soyen, Schlicht, sowie Teilen von Allmannsau und Schleefeld. Die Vertreter des Landratsamts Wasserburg Oberregierungsrat Müller, Dr. Marschall und Regierungsoberinspektor Egglseder führten aus, dass bei einem freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden vom Staat ein Betrag von 402.000 DM für die Gemeinden zu erwarten ist, der sich auf sieben Jahre verteilt. Außerdem wäre künftig mit einer größeren Bezuschussung vom Staat für den Straßenbau, die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes und Ähnlichem zu rechnen. Nach eingehender Diskussion schlug Zoßeder vor, die Gemeinden Schlicht, Schleefeld und Allmannsau möchten bis zum 15. Januar 1970 Stellung nehmen.

Bürgermeister Hanz Zoßeder – in seiner seiner Küche war die Gemeindekanzlei

1968 wird Hans Zoßeder Erster Bürgermeister der Gemeinde Soyen und sollte es fast 30 Jahre bleiben. Sein Vorgänger Josef Hamberger, Strohreit war im Amt verstorben. Hans Zoßeder und seiner Frau Lia wird schnell klar, dass sich ihr Leben jetzt drastisch ändern würde. Allein schon, weil es damals noch üblich war, dass ein Bürgermeister sein Privathaus für die Amtsgeschäfte zur Verfügung stellt.

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Hans Zoßeder: „Wir sind nach oben gezogen. Das Haus war für zwei Familien gebaut, wir haben im oberen Stock logiert. Ich habe mein Schlafzimmer ausgeräumt, da haben wir das Büro eingebaut. Wir haben erst ein paar Möbel kaufen müssen. Das hat der Gemeinderat nur schweren Herzens genehmigt, weil ja das andere ‚auch gelangt‘ hätte. Schwierig, so war das damals. Da wo die Küche ist, das war die Gemeindekanzlei - eine sehr schöne! Und unser Wohnzimmer, das war das sogenannte Bürgermeisterzimmer. Da haben Trauungen und sonstige Feierlichkeiten stattgefunden. Wenn eine Trauung war, hat die Bärbel, die hat damals schon Harfe gespielt, jede Trauung mit der Harfe begleitet.“

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