Alphornbauen als intensives Hobby: Schnaitseer Josef Jellbauer braucht 80 Stunden für ein Instrument

Geduld, Geschick, und eine gehörige Portion Leidenschaft steckt der Handwerker in jedes Werksstück.
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Geduld, Geschick, und eine gehörige Portion Leidenschaft steckt der Handwerker in jedes Werksstück.
  • vonKatharina Heinz
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Bei Josef Jellbauer traf die Liebe zur Musik auf Spaß am Drechseln. Heraus kam eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung.

Schnaitsee – Das Tor zu Josef Jellbauers Garage in Schnaitsee steht weit offen. Von drinnen hört man ein schleifendes Geräusch. Tritt man näher, sieht man Sägespäne, Werkzeug, und jede Menge Holz. Manche Stücke länglich ausgehöhlt, manche ähneln kleinen Trichtern.

Liebe zur Musik mit dem Vater geteilt

Einen solchen hält Jellbauer gerade an die Drechselmaschine. Feine Späne fallen ab. „Ein falscher Handgriff, und das Ding ist kaputt“, sagt er voll konzentriert. Er arbeitet gewissermaßen am „Endstück“ seiner Arbeit: an einem wenige Zentimeter großen Mundstück eines über drei Meter langen Alphorns.

Jellbauer ist Hobby-Alphornbauer. Der gelernte Werkzeugbauer hat in seinem Arbeitsleben bei einem Gasversorger gearbeitet. In seiner Freizeit hat er, wie sein Vater, schon immer gerne gedrechselt. In seinem Wohnhaus sieht man daher auch viele der selbst gemachten Kunstwerke: hölzerne Kugeln oder feine, detailgetreue Tierfiguren.

Wissen kommt vom Allgäu nach Schnaitsee

Die andere Leidenschaft der Jellbauer-Männer war die Musik. Der Vater war es schließlich, der Beides zusammenbrachte, und selbst ein Alphorn baute. Bei einem Alphornbläser-Treffen in Hindelang im Allgau schließlich bekam das Handwerk seinen Feinschliff. Dort konnten echte Experten erklären, worauf es beim Alphornbau ankommt.

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„Heutige Alphörner werden in drei Teilen gebaut“, so Jellbauer. Damit lasse es sich leichter transportieren. Es gibt ein Handrohr, ein Mittelrohr und ein Becherrohr mit dem Schallbecher. Jedes der Teile besteht aus zwei ausgehöhlten Hälften, die wieder verleimt werden. „Wichtig ist, dass die konische Form stimmt, und dass die Wandstärke immer sechs Millimeter beträgt“, so der Hobby-Bastler. Denn nur so lasse sich das Instrument leicht blasen und liefere auch stimmige Töne.

Josef Jellbauer arbeitet in seiner Werkstatt-Garage an einem Alphorn.Katharina Heinz

Die klassische Tonleiter kann man mit einem Alphorn nicht spielen. Durch unterschiedliche Stärken und Arten des Anblasens kann man dem Instrument die Töne der Naturtonreihe entlocken.

Einjähriges Fichtenholz wird verwendet

„Der Ton entsteht wie bei Blechblasinstrumenten durch unterschiedliche Lippenanspannung“, erklärt Jellbauer. Ursprünglich sei das Alphorn ein reines Signalinstrument für die Hirten und Senner auf dem Berg gewesen.

Auch auf das richtige Holz kommt es an. Für den Alphorn-Körper benutzt Jellbauer einjähriges Fichtenholz, das gut abgelagert sein muss. Das Mundstück ist aus einem Obstgehölz. Die Rohstoffe stammen aus dem Wald des Bruders. Wenn der ein gutes Stück findet, legt Jellbauer los. Rund 80 Stunden braucht er, bis ein Alphorn fertig ist. Er fertigt ungefähr drei Stück pro Jahr. Dazu gehört auch immer Ständer für die einzelnen Teile sowie die verschiedenen Mundstücke, die man braucht, je nachdem, welche Stimme man spielt. Ein Geschäft daraus zu machen, hat er allerdings nicht vor. „Das ist eigentlich mein Winterhobby“, sagt er.

Leidenschaft und Geduld sind gefragt

Der Rentner ist auch mit seinen anderen Freizeitbeschäftigungen, Hufeisenwerfen und Eisstockschießen, gut beschäftigt. In einer Ü-30-Bläser-Gruppe spielt er zudem die Posaune. Doch der Klang des Alphorns hat es ihm besonders angetan. „Es klingt so mild und weich, ganz einzigartig“, schwärmt er. Inzwischen hat er sich eines der Teilstücke vorgenommen. Mit einem Schnitzeisen schabt er Späne für Späne heraus, um das Holz auszuhöhlen.

„Man braucht gutes Holz und Präzision“, betont er. Wenn man Josef Jellbauer so beim Arbeiten zusieht, dann sieht man aber: Es braucht noch viel mehr, um ein gutes Alphorn in reiner Handarbeit zu bauen. Eine Prise Geduld, Geschick, und eine gehörige Portion Leidenschaft steckt der Handwerker in jedes Werksstück seines etwas außergewöhnlichen Hobbys.

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