Sie wollen mehr Wertschätzung: Mitarbeiter von Alpenhain in Pfaffing streiken

Alpenhain in Pfaffing wird erneut bestreikt
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Alpenhain in Pfaffing wird erneut bestreikt
  • Heike Duczek
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Der Streit zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaft um einen Tarifvertrag für die Alpenhain-Belegschaft geht weiter. Die Fronten sind verhärtet, eine Einigung ist nicht in Sicht.

Pfaffing – Erneut wird bei Alpenhain in Pfaffing gestreikt. Im Obazda-Werk des Käseherstellers werden Mitarbeiter am Donnerstag, den 23. Juli, für 24 Stunden die Arbeit niederlegen, kündigte am Mittwoch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an. Mit dem Wahnstreik ab 6 Uhr würden die rund 450 Beschäftigten den Druck auf das Unternehmen erhöhen, sich zu tariflichen Standards zu bekennen, so die NGG.

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Seit einem Jahr immer wieder Proteste

Seit einem Jahr kommt es im Werk immer wieder zu Arbeitsniederlegungen. Alpenhain habe Gespräche über einen Tarifvertrag bislang abgelehnt, sagt die Gewerkchaft. „Der Ärger in der Belegschaft nimmt zu. Während die meisten Beschäftigten in Bayerns milchverarbeitender Industrie in den Genuss von Tarifverträgen kommen, ziehen die Mitarbeiter bei Alpenhain in puncto Bezahlung und Arbeitsbedingungen den Kürzeren“, sagt Manuel Halbmeier von der NGG in Rosenheim. 

Für die als systemrelevant anerkannte Arbeit in der Ernährungsindustrie müsse es im wirtschaftlich starken Oberbayern eine höhere Wertschätzung geben. Am Standort Pfaffing lässt Alpenhain insbesondere Obazda, Grillkäse und Back-Camembert produzieren. Auch Filialen der Fast-Food-Kette McDonald’s werden nach Gewerkschaftsangaben bundesweit aus dem Werk beliefert. „Alpenhain ignoriert dabei die Aufforderung von McDonald’s, Standards zusammen mit Arbeitnehmervertretern auszuhandeln“, sagt Halbmeier.

Gewerkschaft fordert Gespräche

Die Gewerkschaft NGG fordert die Geschäftsführung dazu auf, das Gesprächsangebot anzunehmen. Ein Tarifkonflikt mit weiteren Streiks könne nicht im Interesse des Unternehmens sein. „Am Ende geht es auch um die Frage, ob sich künftig noch Fachpersonal für das Werk findet. Konkurrenten wie Meggle zahlen in der Region längst mehr“, so Halbmeier.

Alpenhain warnt vor Arbeitsplatzverlust

Auf Anfrage der Wasserburger Zeitung äußerte sich die Firmenleitung schriftlich zu den Vorwürfen der Gewerkschaft. Ein Tarif, wie ihn die NGG fordere, sei für ein Unternehmen wie Alpenhain keine Lösung. „Wir sind sehr handwerklich geprägt, mit einer hohen Fertigungstiefe und -breite. Daher benötigen wir größtmögliche Flexibilität“. Dies könne durch einen Tarifvertrag nicht adäquat abgebildet werden. Ein Haus-Tarif, wie ihn sich die NGG vorstelle, würde Arbeitsplätze kosten, so die Geschäftsführung. Gute Arbeitsbedingungen würden sich am besten betrieblich gestalten lassen – „ohne betriebsfremde Vorgaben von außen“, so ein Unternehmenssprecher.

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Alpenhain sei – bezogen auf Umsatz und Absatz – mit Abstand die kleinste Molkerei in der Region – und stark handwerklich orientiert. Der Vergleich mit anderen Molkereien in der Region hinke, wenn sich die NGG auf Branchenstandards beziehe.

Streit um Haustarif

Die Corona-Krise habe das Unternehmen stark getroffen. Kunden aus dem Foodservice, darunter Großküchen, Caterer und Gastronomiebetriebe, hätten ihre Abnahmemenge erheblich reduziert oder storniert. Trotzdem sei es gelungen, den Produktionsbetrieb aufrecht zu halten. „Die Forderungen der NGG kommen hier zur Unzeit“, so Alpenhain.

In den vergangenen beiden Jahren habe das Unternehmen 45 Millionen Euro in die Zukunftsfähigkeit investiert, um den Standort in Lehen sicher aufzustellen. Weitere Investitionen seien geplant. „Es kann also keinen Zweifel an unserem Commitment für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am hiesigen Standort geben.“

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Der Käsehersteller habe sich in „kontruktiven Gesprächen“ mit dem Betriebsrat und auch im Rahmen einer „Einigungsstelle um neue Arbeitszeit- und Schichtmodelle bemüht. „Wir bevorzugen eine innerbetriebliche Lösung und müssen jetzt zusammen mit dem Betriebsrat den seit letztem Jahr beschrittenen Weg konsequent zu Ende gehen.“ Das im Haus entwickelte Vergütungsmodell müsse den Branchenvergleich nicht scheuen. Es gebe Bestandteile, „welche wesentlich besser als die tariflichen Lösungen sind“. Die tariflichen und von der NGG zusätzlich geforderten Bestandteile hätten gravierende Auswirkungen, „die letztendlich für das Unternehmen zu signifikant höheren Kosten führen würden, welche wirtschaftlich überhaupt nicht darstellbar sind.“

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