1 Million Käsestücke pro Tag

In der Corona-Pandemie hat Alpenhain 45 Millionen Euro teure Käserei in Pfaffing in Betrieb genommen

Der hoch aufragende Erweiterungsbau macht die neue Käserei im oberbayrischen Lehen weithin sichtbar.
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Der hoch aufragende Erweiterungsbau macht die neue Käserei im oberbayrischen Lehen weithin sichtbar.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Nach rund zwei Jahren Bauzeit und einer Investition von 45 Millionen Euro hat im Oktober die neue Käserei von Alpenhain am Standort Lehen bei Pfaffing offiziell den Betrieb aufgenommen. Sie löst die alte Käserei ab, in der über vier Jahrzehnte hinweg bis zuletzt im Drei-Schicht-Betrieb Käse produziert wurde.

Pfaffing – Für die neue Produktionslinie wurde in allen Teilbereichen mit renommierten Lieferanten zusammengearbeitet, allen voran dem oberbayrischen Käsereianlagenhersteller Alpma, um gemeinsam eine ganze Reihe hochinnovativer Lösungen zu entwickeln, wie das Unternehmen mitteilt.

Körperliche Arbeit wird erleichtert

Dabei sei eine Anlage entstanden, die es ermöglicht, die Herstellparameter in wesentlich engeren Grenzen und bei höherer Stückleistung zu fahren.

Täglich bis zu 1 Million Käsestücke

Gleichzeitig werde den Mitarbeitern, die an der Linie beschäftigt sind, die körperliche Arbeit erleichtert. Dafür wurden in einem neu errichteten, hochaufragenden Erweiterungsgebäude vollautomatische Speicher für die außerordentlich großen Käseformen geschaffen. Zudem sind dort auch moderne Sozialräume für die Angestellten untergebracht.

Die Greifköpfe legen die Käsestücke auf Gitterböden ab, auf denen diese dann die Salzung und Reifung durchleben.

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Im Drei-Schicht-Betrieb werden von je achtköpfigen Teams zukünftig auf der Fläche eines halben Fußballfeldes täglich bis zu einer Million Käsestücke hergestellt, informiert das Unternehmen. Im Gegensatz zu anderen Käsereigroßanlagen kann in der neuen Alpenhain-Anlage dabei zwischen fünf verschiedenen Käsestückformaten gewechselt werden.

450 Mitarbeiter sind beschäftigt

Insgesamt 45 Millionen Euro hat Alpenhain bei diesem Großprojekt in die Errichtung von Gebäude und Molkerei- und Käsereianlagen investiert, um langfristig die Produktion mit ihren zugehörigen Arbeits- und Ausbildungsplätzen im oberbayrischen Lehen zu erhalten und das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen – ein klares Bekenntnis für den Standort Lehen.

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Eröffnungsfeierlichkeiten können aufgrund der aktuellen Situation rund um COVID-19 nicht stattfinden, bedauert der Käse-Hersteller, der, 450 Mitarbeiter und Auszubildende hat, die für die Verarbeitung von jährlich etwa 80 Millionen Litern frischer Alpenmilch sorgen.

Alpenhain-Geschäftsführer über Corona-Auswirkungen

Wirkt sich Corona auf den Absatzmarkt der Käsespezialitäten aus?

Robert Winkelmann: Aufgrund der Entwicklung rund um Covid-19 mussten vor allem Kunden aus dem Bereich Foodservice, darunter Großküchen, Caterer und Gastronomiebetriebe – also Großverbraucher – bereits ab März ihre Abnahmemengen erheblich reduzieren oder stornieren.

Was passierte mit der Ware, die dann „übrig“ war?

Winkelmann: Ware, die ursprünglich für den Außer-Haus-Markt produziert wurde, – darunter Obazda, Camembert Creme und Rotter Klosterkäse – ging damals in größeren Mengen an die Tafeln in München, Rosenheim, Wasserburg und Rott sowie an die Rosenheimer „Leibspeise“ und erfüllte somit noch einen guten Zweck.

Wie sah es im Bereich des Exports aus?

Winkelmann: Einen ebenso deutlichen Einbruch gab es im Bereich Export während des ersten Lockdowns. Zudem: Durch die zahlreichen Einschränkungen in der Gastronomie, geschlossenen oder weniger frequentierten Kantinen und Mensen, die fehlenden Veranstaltungen und Aktionen in der Systemgastronomie sowie durch abgesagte Volksfeste mussten wir hier deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Verlagerung des beruflichen Lebens ins Private (Home Office/ Schulunterricht) führte allerdings zu einer erhöhten Nachfrage nach unkomplizierten Mahlzeiten – wie zum Beispiel nach dem Klassiker Back-Camembert oder schnellen Käse-Snacks, etwa Mozzarella Sticks. Im Absatzkanal Lebensmitteleinzelhandel konnten wir somit zwar Zuwächse verzeichnen, allerdings nicht die Einbrüche aus dem Bereich Großverbraucher kompensieren. Die Krise trifft uns also merklich, so wie viele andere Unternehmen auch. Trotz dieser herausfordernden Situation haben wir es bisher geschafft, den Produktionsbetrieb aufrecht zu erhalten und bestehende Arbeitsplätze zu sichern.

Können Sie das Minus beim Umsatz beziffern?

Winkelmann: Wir werden im Jahr 2020 rund 10 Prozent unter Plan beim Absatz liegen.

Spürt man den zweiten Lockdown, der als „light“ bezeichnet wird?

Winkelmann: Auch der zweite Lockdown ist für uns spürbar. Hier hat sich die allgemeine Situation nicht wesentlich verbessert und der fehlende Absatz im Bereich Foodservice beeinflusst unser Geschäft weiterhin. Entwicklungen wie vermehrtes Home Office führen dazu, dass Speisen deutlich weniger bei „Take-away“ erworben und konsumiert werden.

Exportiert Alpenhain in die USA?

Winkelmann: Derzeit unterhält Alpenhain kein aktives US-Geschäft. Grundsätzlich sind die Staaten jedoch ein interessanter Markt, der auch für uns Potenzial bietet.

Was bedeutet die Abwahl Donald Trumps als US-Präsident für das deutsche Exportgeschäft aus Ihrer Sicht?

Winkelmann: Wir rechnen mit einer allgemeinen Entspannung des weltweiten Handels, was auch positive Auswirkungen auf unser Exportgeschäft insgesamt haben wird.

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